Zu Straßburg auf der Schanz

Zu Straßburg auf der Schanz

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Dritte Melodie:

Zu Straßburg auf der Schanz

Zu Straßburg auf der Schanz
Da fing mein Unglück an
da wollt ich den Franzosen desertiern
und wollt es bei den Preußen probiern
ei das ging nicht an

Eine Stund wohl in der Nacht
Haben’s mich gefangen bracht
Sie führten mich vors Hauptmanns Haus
O Himmel was soll werden draus
Mit mir ists aus

Früh morgens um zehn Uhr
Stellt man mich dem Regimente vor
Da soll ich bitten um Pardon
und werd ich kriegen mein Lohn
Das weiß ich schon

Ihr Brüder allzumal
heute seht ihr mich zum letztenmal
Unser Korporal der gestrenge Mann
ist meines Todes Schuld daran
den klag ich an

Ihr Brüder alle Drei
Ich bitt, schießt allzugleich
Verschont mein junges Leben nicht
Schießt dass das rote Blut raus spritzt
Das bitt ich euch

O Himmelskönigin
Nimm meine Seel dahin
Nimm sie zu dir in Himmel hinein
Allwo die lieben Engeln sein
und vergiß nicht mein

Text und Musik: Verfasser unbekannt

Volkslied aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, wie fliegende Blätter von 1786 bis 1806 nachweisen, die Erk sah und benutzte: „Drei schöne Weltlich. Lieder“ (das 3.). Gedr. o. O. u, J. (1786— 1806). Vielfach mündlich aus dem Hessen-Darmstädtischen bei Erk, Liederhort. und Erk I, 5, 7. Auch bei Hoffmann, Schlesische Volkslieder 1842, 292. Meier, Schwäbische Volkslieder 342. Ditfurth, Fränkische Volkslieder 2, 209. Möllenhoff S. 609, Nr. 14. Pröhle 205 nach einem fliegenden Blatt,  Mittler 229. Die Schlußstrophe, welche auf katholischen Ursprung hinweist, findet sich nicht auf allen Druckblättern, z. B. nicht in den von Pröhle benutzten.

Das Lied wurde 1806 wie so vieles in „Des Knaben Wunderhorn“ umgedichtet und sentimental umgeformt. In der Wunderhorn-Fassung desertiert der junge Mann, weil er aus der Schweiz ein Alphorn hört (bis nach Straßburg?) und er versucht hinüber zu schwimmen. Nicht der gestrenge Korporal ist schuld, sondern der Hirtenbub mit dem Alphorn. Diese Fassung wird dann besonders in der Biedermeierzeit durch die Neu-Vertonung Silchers populär, der das ursprüngliche Lied rhythmisch entschärft und sentimental-kitschig überhöht.

Böhme schreibt 1893: „Daraus 1840 bei Kretzschmer I, Nr. 6, und seitdem unendliche mal nachgedruckt. — Das ist die jetzt allgemein verbreitete Lesart. Man singt davon gewöhnlich aber nur Str. 1 — 4, was auch genügt.“ Kretzschmer I, Nr. 4 bringt ebenfalls die Silcher-Melodie als „schwäbisches“ und „rheinländisches“ Volkslied, die Nr.6 als 2-stimmige Fassung, Silcher wird nicht erwähnt, die I. Nr. 5  mit dem Wunderhorn-Text aber der Original-Melodie.

Deutscher Liederhort III (1893, Nr. 1393 )

 

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: , (1786)
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