Wir wollen mit Pfaff und Adel raufen

Musikalische Blasphemien aus sieben Jahrhunderten

(in: Mit freundlicher Genehmigung von: FolkWorld - Ausgabe 32 12/2006 - Artikel von Walkin' T:-)M)

Na hoppala aber auch: Religiöser Fundamentalismus ist wieder stark im Kommen. Die einen regen sich über Mohammed-Karikaturen und Mozart-Aufführungen auf, die andere Fraktion über die Papst-Satire „Popetown“ auf MTV. Oomph wird kritisiert wegen ihres Liedes „Gott ist ein Popstar“, die finnischen Eurochanson-Abräumer Lordik wegen ihres „Hard Rock Halleluja“. Eigentlich ziemlich lächerlich, wenn es nicht so ernst wäre. Denn schon fordert der bairische Ministerpräsident härtere Strafen für Gotteslästerer.

Darf man über Religion, Gott, seine Stellvertreter auf Erden und die Kirche lästern? Heilige und Propheten verspotten? Glaubenssätze, Dogmen und Rituale lächerlich machen? Oder ist es im Gegenteil nicht sogar dringend notwendig, diese zu kritisieren und zu hinterfragen?
Die Geschichte zeigt jedenfalls eines: Nicht nur Zeichner, sondern auch Sänger, Musikanten, Troubadoure und Liedermacher haben die sogenannte Blasphemie trotz Zensur, Inquisition und Volksverhetzungs-Paragraphen immer schon lustvoll mitgemacht. Folgen Sie uns auf einen musikalischen Streifzug durch 600 Jahre Verletzung religiöser Gefühle!

Ich sollt ein Nonne werden (14. Jhd.)

Ich sollt ein Nonne werden
Ich hatt kein Lust dazu
Ich schlaf nicht gern alleine
Geh in die Kirch nicht froh
Und wann es kommt um Mitternacht
Schlägt man die Glocken an
Da hab ich armes Mägdelein
Noch keinen Schlaf getan
Wenn ich vor die Äbtissin komm
Sieht sie mich sauer an
Viel lieber würd ich freien
Einen jungen hübschen Mann

Ein in den Klöstern gebräuchliches Sprichwort sagt: Man kommt zusammen, ohne sich zu kennen, man lebt miteinander, ohne sich zu lieben, und stirbt, ohne beweint zu werden. Mancher, den seine bigotten Eltern dem Klosterleben in früher Jugend geopfert hatten, sprach mit heißen Tränen den Wunsch aus, dass ihn die Mutter bei der Geburt doch lieber ersäuft als in ein Kloster geschickt haben möchte. (Corvin) Nach der Limburger Chronik sang und pfiffe man dieses Lied bereits 1359.

Wir wollens Gott vom Himmel clagen (1476)

Wir wollens Gott vom Himmel clagen,
Kirie eleyson.
Das wir die pfaffen nicht zue todt sollen schlagen,
Kirie eleyson.

Anno domini 1476 hat sich im dorff Nicolaushaszen in der graffschaft Wertheimb am flusz Tauber ligendt ein hirt erhebt und hefftig wider die obrigkwit, clerysey geprediget, auch dasz waszer, waidt, holtz solten gemain sein, kein zoll noch gelaithgelt geben. Dieser beukher predigte so lang wider die pfaffhaith, dasz die walende unnder andern offentlich sangen: Wir wollens … (Steinitz)

Wer der erst Edelmann gewest ist (Hanns Sporer, 1493)

Nun wolt ich wissen also geren,
Wann die Edelleüt her kumen weren,
Sintemal das dy pösen vnd dir frumen,
Nit mer dann von Adam vnd Eua sind kumen.
Da Adam reütet vnd Eua span,
Wer was die zeit da ein Edelmann?

Die sozialrevolutionären Ideen des Mittelalters traten in religiöser Form auf. Der Spruch Als Adam grub und Eva spann ist in England 1381 belegt, in Deutschland seit der Zeit der sich immer weiter ausbreitenden Bauernunruhen, ebenso in den Niederlanden, Dänemark und Schweden

Der Bauernhimmel

Wenn wir werd’n in’n Himmel kommen
Hat die Plag ein End genommen.
Da ist kein Amtmann und kein Schinder
Kein Soldate und kein Sünder.
Dort gibt’s nicht Steuern noch Abgaben
Wir brauchen nur die Heilgen loben.
Für die reichen Pfaffenhände
Hat der Dezem auch ein Ende.
Und die bösen Kapläne
Fressen die verreckten Hähne.
Kirmes ist dort alle Tage
Keiner hat dort was zu sagen.
Ist das nicht ein hübsches Leben?

Wenns doch Gott bald wollte geben. Karl der Große machte den Zehnten erst gesetzlich, und bald dehnten ihn die Pfaffen auf alles mögliche aus. Sie verlangten nicht nur den Zehnten von den Feldfrüchten, Schafen, Ziegen, Kälbern, Hühnern und dem Erwerb, sondern sie wollten ihn sogar von Dingen erheben, die sich für Geistliche sehr schlecht schickten. Zu Brescia belehrte ein Pfarrer die Frauen im Beichtstuhl, daß sie ihm auch den Zehnten von – ehelichen Umarmungen entrichten müßten. (Corvin)

Die schwäbische Bauernklage (17. Jhd.)

Ach, ich bin wol ein armer Baur
Mein Leben wird mir mächtig saur
Ich mein, ich könn oft nimmermehr
Ach dass ich nie geboren wär.
Der Pfarrher weist uns zur Geduld
Und sagt, es sei der Sünden Schuld
Er sieht, dass er sein Zehnten hab

Das Wetter schlag auf oder ab. Die älteste Bauernklage, die vom 17. bis ins 19. Jhd. gelebt hat. In Schwaben hat sich der Text am vollständigsten und am längsten erhalten (Spruch beim Pfingstritt in der 2. Hälfte des 19. Jhds.). Die schwäbischen Bauern befanden sich unter ihren zahllosen kleineren und größeren Herrschaften unter besonders scharfer feudaler Ausbeutung, was sich auch in ihrer aktiven Teilnahme an der 1848er Bewegung zeigte. Aus dem gleichen Gebiet stammen auch die meisten der Auswandererlieder, die gleichfalls die Not der Kleinbauern wiederspiegeln. (Steinitz)

Die Schiffsleute vortragen den ganzen wahrhaftigen Grund / Er wollte plagen und martern die Bauern manchergestalt (1626)

Es ist nun jedermann bekannt
Das Ländlein ob der Enns genannt
Das ward gar hart bezwungen
Setzt ihn’n München und Pfaffen ein
Und sollten gut katholisch sein
Ja, beides Alt und Jungen
Zwingt man zu dieser Religion.
Als nun das Volk in d’Kirchen gieng
Zu predigen der Pfaff anfieng
Und sprach mit Worten eben:
Ihr Bauren, merket, jung und alt,
Wollt ihr euch nicht bekehren bald
Zu diesem Glauben b’geben
Man wird ihr Viel mit großer Pein
Die Augen hie ausstechen
Ja, wer nicht will katholisch sein
An den wird man sich rächen
Die Nas und Ohren schneiden ab
Damit man kenn der Ketzer Schaar
Und einen Scheuen an in’n hab
Weiter so wird man Man und Weib
Das Herz auch reißen aus dem Leib
Und um das Maul herschlagen
Wer glauben thut an ’s Luthers Lehr
In vielen Landen weit und fern
Wird ma sie also plagen
Darum die Bauren mit Gewalt
Den Pfaffen überfallen
Zu Tod ihn habn geschlagen bald
Mit großer Macht und Prallen. Dann als an einem Orte
In Oesterreich dem Land
Ein Mönch trieb solche Worte
Auf der Kanzel zuhand
Am Fest der Himmelfahrte,
Dass wenn sie sich nicht bald
Bekehrten ohn länger warten
Man solche Ketzerbarte
Zwingen würde mit Gewalt
Man werde Weib und Mannen
Zum Theil ausstechen thun
Die Augen und fortane
Die Ohrn abschneiden lon
Das Herz aus dem Leib reißen
Und dann auch also bloß
Ihnen um das Maul schmeißen
Damit man möchte weisen
Diese Ketzer so groß
Darauf die Bauren balde
Den Mönchen gschlagen todt
Und sich alsdann mit Gwalte
Zusamm haben gerott
Häufen sich mehr je mehre
Wöllen mit starker Hand
Und Gottes Hülf sich wehren
Nicht von der Lehr abkehren
So sie haben erkannt.

Zwei Balladen vom Aufstand der Bauern an der Enns: Das Ennser Gebiet war vom Kaiser an den Kurfürsten von Bayern verpfändet worden und die Bauern wurden von den bayrischen Beamten besonders stark ausgeplündert. 1625 raffte die Pest jeden 14. Einwohner dahin, 1626 belagerten die Bauern die Stadt Enns für 30 Tage.
Im Gegensatz zum Großen Bauernkrieg 1525 haben sich Lieder der kämpfenden Bauern von der Enns erhalten.

Spielleute
Es wollt ein Bauer früh aufstehn

Und als der Bauer saß und fraß,
Da rumpelt in der Kammer was.
Ach, liebe Frau, was ist denn das?
Da rumpelt in der Kammer was.
Und als der Bauer in d’Kammer kam,
Stand der Pfaff da, zog sein Hosen an.
Da nahm der Bauer ein’n Ofenscheit,
Und schlug den Pfaffen, dass er schreit.
Der Pfaffe schrie: O Schreck, o Graus!
Und hielt den Arsch zum Fenster raus.
Da kamen die Leut‘ von nah und fern
Und dachten, es sei der Morgenstern.
Der Morgenstern, der war es nicht –
Es war des Pfaffen Arschgesicht.
So soll es allen Pfaffen geh,

Die nachts zu fremden Weibern gehn. 15. Jhd.: Ein Mönch hatte sich in eine hübsche Frau verliebt und versuchte es auf alle Weise, sie zu verführen. Es gelang ihm auch. Sie stellte sich sehr krank und verlangte nun den Mönch als Beichtvater. Dieser kam, blieb mit ihr der Sitte gemäß allein, um ihr die Beichte abzunehmen, und wurde erhört. Am andern Tag kam er wieder und legte, um es sich bequemer zu machen, seine Hosen auf das Bett der Frau. Dem Manne schien die Beichte etwas lange zu dauern; er wurde neugierig und trat unvermutet in das Zimmer. Der Mönch absolvierte so schnell als möglich und floh, aber – vergaß, seine Hosen mitzunehmen. Der racheschnaubende Ehemann stürzte damit auf die Gasse und zeigte diese Verräter seinen Nachbarn, entflammte sie zur Wut und brach mit ihnen ins Kloster ein. Ein alter Pater sagte ihm: er brauche wegen dieser Hosen nichts Übles zu denken, denn dieses wären die Beinkleider des heiligen Franziskus, welche Krankheiten wie die, woran seine Frau litte, gründlich heilten. Zu seiner Beruhigung wolle er die Hosen feierlich abholen. Alsbald zogen Mönche mit Kreuz und Fahne nach dem Hause des ehrlichen Dummkopfes, legten die heilige Reliquie auf ein seidenes Kissen, stellten sie zur Verehrung aus und reichten die heiligen Hosen des liederlichen Mönchs den Gläubigen zum Kusse herum. Dann trug man sie in feierlichem Bittgang nach dem Kloster zurück und legte sie hier zu den übrigen heiligen Reliquien. (Corvin)
Gregor VII. (1073-1085) ist der Urheber der erzwungenen Ehelosigkeit der Priester oder des Zölibats. Er hielt es für nötig, die Geistlichkeit von allen Banden zu trennen, durch welche sie mit der bürgerlichen Gesellschaft und mit dem Staate verbunden war; sie sollte kein anderes Interesse als das der Kirche haben und dieser mit Leib und Seele angehören. Da Familienbande die fesselndsten und einflußreichsten Bande von allen sind, so unternahm er es, um jeden Preis die Ehe bei Geistlichen auszurotten. Der alte Vizegott in Rom ist ihm Familie und Vaterland.
Der gewaltsam unterdrückte Geschlechtstrieb macht Tiere toll und Menschen zu Narren. Weder Tonsur noch Weihen vermögen es, den Geistlichen die menschlichen Schwächen, wie man dummerweise die Regungen des Naturtriebes häufig nennt, abzustreifen. Die Natur respektiert einen geweihten Pfaffenleib ebensowenig wie den irgendeines anderen tierischen Organismus und kämpft mit ihm um ihr Recht. Diese Kämpfe endeten bei gewissenhaften Geistlichen, denen es mit ihrem Keuschheitsgelübde ernst war, gar häufig mit Selbstmord oder Wahnsinn oder mit unnatürlicher Befriedigung des Geschlechtstriebes oder mit freiwilliger Verstümmelung.
Der schlechtere Teil der Geistlichen, die ich hauptsächlich mit Pfaffen meine, betrachtet dagegen die Ehe als eine Fessel, von der sie der gute Gregor befreit hat. Sie wissen sich, was die Befriedigung des Geschlechtstriebes anbetrifft, für die Ehe schadlos zu halten, indem sie nach Clemens VI. (1342-1352) Ausdruck wie eine Herde Stiere gegen die Kühe des Volkes wüten.
In England fand Gregors Gesetz bedeutenden Widerstand; aber einer der englischen Prälaten tröstete sich, indem er sagte: Man kann wohl den Priestern die Weiber, aber nicht den Weibern die Priester nehmen. Ratherius von Verona, der zu Anfang des 10. Jhds lebte, klagt: Oh! wie verworfen ist nicht die ganze Schar der Kopfgeschorenen, da unter ihnen keiner ist, der nicht ein Ehebrecher ist oder ein Sodomit. (Corvin)

Mönch und Nonne (17. Jhd.)

Es ging ein Mönch ins Oberland
Mit einer Nonn‘ ward er bekannt.
Der Mönch, der stieg den Baum hinauf,
Die Nonn‘, die sah von unten auf.
Ach Herr, was ist das lange Ding,
Das unter euer Kutten hing?
Ach Nonn‘, es ist mein Messerlein,
Die Scheide habe ich daheim.
Ach, Mönch, ach, willtu schweigen mir,
Die Scheide will ich leihen dir.

Antipfäffische Lieder sind seit dem 15. Jhd. belegt. In der Reformationszeit wurden sie als Kampflieder gesungen.
Aus der Liederhandschrift des Studenten Clodius (1669). Zupfgeigenhansel singen es zu der Melodie „Es fuhr ein Pfalzgraf wohl über den Rhein“.

Der Karmeliter

War einst ein Karmeliter, der Pater Gabriel
Versprach der Anna Dunziger ein‘ nagelneue Seel‘.
Nahm sie in seinen Beichtstuhl,
Setzt sie auf seinen Schoß.
Da dacht‘ die Anna Dunziger:
Das Beichten geht famos!
Nicht nur auf Haupt und Glieder
Ruht die gewehte Hand,
Er senkt sie langsam nieder
Bis ins Gelobte Land.
Ei, spricht er, liebes Annerl,
Greif in die Kutten, Maus,
Und hol‘ mir meinen Priesterstab,
Den Segen Gottes ‚raus.
Bald schwanden ihr die Sinne,
Wie leblos sank sie hin,
Da hat’s ’nen kleinen Knacks gegeb’n –
Die neue Seel‘ war drin!

Der fromme Rabanus Maurus sagt: Wenn man einen Geistlichen sähe, die Hand auf dem Busen eines Weibes, so müsse man annehmen, daß er sie segne! Allerdings befanden sie sich nach solchem Segen gar häufig in gesegneten Umständen!

Die Laien waren froh, wenn es diesen Kirchenstieren erlaubt wurde, Konkubinen zu halten, damit nur ihre Weiber und Töchter vor ihnen sicher wären. Ja, die Friesen gingen so weit, daß sie gar keine Priester duldeten, die nicht Konkubinen hatten.

Der Bischof Heinrich von Lüttich hatte eine Äbtissin zur Mätresse und in seinem Garten einen förmlichen Harem und rühmte sich, in 22 Monaten vierzehn Söhne gezeugt zu haben.
Man erzählt vom Kardinal Bellarmin, daß er 1624 Geliebte gehabt und nebenbei zur Sodomiterei noch vier schöne Ziegen gehalten habe! (Corvin)

Ein Mönch kam vor ein Nonnenkloster (17. Jhd.)

Ein Mönch kam vor ein Nonnenkloster,
Mit seinem riesen langen Paternoster,
Er kam wohl vor ne Klostertür,
Da schaut eine kranke Nonn herfür,
Der Mönch, der stieg die Treppe rauf,
Die Nonn’, die sah von unten ‘nauf,
Ei Pater, was ist das für’n Ding,
Das unter Eurer Kutte schwingt,
Ja, das ist mein Patientenstab
Mit dem ich kranke Nonnen lab,
Er führte sie auf den untern Gang,
Und labte sie dort drei Stunden lang,
Er ging mit ihr auf den Orgelboden
Und orgelte nach allen Noten
Ei Pater, das hat wohl getan,
Da fang’ wir gleich von vorne an,
Und als 9 Monat’ vergangen war’n,

Die Nonn’ ein geistig Knäblein gebar Kein Ort war den geilen Pfaffen zu heilig, und die Regierungen mußten dieselben oft strafen, weil sie einen Altar oder einen andern für heilig geltenden Ort als Sofa betrachtet hatten. Ein Kaplan zu Solothurn beging selbst die schreiende Sünde, die Orgel zum Schauplatz seiner unerlaubten Freuden zu wählen!

Robert von Abrissel, der Stifter des Klosters von Fontevrauld, ein sehr heiliger Mann, brachte die Nächte bei Nonnen zu, um seine Stärke zu prüfen in der Tugend der Enthaltsamkeit. Sehr vernünftig war es von ihm, daß er sich zu dieser Probe nur die allerschönsten Nonnen aussuchte. Siegte er, dann war sein Sieg um so verdienstlicher, und unterlag er, nun, dann lohnte es doch auch der Mühe. (Corvin)

Ist jemand, schreibt Nikolaus de Clemanzis (+1440), heutzutage träge und zum üppigen Müßiggange geneigt, so eilt er sogleich, ein Priester zu werden. Alsdann besuchen sie fleißig liederliche Häuser und Schenken, wo sie ihre ganze Zeit mit Saufen, Fressen und Spielen zubringen, betrunken schreien, fechten und lärmen, den Namen Gottes und der Heiligen mit ihren unreinen Lippen verwünschen, bis sie endlich aus den Umarmungen ihrer Dirnen zum Altar kommen. Im Saufen waren die Priester besonders stark und setzten einen Ruhm darein, es den Laien zuvorzutun. Die Pfaffen sagten, wenn sie guter Laune waren, von sich selbst: Wir sind das Salz der Erde, aber man muß es anfeuchten, denn kein guter Geist wohnt im Trockenen. (Corvin)

Der Abt, der reit (Johann Hermann Schein, 1626)

Frisch auf ihr Klosterbrüder mein
Lasst uns einmal fein lustig sein
Der Abt vergnügt sich auf der Fahrt
Drum heben wir auf das Zölibat
Frisch auf ihr Klosterbrüder mein
Wir laden uns die Nonnen ein.
Ein jeder Bruder kriegt seine Nonne
Und alles strahlt und lacht vor Wonne

Die frommen Väter hatten in ihren Kellern Fässer, die größer waren als die Zellen ihrer Vorfahren, der armen Einsiedler. Abbé Parny in seiner köstlichen Satire „La guerre des Dieux“ hat den köstlichen Einfall, alle Satyren und Faune der alten Heidenzeit die Stammväter der Mönche werden zu lassen. (Corvin)

Johann Hermann Schein (1586-1630), Sohn eines evangelischen Pastors, war Kapellmeister in Weimar und Thomaskantor in Leipzig.
Karmeliter mit Frauenzimmer

Unter Johannes XII. (955-963) Regierung ging es recht lustig zu, man lachte und tanzte in der Kirche und sang dazu liederliche Lieder. Der päpstliche Palast wurde in einen Harem verwandelt. Kein Weib war so keck, sich sehen zu lassen, denn Johannes notzüchtigte alles, Mädchen, Frauen und Witwen, selbst über den Gräbern der heiligen Apostel.
Bonifaz VIII. (1294-1303) erklärte öffentlich, daß Hurerei, Ehebruch und Unzucht gar keine Sünde sei, weil Gott Weiber und Männer dazu gemacht habe. Er lebte mit einer verheirateten Frau und mit ihrer Tochter zu gleicher Zeit und mißbrauchte seine Pagen zu unnatürlicher Wollust, so daß sich diese untereinander die Huren des Papstes nannten.
Zeugen bewiesen, daß Johann XXIII. (1410-1415) nicht nur Hurerei, Ehebruch, Blutschande, Sodomiterei, Simonie, Freigeisterei, Räuberei und Mord verschuldet, sondern auch 300 Nonnen verführt oder genotzüchtigt und sie dann zum Lohn zu Äbtissinnen und Priorinnen gemacht habe. Der Papst habe zu Bologna einen Harem von 200 Mädchen unterhalten.
Sixtus IV. (1471-1484) legte in Rom die ersten öffentlichen Bordelle an und wies jeden seiner Kardinäle auf die Erwerbnisse von 20-30 Huren an. Er erlaubte Kardinälen für eine bedeutende Abgabe während der Monate Juni, Juli und August – Sodomiterei!
Julius III. (1550-1555) hielt sich mit dem Kardinal Creszentius gemeinschaftlich Beischläferinnen, und die Kinder, welche dieselben bekamen, erzogen sie gemeinschaftlich, da keiner von beiden wußte, wer der Vater sei. (Corvin)
Papst und Sultan (Christian Ludwig Noack)

Der Papst lebt herrlich in der Welt,
Es fehlt ihm nie an Ablassgeld.
Doch nein, er ist ein armer Wicht,
Ein holdes Mädchen küsst ihn nicht.
Der Sultan lebt in Saus und Braus,
Er wohnt in einem Freudenhaus.
Doch trinkt er keinen Tropfen Wein
Drum möcht‘ ich auch nicht Sultan sein.
Doch das geh ich mit Freuden ein:
Halb Sultan und halb Papst zu sein,
Drum, Mädchen, gib mir einen Kuss,
Denn jetzt bin ich dein Sultanus,
Ihr trauten Brüder, schenket ein,
Damit ich auch der Papst kann sein.

Christian Ludwig Noack (1767-1821) war Theologe und Lehrer.

Mitte der 1970er Jahren fuhren Konzertbesucher auf anzügliche, derbe und zotige Volkslieder ab. Aber kommentarlos zwischen anderer Volksmusik gesungen, wie von Zupfgeigenhansel im Süddeutschen Rundfunk, kam es zu Protesten. Der verantwortliche Redakteur musste den Nachweis erbringen, dass es sich um ein traditionelles Lied handelt.

Alle diese reichen Einkünfte reichten nicht hin, die Bedürfnisse des Papstes Leo X. (1513-1521) zu befriedigen. Seine Kinder, Verwandten, Possenreißer, Komödianten, Musiker wie seine Liebhaberei für die Künste verschlangen unermeßliche Summen, und der üppige Heilige Vater geriet in große Verlegenheit. Der Papst erließ also eine Bulle, worin allen, welche durch Geldbeträge den Bau der Peterskirche befördern würden, Ablaß verkündigt würde. Eltern- und Geschwistermord, Blutschande, Kindermord, Fruchtabtreibung, Ehebruch aller Art, die unnatürlichste Wollust, Meineid – alles fand hier seinen Preis. Die schamloseste und frechste Nichtswürdigkeit enthält aber der Schluß dieser Taxe; er lautet: Dergleichen Gnaden können Arme nicht teilhaftig werden, denn sie haben kein Geld, also müssen sie des Trostes entbehren!

Der Dominikanermönch Johann Tetzel führte einen eisernen, mit dem Wappen des Papstes verzierten Kasten mit sich herum und zog von Markt zu Markt, indem er sang: Sowie das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt! Er rühmte von sich, daß er durch den Ablaß mehr Seelen aus der Hölle errettet habe, als von dem Apostel Petrus durch die Predigt des Evangeliums Heiden bekehrt worden waren. Er könnte nicht allein begangene Sünden vergeben, sondern auch solche, die man erst begehen wolle, und die Kraft seines Ablasses sei so groß, daß es keine Sünde gebe, welche durch denselben nicht gesühnt werden könne; ja, wenn jemand die Mutter Gottes genotzüchtigt und geschwängert habe – durch seinen Ablaß könne derselbe von der dadurch verwirkten Strafe befreit werden.

Trotz aller Pfiffigkeit wurde Tetzel aber doch einmal angeführt. In Magdeburg kam ein Herr von Schenk zu ihm und bot ihm eine nicht unbedeutende Summe, wenn er ihn für eine große Sünde absolvieren wolle, die er noch zu begehen gedenke. Schmunzelnd strich der Pfaff das Geld ein und gab den verlangten Ablaßbrief. Als nun einige Tage darauf Tetzel von Magdeburg nach Braunschweig zog, beladen mit einigen tausend Gulden, überfiel ihn in einem Walde bei Helmstedt der Herr von Schenk und nahm ihm seine ganze Barschaft ab. Der Pfaff schrie Zetermordio und klagte über Gewalt; allein Schenk zeigte seinen Ablaßbrief vor und sagte: Entweder hat mein Verfahren nichts zu bedeuten, oder deine Ware ist Betrug. Schenk behielt das Geld, und Tetzel hatte das Nachsehen. (Corvin)
Papst und Sultan

Nachtwächterlied (Riesengebirge, 1798)

Ein Hundsfott muss der Deutsche sein,
Der jetzt mit den Franzosen nicht stimmet ein:
Der Teufel hol Adel und Pfaffen!

Freifrau von Droste-Vischering (Rudolf Löwenstein, 1844)

Freifrau von Droste Vischering
Zum heil’gen Rock nach Triere ging
Sie kroch auf allen Vieren
Dies tat sie sehr genieren
Sie wollt‘ gern ohne Krücken
Durch dieses Leben rücken.
Drauf gab der Rock in seinem Schrein
Mit einmal einen hellen Schein
Gleich fährt’s ihr in die Glieder
Sie kriegt das Laufen wieder
Getrost zog sie von hinnen
Die Krücken ließ sie drinnen.

Man fand von manchem Heiligen so viele Körperteile, daß man daraus sechs und mehr vollständige Skelette hätte machen können! Nach den Überresten vom Haar der Jungfrau Maria zu urteilen, ist es scheckig gewesen, denn man zeigt braune, blonde, schwarze und rote. Splitter vom Kreuz gab es so viel, daß man aus dem dazu verwendeten Holz hätte ein Kriegsschiff bauen können. Die Würfel, mit welchen die Soldaten um Jesu Rock spielten, fanden sich auch vor. Solcher ungenähter Röcke zeigte man eine ganze Menge. Alle diese heiligen Röcke haben eine wohlbezahlte päpstliche Bulle für sich, in denen ihre Echtheit bezeugt ist. Mit Erstaunen erlebten wir es, daß noch im Jahre 1844 eine Million Wallfahrer nach Trier zogen, um hier einen alten Kittel zu küssen. (Corvin)

Herr Bischof, die Binsgauer brauchen selber ihr Geld (1844)

Die Binsgauer wollten wallfahrten gehn
Den heiligen Rock möchten’s auch gern sehn
Nun freut euch, ihr Brüder: wer taub und wer stumm
Allhier wird er kuriert, und grad gemacht was krumm
Die Binsgauer wollten zum Dom gleich hinein
Sie konnten’s nicht erlangen – am Tor ein Riegelein
Da trat der Bischof selber heraußer vor die Tür:
Ihr Esel höret auf – Eintritt bezahlt man hier!
Herr Bischof, die Binsgauer brauchen selber schon ihr Geld,
Den Esel doch behaltet, ist besser zu euch gesellt!

Zwei Spottlieder auf den Wunderglauben und die Wallfahrten zum sog. Heiligen Rock Christi nach Trier. Rudolf Löwenstein war Redakteur der Satirezeitschrift „Kladderadatsch“. 1844 waren die Zeitungen voller Hohn und Spott; bei der Zurschaustellung Anfang der 1990er Jahre wurde kaum Kritik laut.

Eine gute Reliquie war ein wahrer Schatz. Das Kloster zu Macon besaß die Haut des heiligen Dorotheus, der geschunden wurde. Die stopften die Haut mit Baumwolle aus und stellten den Heiligen her, als ob er lebe. Sie gerieten aber aus übergroßer Verehrung auf ganz kuriose Spielereien und Abwege, so daß es die Äbtissin für ratsam hielt, die Reliquie den Jesuiten zu schenken. Diese entdeckten bald die Kostbarkeit und stifteten eine Brüderschaft zum heiligen Leder, wodurch sie sehr viel Geld verdienten. Nun ging den Nonnen plötzlich ein Licht auf! Sie klagten beim Papst, reklamierten von den Jesuiten ihr Heiligtum, und es wurde ihnen auch zugesprochen. Der Jubel der Nonnen war groß, aber, o Schreck! die maliziösen Jesuiten hatten den frommen Jungfrauen die ganze Freude verdorben, indem sie den lieben Heiligen verstümmelt hatten. Die indignierten Jungfrauen wandten sich abermals an den Papst mit der Bitte, daß er den Jesuiten befehlen möge, ihnen das Fehlende herauszugeben. Der Papst hielt jedoch diesen Mangel, besonders für ein Nonnenkloster, nicht für erheblich und sandte den Bittenden als Ersatz – zwei geweihte Muskatnüsse! (Corvin)

Die schlesischen Weber (Heinrich Heine, 1844)

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten.
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt.

Heines Kommentar zum schlesischen Weberaufstand 1844. Ursache war Not und Elend, unmittelbarer Auslöser das Lied „Das Blutgericht zu Peterswaldau“: Hier im Ort ist ein Gericht, viel schlimmer als die Fehme …

Heckerlied (1848)

Hunderttausend Jahre währt die Knechtschaft schon,
Nieder mit den Hunden von der Reaktion
Fürstenblut muss fließen knüppelhageldick
Es lebe hoch die freie, die deutsche Republik!
Reisst die Konkubine aus des Fürsten Bett!
Schmiert die Guillotine mit der Pfaffen Fett!
An den Darm der Pfaffen hängt den Edelmann
Lasst ihn dran erschlaffen, bis er nimmer kann.

Friedrich Hecker (1811-81) war einer der populärsten Agitatoren der Badischen Revolution von 1848. Grundlage war das Lied von den Frankfurter Studenten: Wenn die Fürsten fragen: was macht Absalon? Könnt ihr ihnen sagen, er hänget draußen schon. Er hängt an keinem Galgen, er hängt an keinem Strick, er hängt am festen Glauben der freien Republik.

Bibel und Flinte (19. Jhd.)

Wir pred’gen den Heiden das Christentum, wie brav,
Und wer’s nicht will glauben, den bringen wir um, piff paff,
O selig die Wilden, die also man lehrt,
Die christliche Liebe mit Feuer und Schwert

Wir haben gar schneidige Missionär, juchhei
Den Branntwein, den Krupp und das Mausergewehr, die drei
So tragen Kultur wir nach Afrika
Geladen! Gebt Feuer! Halleluja! Durch die Mönche wurde das Christentum in die fernsten Weltteile getragen. Es ist das ein sehr zweifelhaftes Verdienst, denn das Mönchs-Christentum brachte mehr Fluch als Segen, wohin es auch immer kam. Die Marianneninseln wurden früher von 150 000 glücklichen Naturkindern bewohnt, und im Laufe der Zeit wurden sie durch christliche Krankheiten, Trunksucht und das Franziskaner-Evangelium auf 1500 elende, Christen genannte Subjekte reduziert. (Corvin)

Reaktion auf die imperialistische Kolonialpolitik im deutschen Kaiserreich. Das Lied entstammt dem „Demokratischen Liederbuch“ (Stuttgart 1898), Melodie: „Es klappert die Mühle“.

Wenn ich einmal der Herrgott wär (Eduard Amthor, 1841)

Wenn ich einmal der Herrgott wär, mein Erstes wäre das,
Ich nähme meine Allmacht her, dass ich die Lumpen fass,
Und träte einer hin zu mir und sagt: Herr, gibt mir Sieg!
Na, wart mein Jung, der Knüppel hier nimmt dir die Lust am Krieg.
Wenn ich einmal der Herrgott wär, ich will’s nun mal nicht sein,
Ich will nicht Knecht, ich will nicht Herr, nur Gleicher will ich sein.

Parodie auf ein Trinklied. Gefunden in dem 1899 in London erschienen „Sozialdemokratischen Liederbuch“ und vertont von Erich Schmeckenbecher.

Thyl Ulenspiegel
Der arme Kunrad (Heinrich von Reder, 1888)

Ich bin der arme Kunrad, in Aberacht und Bann,
Den Bundschuh trag ich auf der Stang, hab Helm und Harnisch an,
Der Papst und Kaiser hört mich nicht, ich halt nun selber das Gericht
Es geht an Schloss, Abtei und Stift, nichts gilt als wie Heilge Schrift
Ich bin der arme Kunrad, trag Pech in meiner Pfann
Heijoh! Nun geht’s mit Sens und Axt an Pfaff und Edelmann
Sie schlugen mich mit Prügeln platt und machten mich mit Hunger satt,
Sie zogen mir die Haut vom Leib und taten Schand an Kind und Weib
Ich bin der arme Kunrad, Spieß voran, Drauf und dran!

Der „Arme Kunrad“ (koan Roth = kein Rat) war eine bäuerliche Geheimorganisation im frühen 16. Jhd. im württembergischen Remstal.
Kunstgedicht über den Bauernkrieg von Heinrich von Reder (1824-1909), oft gesungen mit der Zeitangabe 1525. Unter Benutzung von Strophen und Kehrreim entstand das bekanntere „Wir sind des Geyers schwarzer Haufen“.
Wir sind des Geyers schwarzer Haufen (Hans Godwin Grimm, Kurt Zacharias, 1920)

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen,
Wir woll’n mit Pfaff und Adel raufen.
Als Adam grub und Eva spann,
Wo war denn da der Edelmann?
Wir wollen’s Gott im Himmel klagen,
Dass wir die Pfaffen nicht dürfen totschlagen.
Jetzt gilt es Schloß, Abtei und Stift,
Uns gilt nichts als die heilige Schrift.
Spieß voran! Drauf und dran!
Setzt auf’s Klosterdach den roten Hahn!

Bauernkriegslied Nr. 1 über den Bauernführer Florian Geyer (1490-1525). Die Melodie basiert auf Smetanas „Moldau“. Beliebt bei alt und jung, links und rechts gleichermaßen.
Die Nazis sangen 1933: Wir sind des Hitlers braunes Heer, wir machen Bonzensessel leer. Das deutsche Land dem deutschen Mann, der Jude lauf nach Kanaan, wenn er noch laufen kann.
Van Langen (2005): Die Pfaffen wollen wir kastrieren, die Eier an die Kirchtür schmieren. In die Kirche geh’n wir nicht, der Papst das ist ein Arschgesicht. Hängt an’s Fensterkreuz den Herrn Kaplan!
Postscriptum (aus einem Breslauer Gesangbuch)

Ich bin ein altes Raben-Aas,
Ein rechter Sünden-Knüppel,
Der seine Sünden in sich fraß,
Als wie den Rost der Zwibbel.
O Jesus, nimm mich Hund am Ohr,
Wirf mir den Gnadenknochen vor,
Und schmeiß mich Sündenlümmel
In deinen Gnadenhimmel.


Tage der Kommune