Vorwort (Pflanzenerotik)

Der Geschlechtstrieb ist der gewaltigste und vorzüglichste aller Triebe der Natur und der Menschenwelt. Er durchflutet das All der Natur wie das All der Menschheit heute wie ehemals. Freilich offenbarte er sich in der Menschenwelt in grauen Vorzeiten drastischer, deutlicher, nackter und — phantasievoller, heute dagegen „verfeinerter“, verhüllter, doch seine Stärke ist ungebrochen.

Er offenbarte sich phantasievoller. Das, was zu gewissen Zeiten ganz allein das Sinnen und Trachten des Ur- und Natur-Menschen erfüllte, übertrug er in ungemessener Freiheit und Zügellosigkeit vermöge seiner leidenschaftlichen und uneingeschränkten Vorstellungskraft auf die Ihn rings umgebende Welt, auf die Gestirne des Himmels, auf Wolken, Wind und Gewitter, auf die Tiere, auf die Pflanzen, die Steine, auf Erde und Wasser, ringsum sah er den gewaltigen Urtrieb zu lieben bzw. zu zeugen. Er sah Ihn überall in seiner, in ihm, dem Menschen selbst, zu ‚Tage tretenden Form und Gestalt.

Wir haben es hier nur mit den Pflanzen zu tun, wie der Naturmensch sich mit den Pflanzen noch völlig eins fühlte, ein als ihm gleiche Wesen erfaßte, seinen Geschlechtstrieb auf sie übertrug, ihren vermeintlichen Geschlechtstrieb für den seinen dienstbar zu machen suchte. Freilich hat dieser große erotische Trieb, der die Pflanzenwelt umspann, im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende mannigfache Nuancierungen erfahren, ja andere Formen angenommen. Das wird im Vorliegenden gezeigt werden.

In die grauste Vorzeit und Urzeit hinein reicht die-totale Sichgleichstellung:und Sichidentifizierung des Menschen mit der Pflanze. Der‘ Urmensch stellte sich mit Tieren, Pflanzen, Steinen auf dieselbe Stufe. Es war das enge Band, das ihn mit der Natur verknüpfte, noch nicht durch die klare Erkenntnis seines Ich-Bewußtseins zerschnitten. Er übertrug dumpf und naiv sein Fühlen, Denken, Vorstellen und Wollen auch auf die unbewußte Natur. In vielen alten Mythen ist diese Gleichstellung von Mensch und Pflanze noch deutlich sichtbar. Sie offenbart sich zunächst in der einen großen Urvorstellung, daß die Pflanzen seine, des Menschen, Eltern oder Vorfahren sind, eine Vorstellung, die wir noch jetzt, wie vor Tausenden von Jahren weit über den ganzen Erdkreis verbreitet finden.—

Meschin und Meschiane

In der eranischen Schöpfungssage entstand das erste Menschenpaar Meschin und Meschiane aus dem Baume Reivas. Dieser Baum war nämlich ein Mann und Weib in ihrer Vereinigung gestaltet, seine Früchte waren zehn Menschenpaare, von denen Meschin und Meschiane die Ureltern der Menschen wurden. — Bei den Phrygern galten die Korybanten, die baumartig emporschossen, als die ersten Menschen. — Auch in Ostasien kehrt dieselbe Vorstellung wieder: nach japanischem Volksglauben sind die Menschen, aus Gewächsen entstanden. Mit dem Tode eines Menschen kehrt sein Geist zur Welt der Gewächse wieder zurück, Wer Gewächse pflanzt, baut dahingeschiedenen Seelen Wohnorte (Krauss Japan 21). –

Bei den Arabern heißt es; ,.Ehret eure Muhme, die Palme!“ Die Dattelpalme ist eine Schwester oder Verwandte des Menschen. Gott schuf sie aus der Erde, die noch von der Menschschöpfung übrig geblieben war. Dieser Baum wurde wegen seiner aufrechten Gestalt und der scharfen Teilung der Geschlechter, wegen seines „Beilagers“ und seiner Befruchtung durchaus anthropomorphisiert. —

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