Steinitz

| 1970

Wolfgang Steinitz, geboren am 28. Februar 1905 in Breslau und gestorben am 21. April 1967 in Ost-Berlin, war einer der bedeutendsten deutschen Linguisten und Volkskundler des 20. Jahrhunderts. Als Wiederentdecker verschütteter sozialkritischer Volksliedtraditionen war er der wichtigste Wegbereiter des deutschen Folk-Revivals in der Bundesrepublik und der DDR. Auch in anderen sprachwissenschaftlichen und sprachpädagogischen Bereichen hinterließ Steinitz ein umfangreiches Werk.


1954 erschien im Ostberliner Akademie-Verlag ein dicker Wälzer namens Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten. Darin hat Wolfgang Steinitz 180 Lieder zusammengetragen, die in den meisten bürgerlichen Volksliedsammlungen fehlen: Bauernklagen und aufmüpfige Handwerksgesellenlieder, Rekrutenabschiedslieder, Auswandererlieder, Balladen über Bergwerksunglücke, Lieder aus dem schlesischen Weberaufstand wie das „Blutgericht“. Gefunden hatte sie Steinitz 1952 vor allem im Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg. 1962 kommt Band zwei hinzu, mit Kampf- und Spottliedern der Revolutionäre von 1848 sowie Arbeitervolksliedern aus dem 19. und 20. Jahrhundert, teilweise aus mündlicher Überlieferung. Sämtliche 299 Lieder sind ausführlich kommentiert, mit Melodien versehen und meist mehreren Textvarianten.


„Ohne diese die Sehnsucht und die Interessen des werktätigen Volkes zum Ausdruck bringenden d e m o k r a t i s c h e n Volkslieder können wir kein richtiges Bild von dem ganzen Reichtum des deutschen Volksliedes in seiner poetischen Schönheit und inhaltlichen Wahrheit erhalten.“ (Wolfgang Steinitz, Vorwort zum ersten Band der Demokratischen Volkslieder) 

Wolfgang Steinitz: Volkslieder
CD buch






"Steinitz" im Archiv:

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    Ach ich bin wol ein armer Baur Mein Leben wird mir mächtig saur Ich mein, ich könn oft nimmermehr: Ach daß ich nie geboren wär! Mein, horcht mir nur ein wenig zu: Mit Wyden bind ich meine Schuh Kein Frucht hab ich schier in der Scheur Und muß doch geben meine Steur. Vor Weihnachten iß […]
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    Ach sie naht, die Abschiedsstunde die uns hier so schmerzlich trennt noch einen Kuß von deinem Munde der auf meinen Lippen brennt Treue hab ich dir geschworen Fluch treff mich und ewige Pein Heil und Seligkeit verloren wenn ich je vergesse dein Sollst du je meineidig werden so treff dich des Rächers Fluch Dich verfolgt […]


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