Vorwort: Allgemeines Deutsches Kommersbuch 100. Auflage

Prof. Dr. Eduard Heyck (in: Allgemeines Deutsches Kommersbuch)

Das Allgemeine Deutsche Kommersbuch ist zuerst 1858 in Lahr erschienen. Ein ganzer Neukömmling war es auch damals nicht und brachte schon Richtung und gute Namen mit; was ursprünglich in Bonn entstanden war, verjüngte sich im deutschen Siidwesten und schon sehr bald im Zeichen von Heidelberg. Diese Vereinigung von 1858 hat demnach ihre goldene Hochzeit schon begangen, und sie hält mit der Selbsttreue einer achtbaren Familiengeschichte, die die Ängste des Parvenüs nicht kennt, dass man nur ja recht nach der Mode sei, auch noch im hundertsten Neudruck das historische Titelblatt fest, welches sie einst vom niederen Rhein, aus der Düsseldorfer Künstlerromantik, mit an den Oberrhein gebracht und welches die, die das Buch mit diesem Titel gerne gewannen, vermissen würden.

Der Ursprung des Buches führt auf einen studentischen Freundeskreis, der damit schöpferischer als wohl je ein anderer auf den Liederschatz eingewirkt hat, der zum Gemeingut, vielfach zum Volkslied geworden ist. 1843 ging aus der Bonner Fridericia ein Kleinoktavband „Deutsche Lieder“ in die Studentenschaft hinaus und fand raschen Eingang, wo er auf eine Verwandte, ernsthaft und fröhlich poetische Gesinnung traf.

Wilhelm Müller, Georg Herwegh, Emanuel Geibel -— dieser noch kürzlich Bonner Student —- waren hier erstmals in ein akademisches Liederbuch aufgenommen, desgleichen der Breslauer KopischUhland und Eichendorff waren vermehrt in den Kreis des Gesungenen gezogen. Eine Anzahl von Texten, die sich heute nicht wieder wegdenken ließen, erblickten hier das Tageslicht; Hoffmann von Fallersleben hatte sachverständigen Rat und Beiträge zugesteuert und auf einen jüngst von ihm veröffentlichten Einblattdruck „Deutschland, Deutschland über alles“ aufmerksam gemacht. Es waren die von vaterländischer Erwartung hoffnungsfroh erfüllten ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV, die gleichen, die die „Wacht am Rhein“ und Beckers Rheinlied gegen die neuen französischen Eroberungsgelüste, des alten E. M. Arndt jugendfrische Sturmgesänge, Herweghs prachtvolle zornige Lieder, Rückerts und anderer Mahnung an Straßburg, das Elsaß erlebten.

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