Taktwechsel oder 5/4-Takt?

Zur Notation von "Prinz Eugen"

(in: )

Über die richtige rhythmische Auffassung des im 19. Jahrhundert überaus populären Liedes „Prinz Eugen der edle Ritter“ entspann sich seinerzeit eine rege und kontroverse Diskussion:

Prinz Eugen der edle Ritter

Ludwig Erk schreibt im Liederhort:

„Von vorstehender Melodie hat uns Herr C. F. Becker sowol in der Leipz. „Allgem. musikal. Zeitung. 1842.“ (Nr. 41.), wie auch in seinen „Liedern und Weisen vergangener Jahrhunderte. Leipzig, 1849.“ (H. I. S. 54.) eine Aufzeichnung mitgetheilt, welche einer handschr. Liedersammlung (sie führt den Titel: „Musicalische Rüstkammer auff der Harffe, aus allerhand schönen und lustigen Arien, Menuetten, Sarabanden etc. bestehend. 1719.“ – S. 144) entnommen ist.

Da Hr. B. meine frühere Aufzeichnung im 5/4-Takt – sie rührt eigentlich von Bernhard Klein her, der diese Melodie gewöhnlich als mustergültiges Beispiel von der gemischten Taktart anzuführen pflegte – als „korrumpiert“ bezeichnet (siehe Leipz. musikal. Ztg. und meine Volkslieder. B. I, H. 1, S. 17.); so muß ich mir schon erlauben, einige Gegenbemerkungen zu machen und die Melodie nach der älteren Aufzeichnung hier einzurücken:

Noten von 1719 im 3/4-Takt

Damit nun will Herr B. die Melodie so vorgeführt haben, „wie sie wol von Hause aus war.“ Oder auch nicht, möchte ich hinzusetzen. Könnte sich unser „Rüstkämmerer“ denn nicht auch schon aufs „Korrumpieren“ verstanden haben? Ja, ich habe sogar Grund anzunehmen, dass die Melodie schon um 1683 im Volksmunde gelebt und ursprünglich einem ganz andern Liede, als dem in Rede stehenden, angehört haben könnte. In dem oben genannten „Bergliederbüchlein“ (Liederhort S. 116.) kommt nämlich auf S. 59, unter Nr. 48, ein Lied vor, dessen Str. 12 also lautet:

„Als Chursachsen das vernommen,
daß der Türk vor Wien gekommen,
rüst er seine Völker bald;
thät sich eilend dahin machen,
da man hört das Pulver krachen;
da wurden viele Bluthunde kalt.“

Und davon, meine ich, könnte vielleicht unser „Prinz Eugenius“ eine Nachbildung sein.

Ferner wird von Herrn B. behauptet, daß meine Melodie „lahm und schleppend dahin schleiche.“ Im Gegentheil! den lahmen und schleppenden Charakter aus der ältern Aufzeichnung, wenn anders sie für die ursprüngliche gelten kann, was jedoch noch zu beweisen wäre, hat das Volk beseitigt durch Aufnahme des lebendigern 5/4-Takts.

Auch sollte man meinen, daß der, welcher „schleppt“ und „lahm“ einherschreitet, sich weit mehr dem auf sechs Viertel ausgedehnten Takte des Herrn B., als dem meinigen von nur fünf Vierteln zuwenden müßte. Einzig nur aus der ältern Aufzeichnung fühlt man den „lahmen“ Großvatertanz heraus, und nur in der neuern Form macht sich der frische, naturkräftige Gesang geltend. Wem markierte sich z. B. nicht gleich bei dem Worte „Ritter“ schon der sattelfeste Reiter! Man singe statt der einleitenden Achtel- eine Viertelnote, und die lächerliche Wirkung wird nicht ausbleiben. Und vollends, wer erträgt die sehr geschmacklose Dehnung der Wörter: Brucken und rucken? –

Seiten: 1 2 3

Lied-Geschichte:
Volksmusik:
Liederzeit:

Volkslied-Geburtstag heute:

Welche Person der Volksmusik-Geschichte hat heute Geburtstag?:

  • Alfred Zschiesche (22. Februar 1908)

    Alfred Zschiesche (*22.02.1908 in Wiesbaden; † 26.02.1992 in Trippstadt / Pfälzerwald) ist vor allem bekannt durch sein Fahrtenlied „Wenn die bunten Fahnen wehen“ (1932).  Zschiesche war aktiv im Nerother Wandervogel, (Fahrtenname alf); nach dem Verbot der Bündischen Jugend 1933 kam er wegen „bündischer Umtriebe“ vier Wochen ins Gefängnis (es genügte, mit einer Gruppe, die nicht ... Weiterlesen ... ...

  • Fritz Gumbel (22. Februar 2018)

    Fritz Gumbel – ...