Brief von Chemnitz an Straß

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Von größter Wichtigkeit ist der nach dem Feste an Straß gerichtete Brief Chemnitz´, der zugleich die Wirkung des Liedes auf dem Schleswiger Sängerfeste beleuchtet. Er lautet:

Sr. Hoch- und Wohlgeboren Herrn Kreis- Justizrath Dr. Straß in Berlin.

Ew. Hoch- und Wohlgeboren wollen es mir gütigst erlauben, mich mit einigen Zeilen an Sie zu wenden. Ich hoffe trotz der Unbekanntschaft umso getroster auf eine nicht mißfällige Aufnahme meines Sehreibens, als ich mich auf ein meinerseits vollkommen gewürdigtes Band berufen darf, welches bereits seit längerer Zeit nicht bloß den ehrenwerten Director der Schleswiger Liedertafel, sondern auch durch diesen die letztere, deren Mitglied ich bin, an den Dichter des vortrefflichen „Deutsche Brüder, rings im Lande“, welches die gedachte Liedertafel zuerst gesungen hat, knüpft.

Durch das Gerücht von dem Sängerfeste, welches die Bewohner Schleswigs am 24. vor. Monats unter der besonderen Gunst des Himmels in hiesiger Stadt gefeiert haben, veranlaßt, hatten Sie hochgeehrter Herr Justizrath, die Gewogenheit, Herrn Bellmann von den schönen Erzeugnissen Ihrer Muße einige zuzusenden, um davon für unser Fest in Musik zu setzen.

Dieses freundliche Interesse an unserem Feste konnte nur mit dem lebhaftesten Danke aufgenommen werden, welcher jedes Zeichen der Theilnahme von Seiten deutscher Männer an den schleswig-holsteinischen Zuständen hier Landes stets begleitet. Die dem einen der Gedichte zu Grunde liegende Idee, wie sie überhaupt sofort allgemein ansprach, mußte um so mehr Anklang finden, als sie gerade die voraussichtlich zu erwartende Richtung des Festes befaßte. Sie wissen bereits von Herrn Bellmann, daß letzterer das fragliche Gedicht sogleich componierte, indem er demselben eine schöne, einfach-kräftige Volksmelodie gab.

Begreiflich konnten aber Sie, sehr hochgeschätzter Herr Justizrath, manche in localen und oft momentanen Verhältnissen beruhenden Momente, die überdies bei dem frischen politischen Leben in Schleswig- Holstein stets rasch wechseln, bei der weiteren Durchführung des Grundgedankens im Gedichte unmöglich aus so weiter Ferne benutzen und berücksichtigen, ja nur kennen. So hat namentlich die Eröffnung des Gouvernements an die jüngst zusammengetretenen Stände in Schleswig die Bewohner Schleswig-Holsteins fast ohne Ausnahme un- angenehm berührt und eine gereizte Stimmung hervorgerufen, die einen kräftigen Protest der öffentlichen Meinung verlangte.

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  • Heinrich Kämpchen (23. Mai 1847)

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    Heinrich Kämpchen – Bergmann und Arbeiterliedermacher – geboren am 23. Mai 1847 in Altendorf an der Ruhr; gestorben am 6. März 1912 in Linden, heute… ...