Reiters Morgengesang

Max Mendheim (in: W. Hauffs Werke, Band 1,)

Über die Entstehung von Hauffs bestem und mit vollem Recht längst zum Gemeingut unseres Volkes gewordenen Liede „Reiters Morgengesang“ gibt uns des Dichters Neffe, Prof J. Klaiber in Stuttgart, folgende interessante Schilderung. Er wohnte bereits im Hause der Mutter da erwacht er eines Morgens in der Frühe an einem schwermütigen Gesang mit eigentümlich getragenen Akkorden, er öffnet das Fenster und lauscht. Die Töne kommen aus dem unter seinem Fenster angebauten Raume, in welchem Landmädchen beim Waschen beschäftigt sind.

Vom Texte selbst ist nur wenig zu verstehen, aber die Melodie hat ihn wundersam ergriffen, und wie über die Schranken seiner Kraft hinausgehoben, wie von einem leisen Hauch der Ahnung betroffen, dichtet er im Angesicht der Morgenröte, die den Himmel färbt, in einem Zuge das Lied, das für ihn selbst so prophetisch werden sollte, vom Morgenrot, dem Boten frühen Todes.

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Auf welchen tatsächlichen Grundlagen diese anmutige Darstellung Klaibers beruht, wissen wir nicht, können jedoch annehmen, dass sie verbürgt sind und also der oben geschilderte Vorfall wirklich die Veranlassung zu unserem herrlichen Liede war. Bezweifeln jedoch müssen wir, dass Hauff wie aus obigem zu schließen wäre, gar keinen Text zu der dem schwäbischen Volke längst bekannten Melodie gekannt habe, die wenigstens, wenn sie nicht noch älter ist, aus der Mitte des 18 Jahrhunderts stammt.

Ist auch der Text in Hauffs Liede ein ganz anderer, so zeigen doch einige Verse und Wendungen deutlich genug, dass er auch einen Text des alten Liedes gekannt haben muss. Dieser behandelt ursprünglich die ungetreue Liebe …

In W. Hauffs Werke, Band 1, Max Mendheim · 1891

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