Die Gedanken sind frei

zwei Melodievarianten

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Die Gedanken sind frei

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Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten
sie fliehen vorbei
wie  nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen
kein Kerker einschließen
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Ich denke,  was ich will
und was mich beglücket
doch alles in der Still´
und wie es sich schicket
Mein Wunsch, mein Begehren
kann niemand mir wehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Und sperrt man mich ein
in finsteren Kerker
das alles sind rein
vergebliche Werke
Denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei
die Gedanken sind frei

Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!

Ich liebe den Wein
mein Mädchen vor allen
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine
mein Mädchen dabei
Die Gedanken sind frei

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort I (1856, Nr. 160) und Liederhort III (1894, Nr. 1803 „Gedanken sind frei“)

Anmerkungen zu "Die Gedanken sind frei"

Zweite Melodie:

Zweite Melodie von
Zweite Melodie von „Die Gedanken sind frei“ (1856)

Textvarianten:

  • 1, 6. Kein Jäger sie schießen. Ich sags ohne Scheu: die Gedanken sind frei. –
  • 1a. Belege den Fuß mit Banden und Ketten, das sHerz vor Verdruß sich nicht weiß zu retten: so wirken die Sinnen, die dennoch durchdringen. Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei. –
  • 1b. Wenn meinem Gesicht das Sehn wird versaget, so werd ich doch nicht von Sorgen geplaget: was soll ich mich kränken! ich kanns ja gedenken: es ist nicht vorbei, die Gedanken sind frei.

Dieses Lied erinnert an eine Stelle aus Freidank:

Ez sint gedanke und ougen
des herzen jeger tougen.
diu bant mac nieman vinden,
diu mîne gedanke binden.
man vâhet wîp unde man,
gedanke niemen gevâhen kan.
So dicke sint niergen mûren drî,
ich gedenke wol durch sî.
Ezn wart nie keiser alsô rîch,
mit gedanken sî ich im gelîch.

(»Vridankes bescheidenheit von Wilh. Grimm. Göttingen 1834.« p. 115.)

Böhme merkt im Liederhort dazu an: „Sehr verbreitetes Lied, das kurz vor 1800 in Süddeutschland entstanden ist, wie fliegende Blätter von 1780 — 1800 beweisen. Erk fand es gesungen im Hessen-Darmstädtischen , in Franken, Thüringen, Brandenburg und Schlesien. Daher sein zusammengestellter Text im Liederhort Nr. 160 (1856), wie er hier steht. Hoffmann, Schlesische Volkslieder (1842) Nr. 262 stimmt bis auf zwei Zeilen damit überein, Mittler gibt Nr. 995 und 996 Lesarten aus Hessen, Simrock Nr. 369 vom Rhein, Mündel 246 aus dem Elsaß. Ich habe von dorther mit Melodie noch andere Lesarten, die alle das Lied mit Str. 5 anfangen. —

Im Wunderhorn III. 39 (n. A. 38) sind die 4 ersten Strophen zu einem Zwiegesange eines Gefangenen mit seiner Geliebten verarbeitet: ein Kunststück der Herausgeber! Im handschriftlichen Nachlasse von Arnims vor 1808 hat der Text aus Franken bloß 3 Strophen Allerhand Zusätze bringen die fliegenden Blätter von 1800 (folgt) 1830 und 1848. —

Mit Melodie findet sich der Text (ohne 4 Str.) zuerst gedruckt in: „Lieder der Brienzer Mädchen“. Mit Begleitung des Pianoforte oder Guitarre. Bern, bei Albert Warnaß. (Gedruckt zwischen 1810—20). Auch das Wunderhorn gibt als Quelle an: Nach Schweizerliedern, Der Grundgedanke des Liedes ist schon im 13. Jahrhundert ausgesprochen. Im Freidank (Grimm’s Ausgabe S. 115) heißt es:

Diu bant mac nieman vinden
diu mine gedanke binden

Walter von der Vogelweide singt: „Sind doch Gedanken frei“. Dietmar von Aist: „Die Gedanken die sind ledig frei“. — Das noch heute übliche Sprichwort: „Gedanken sind frei“ wird bei Agricola, Sprichwörter 1534, angeführt.“

Steinitz fällt auf, daß einige wichtige Liedersammlungen (u.a. von 1841) das Lied nicht enthalten und vermutet daher ein Verbot des Liedes im Vormärz . Die Strophe „Ich liebe den Wein..“ ist laut Steinitz neuer , stand teilweise am Anfang des Liedes. „Ob dieser neue Anfang eventuell auf das Bemühen von Druckereien fliegender Blätter zurückgeht, das Lied zensurfähig zu machen….“ fragt Steinitz (1962).

"Die Gedanken sind frei" in diesen Liederbüchern

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