Die Gedanken sind frei (7 Strophen)

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Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten
sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen
in Kerker einschließen
ich sag’s ohne Scheu
Die Gedanken sind frei

Belege den Fuß
mit Banden und Ketten
das Herz vor Verdruß
Was soll ich mich kränken
ich kanns ja gedenken
es ist nicht vorbei
die Gedanken sind frei

Wenn meinem Gesicht
das Sehen versaget
so werd ich doch nicht
von Sorgen geplaget
Was soll ich mich kränken
ich kanns ja nicht ändern
ich sag’s ohne Scheu
die Gedanken sind frei

Ich liebe den Wein
mein Mädchen vor allen
sie hat mir vor allen
am besten gefallen
Ich sitz nicht allein
bei meinem Glas Wein
Mein Mädchen dabei
die Gedanken sind frei

Ich liebe, was ich will
und wie es sich schicket
und gedenke meiner Schöne
an das was mich erquicket
man kann ja im Herzen
bald lachen bald scherzen
es bleibe dabei:
Die Gedanken sind frei

Man sperre mich auch ein
in finsteren Kerker
so sind dieses nur
vergebliche Werker
Denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei
die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei
in jedwedem Lande
niemand machet sie
zum Contrebande
und weil die Gedanken
accisfrei sein
so sag ich’s ohne Scheu
Die Gedanken sind frei!

in: Neun Arien (Druckjahr unklar, die zweite)
Quelle

Accis => Die Akzise, auch Accise (französisch) oder Accis (lateinisch): eine (bei der Bevölkerung verhasste) Verbrauchssteuer, die vor allem auf Lebensmittel erhoben wurde, eine Art Binnenzoll, der u. a. an Stadttoren eingetrieben wurde. In Paris z.B. nach der Revolution von 1789 abgeschafft.

Liederthema: ,
Liederzeit: vor 1830 : Zeitraum:
Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: “Die Gedanken sind frei” ist ein bis in unsere Tage hinein populäres politisches Volkslied, es entstand vermutlich kurz vor 1780 in Süddeutschland, es wurde auf fliegenden Blättern verbreitet (siehe Fliegende Blätter). Bei Erk-Böhme III, S. 576 steht: “Allerhand Zusätze bringen die fliegenden Blätter von 1830-1848”. Wolfgang Steinitz fällt auf, daß einige wichtige Liedersammlungen...