Vorhandene Volkslieder-Sammlungen

Arthur Hübner (in: Der Heimatforscher, Band IV, 1926)

Was diesen Grundwerken deutscher Volksliedsammlung, denen sich noch das eine oder andere Buch ehrenvoll beigesellen ließe (Vor allem sei hingewiesen auf Ludwig Uhlands Sammlung „Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder“ (2 Bände, 1844/45), obgleich dies Werk dadurch eine Sonderstellung einnimmt, daß es ausschließlich auf altes deutsches Liedergut aus ist, wesentlich dem 15. bis 17. Jahrhundert zugehörig. Aber auch Uhland hat, um die poetische Wirkung der Lieder zu heben, leichte Eingriffe in die Textfassung seiner handschriftlichen und gedruckten Quellen nicht gescheut.

Die wundervolle Sammlung ist höchsten Ruhmes wert; nur darf man nicht glauben, daß sie einen zuverlässigen Eindruck davon gäbe, was und wie das Landvolk jener Jahrhunderte wirklich gesungen hat.), gemeinsam ist, das ist der Blick ins Weite und ins Vergangene. Es ist das Volkslied in seiner ganzen Breite, das Volkslied als Gattung, das Volkslied im Gegensatz zum Kunstlied, was den Sammler interessiert, mag er diesen Gegensatz als Ästhetiker, als Künstler oder als Gelehrter sehen.

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Weniger entwickelt ist die Betrachtung, die das Lied als Besitz und Äußerung eines bestimmten Volksteils und einer bestimmten Volksart sehen möchte, die es also als Exponenten eines besonderen Volkslebens nimmt und dadurch von selbst zu landschaftlicher Begrenzung geführt wird. Und der Blick ins Vergangene will besagen, daß bei den älteren Sammlern, bewußt oder unbewußt, der Gedanke im Hintergrunde steht: Weil oder soweit das Volkslied alt ist, ist es echt und schön. Schon für Herder gehörte zum Wesen des Volksliedes ein gewisses Alter, das Wunderhorn hat nicht umsonst den Untertitel: Alte deutsche Lieder, und Böhme beginnt den Liederhort mit lateinischen Gesängen der althochdeutschen Zeit. Es ist also nur ein Erbe, wenn auch jüngere Volksliedfreunde dazu neigen, ohne weiteres die Gleichung alt und schön zu vollziehen.

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