Vorwort: St. Georg Liederbuch deutscher Jugend 1. Auflage

Walter Gollhardt (in: St. Georg Liederbuch deutscher Jugend , Vorwort 1. Auflage (Ausschnitt))

Das Liederbuch wendet sich nicht an den Singkreis, für den ausreichend gesorgt ist, sondern an die Gruppe als Ganzes. Es will ihr das geben, was sie für die wichtigsten Teile ihres Lebens, für Fahrt, Nestabend und Lager, für die Gruppenfeier braucht. Es will Lieder bringen, die von allen gesungen werden können, und in Formen, die von allen verstanden werden, weil sie aus dem Leben der Gruppe herausgewachsen sind oder doch wenigstens in ihr erprobt worden sind.

Und daß in unseren Bünden nicht „Kitsch auf jeden Fall“ gesungen wird, dafür mögen die Lieder dieses Buches der beste Beweis sein, die ein bisher in dieser Vollständigkeit nicht vorhandenes Bild des in der deutschen bündischen Jugend lebendigen Liedgutes geben. Aber weil unsere Lieder nicht nur Kunstwerke, sondern auch „gesungene Bekenntnisse“ sind, daher durfte um seines Inhaltes willen manches Lied aufgenommen werden, gegen dessen Form sich künstlerische Bedenken erheben lassen.

Und weil das Liederbuch in erster Linie dem vernachlässigten Singen der Gesamtgruppe und nicht so sehr dem des „musikverständig“ geleiteten Singkreises dienen will, darum wurde gelegentlich der sangbareren und unserem musikalischen Zeitempfinden näherstehenden mündlichen Uberlieferung der Vorzug vor dem Original gegeben. Da sich gegen diese Auffassung vor allen Dingen die Kritik gewandt hat, muß noch etwas hierzu gesagt werden.

Sehr viele der in der Jugendbewegung entstandenen Lieder wurden zuerst von Menschen gesungen und aufgezeichnet, die des Notenschreibens recht wenig kundig waren. Die Liederblätter einzelner Gruppen und
die Notenbeilagen fast aller bündischen Zeitschriften enthalten genug Beispiele für rhythmisch und melodisch unmögliche Originalaufzeichnungen. Aber auch das fehlerlos aufgezeichnete, in der Jugendbewegung entstandene Lied ist selten einmalige Schöpfung eines Künstlers, sondern meist ist der, der es zuerst singt, Sprachrohr der Gruppe, des Bundes, der Bewegung, die ihn trägt, der er nurzurückgibt, was er von ihr empfangen hat. So sind in Wirklichkeit die meisten und besten Lieder dieser Art anonym, Eigentum der Bewegung. Wird ein solches Lied
in dieser Bewegung verändert, so wird dadurch nur in seltenen Fällen dem Original Gewalt angetan.

Im vorliegenden Liederbuch wurde daher den in den Bünden selbst entstandenen Liedern die Form gegeben, in der sie lebendig sind, wenn auch diese Form gelegentlich vom Original abweicht, während beim alten Liedgut der mündlichen Überlieferung nur selten der Vorzug gegeben wurde. Wo es aber geschah, da rechtfertigt der Zweck
des Buches diesen Brauch, der überdies ebenso alt ist wie die meisten Lieder selbst und nicht erst vom Herausgeber aus Pietätlosigkeit erfunden wurde.

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Volksmusik:
Liederzeit:

Volkslied-Geburtstag heute:

Welche Person der Volksmusik-Geschichte hat heute Geburtstag?:

  • Emil Kübler (16. April 1909)

    Noten dieses Liedes
    Der Kirchenmusiker Emil Kübler wurde am 16. April 1909 in Honau (Lichtenstein in Württemberg) als Sohn eines Pfarrers und ? geboren. Er studierte in Stuttgart Klavier und Orgel,… ...