Vorwort: Das Löns-Liederbuch

Hanns Heeren und Otto Koch
in: Das Löns-Liederbuch, Vorwort. Julius Zwißler Verlag, Wolfenbüttel. 1920 (3. Auflage)

Wie oft saßen wir im Dämmern in der Laube und lauschten den schwermütigen Liebesliedern, die einer der Unsern zur Laute sang:

Machangel-, lieber Machangelbaum,
Im Trauern komm« ich her —

und dann: .

Mund zu Mund im Traume spricht,
Aber uns lieben, das dürfen wir nicht.

Oder am nächtlich flammenden Feuer, wie klang es da:

Und wenn das Feuer brennt.
Dann fliegen Funken.
Ich hatte einen Stern,
Er ist versunken.
Er ist versunken in der dunklen Nacht –

Und der Schnee auf der Heide brachte uns die Lieder nahe:

Über die Heide geht mein Gedanken,
Annemarie, und alles ist voll Schnee,
Über die Heide ging einst mein Lieben,
Annemarie, ade, ade!

Da sang der Scheidewind im Laube, flüsterte der Meidewind im Moor, und so traurig war alles: –

Der Schnee, der tut wehe
Der Schnee, der bringt Leid
Lang ist das Leben,
Aber kurz die Maienzeit!

Doch im Sommer, beim hellen Sonnenschein, da war helle Lust und und Freude in und um uns:

Es stehn drei Birken auf der Heide,
Valleri und vallera.
An denen hab’ ich meine Freude,
Juppheidi und juppheida — — –

Und ein anderes:

Auf der Lünehurger Heide,
In dem wunderschönen Land,
Ging ich auf und ging ich unter –
Allerlei am Weg ich fand.

Wir hörten Kuckuck, Piedewitt und Wigelwagel und lauschten dem leisen Singen, das am Heidberg her und hin geht. Wie der Zupfgeigenhansl, so begleitet uns auch der kleine Rosengarten nicht nur auf fröhlicher Wanderfahrt, sondern auch ins Soldatenleben und in den Krieg hinein:

Die Trommeln und die Pfeifen,
Die haben ein laut Getön!

oder:

Grenadiere, Füsiliere,
Soldat will ich sein ——

Und manch einer summt heute auf der Wacht ganz leise vor sich hin:

Ich weiß einen Lindenbaum stehen
In einem tiefen Tal,
Den möchte ich wohl sehen
Nur noch ein einzige Mal —-— — —

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Volkslieder-Thema: Volksliedbücher
Liederzeit: (1919)
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