Unter dem Einflüsse der politischen Verhältnisse wandte er sich in den beiden ersten Jahrzehnten besonders der Pflege des Vaterlandsliedes zu. Lautete doch der achte Paragraph in den Statuten der 1808 gegründeten Zelterschen Liedertafel zu Berlin ausdrücklich: „Die Gegenstände des Vaterlandes und allgemeinen Wohles sind in ihrem ganzen Umfange Dichtern und Komponisten empfohlen“, und waren es doch gerade Körners sechs Lieder aus ,,Leyer und Schwert“ in der Komposition von Weber, die den großen, plötzlichen Aufschwung des Männergesanges veranlaßten.

Als dann später in politisch ruhigeren Zeiten die Lieder auf das ganze deutsche Vaterland in den Hintergrund traten, da begannen die Heimathymnen eine große Rolle zu spielen. Ihre Geschichte ist mit der des deutschen Männergesanges unlöslich verknüpft. Besonders in der späteren Zeit sind viele von ihnen aus Anlaß von Gesangfesten entstanden. Auf diesen Veranstaltungen, die meist wirkliche Volksfeste waren, wurden sie dann zum Vortrage gebracht, von den Hörern wiederholt, mit nach Hause genommen und erlangten so ihre allgemeine Verbreitung.

War der deutsche Männergesang der Entwicklung von Heimathymnen schon an sich durch seine volkstümliche und nationale Richtung günstig, so wurde er es in einem noch höheren Maße durch Sängerfeste, auf denen Vertreter sämtlicher Gesangvereine einer Provinz oder Landschaft zusammenkamen. Dadurch wurde das Bewußtsein der engeren Zusammengehörigkeit gestärkt und fand wie alles auf diesen Festen im Gesänge seinen Ausdruck.  Wie der Inhalt, so war auch die strophische Liedform der Heimathymnen durch die Bedürfnisse des Männergesanges gegeben. Besonders augenfällig wird der Zusammenhang von Männergesang und Heimathymnen in Schleswig Holstein.

Die schleswig-holsteinschen Sängerfeste brachten durch ihre Betonung des deutsch-nationalen Gedankens dem Volke die Schmach der Fremdherrschaft zum Bewußtsein, und auf ihre Rechnung ist zu einem guten Teil der großartige, von keiner anderen Heimathymne erreichte Erfolg des Schleswig-Holstein-Liedes wie des Wendellschen Farbenliedes zu setzen. Allerdings erklärt sich dieser Erfolg auch aus dem besonderen Charakter dieser Lieder, die zugleich dem Gebiete der politischen Lyrik angehören. Auch sonst ist die politische Lyrik der vierziger Jahre nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung der Heimathymnen gewesen. In dem Aufblühen der politischen Dichtung zeigt sich der Aufschwung des nationalstaatlichen Gedankens jener Zeit.

„Während die Eisenbahnen die alten Schranken zwischen Staaten und Stämmen abschwächten, verminderten, niederlegten und das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit stärkten, brachte die Philosophie Hegels den gebildeten Deutschen den Staatsbegriff und die Staatsbürgerpflicht zum Bewußtsein.“ (Chr. Petzet, „Die Blütezeit der deutschen politischen Lyrik von 1840—1850″. Einleitung S. 4)

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