Das Ottolied ist ein Gedicht auf die zweite Versöhnung des Kaisers Otto I. mit seinem meutrischen Bruder Herzog Heinrich, 941.

Der lateinisch-deutsche Text aus einer Cambridger Handschrift ist vollständig gedruckt bei Eccard, Veter. monum. Lpz., 1720, bei Hoffmann, Fundgruben I, 340 nach Wackernagels Herstellung; daher bei Soltau, hist. VL, 15 ff. J. Grimm, lat. Gedichte. Müllenhoff, Denkmale S. 25. Er beginnt:

Nunc almus assis filius thero ewigero thiernum
benignus fautor mihi, thaz ig iz coson muozi
de quodam duce, themo herin Heinriche
qui cum dignitate thero beiaro riche bewaroda. . . .

Den Inhalt hat Uhland (I 474)« erzählt:

„Zum Kaiser Otto tritt ein Bote und ruft ihn auf: „Was sitzest, Otto, unser guter Kaiser? Hier ist Heinrich, dein künftiger Bruder!“ Da steht Otto auf und geht ihm entgegen mit manchem Mann und empfängt ihn mit großen Ehren, „Willkommen Gott und mir!“ spricht der Kaiser, „ihr Heinriche, ihr beiden Gleichnamigen und eure Gefährten!“ Nachdem Heinrich den Gruß erwidert, fassen sie einander bei der Hand und Otto führt ihn in das Gotteshaus, wo sie Gottes Gnade anrufen. Nach vollbrachtem Gebet führt ihn Otto in den Rat mit großen Ehren und überträgt ihm, was er da hatte, außer dem Königsrechte, das auch Heinrich nicht begehrt. Da stand alle Verhandlung unter dem treuen Heinrich. Was Otto tat, das riet alles Heinrich und was er ließ, ließ auch Heinrich. Da war Keiner, dem nicht Heinrich sein volles Recht getan hätte.“ —

Dieses sonderbare in Mischdichtung abgefaßte Stück gehört der Hofpoesie an und rührt sichtlich von einem Geistlichen auf Heinrichs Seite her; denn dieser ist durchweg in das hellste Licht gestellt und der Eingang kündigt ihn, den Baiernherzog, als den Gefeierten an. In den Schlußzeilen beruft sich der Verf. auf sein urkundliches Wissen. —

Der Sprache nach ist das Ottolied das älteste Beispiel der lateinisch-deutschen Mischdichtung, jener gelehrten Spielerei, Deutsch mit Latein zu verbinden, davon Hoffmann ein ganzes Büchlein mit dem Titel „In Dulci Jubilo“ 1861 herausgegeben hat. Seiner Form nach ist dies Mischgedicht ein Leich, weil ohne gleichen Strophenbau und ohne regelmäßigen Rhythmus.

in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 223)

Volksmusik:
Liederzeit:

Tage der Kommune