Und wollt ihr hören zu dieser Frist

Das Lied vom heiligen Rock in Trier

Volkslieder » Geistliche Lieder

Und wollt ihr hören zu dieser Frist
Was zu Trier geschehen ist
Das mögt ihr hören geren:
Von dem Rock unsers Herren Jesu Christ
Der zu Trier erfunden ist
In großer Zucht und Ehre

Der edle Kaiser hochgeborn
Gott hat ihm solche Ehr erkorn
Er reit aus dem Niederlande
Glaubt, mit fünfhundert Mann,
Reu und Leid ging ihn an
Der heiligen drei König begehrende.

Gen Köln in den Turm er kam
Da ging ihn göttliche Reu an
Sein Hofgesind das tät kehren
Gen der Herberg also schon
Der edel Fürst lobesam
Der tracht nach Gott dem Herren

Er sprach wohl zu dem Küster zwar
Schleuß mir auf Tür und Tor
In Gottes Namen geren!
Die heiligen drei König zu sehen an
Sein Herz ihm vor Freuden brann
Dem edlen Kaiser werte

Er trat wohl in die Gruft hinab
Zu der heiligen drei König Grab;
Caspar war der erste
Balthasar liegt in der Mitte
Melchior ist fürwahr der dritte
Zu Niedergang der Sonne.

Der Kaiser kniet auf seine Knie
Er bat zu Gott dem Herren hie
Ein König bin ich auch geehrt
Und zu einem Kaiser erwählt
Solch Ehr Hab ich doch nie erzählt
Als die heiligen drei König auf Erd

Indem da däucht dem Kaiser zwar
Der Engel brächt die Botschaft an der Schar
In Gottes Namen geren
Er sprach: Du edler Kaiser Wert
Merk, was Gott an dir begehrt
Die Ding müssen geschehen:

Den Rock, den Maria gesponnen hat
Ihrem Kind Jesu Christ, dem höchsten Hort
Den musst du zu Trier erheben!
Der liegt bei unser lieben Frauen
In ihrem Altar wirst ihn anschauen
Kaiser, es muß geschehen!

Verkünd dem Papst behändiglich
Er schickt dir die Weil ganz und reich
Vergebung (von) Pein und Schulde
Vier Kardinal ziehent auch her mit
Kaiser, erwirb uns Gottes Fried
In Himmel und auf Erde!

Indem der Kaiser erwacht
Freundlich er an die Ding gedacht
Sein Herz, das tät ihm fließen
Die Zäher ihm über die Wang abfieln
Die Botschaft ihm von dem Engel gefieln
Von Jesus Rock auf Erden.

Er schreib ein Brief mit eigner Hand,
Er tät dem Papst die Ding bekannt
Aus Engels Mund auf Erden
Er sprach: Heiliger Vater Wert
Merk, was Gott an uns begehrt
Hilf mir sein Ehre zu mehren!

Alsbald der Papst den Brief ansach
Mit Freuden er von Herzen sprach
Keinem Kaiser ist vor mir geschehen
O Herr ewiger milder Gott
Hast gelitten für uns großen Spott
Durch unsern Willen auf Erden

Der Papst sich gar gütlich bedacht
Was ein irdischer Gott vermocht
Vergebung (von) Pein und Schulde
Schickt er dem edlen Kaiser Wert
Als sein der Engel hat begehrt
Und erwarb uns Gottes Hulde

Die zogen gen Köln auf der Fahrt,
Der Kaiser der Botschaft mit Ehren wart’t
Die sechs Kurfürsten mit Freude
Viel Ritter und Grafen in hohen Ehren
Lobten den König Himmels und der Erden
Und den frummen Kaiser werte

Sie zogen gen Trier zu unser Frauen
Sie täten’s den Altar anschauen
Ein großes Zeichen ward gesehen
Fünfzehn Kerzenlicht sah man brinnen
Niemand West von wannen sie kummen
Fürwahr es ist geschehen

Der Bischof von Köln tät brechen an
Ein Eckstein er aus dem Altar gewann
Das Gewölb das was erhoben
Er fand mehr Truhen darinnen zwar
In der ein bessers Heiltumb war.
Darauf mit Ehren geschrieben

Sie fanden den Rock des Herrn Jesu Christ
Der mit dem Blut überrunnen ist
Als es neulich geschehen wäre
Sie weinten all aus Herzen Grund
Und dankten Gott den reichen Fund
Die Fürsten und der Kaiser werte

Sie fanden der Würfel auch
darmit Die Juden spielten nach ihrer Sitt
Um Jesus Rock auf Erden
Daran mit Blut umsprenget ist
Sie dankten dem Leiden Jesu Christ
Der Königin Himmels und der Erden.

Man gab den Rock dem Kaiser an sein Arm
Ihn tät Gottes Leiden sehr erbarm
Er weint von Herzen sehre
Und sprach: Herr Jesu, Schöpfer Wert
Seit du mein Arm darzu hast begehrt
Hilf mir mehren deine Ehre!

Der Kaiser fand ein Buch zur Stund
Das fein kein Fürst nit lesen kunnt
Denn der frumm Kaiser werte
Er pflag sein bis an den dritten Tag
Göttliche Ding er vor ihm sach
Er behielts mit großer Ehre.

Da man das Sanctus tät heben an
Ein groß Mirakel sollt ihr verstahn
Maria Hemmet zu dem Rock ausbrach
Ein guldener Zettel daran war
Darin Jesus empfangen war
Geboren in der Weihnacht Nacht.

Das schickt man gen Aach zu unser Frauen
Da werden es Schwestern und Brüder anschaun
In dem Namen unser lieben Frauen
Die Priesterschaft mit großen Ehren
Lobten den König Himmels und der Erden
Und unser liebe Frauen

Die von Trier Huben zu bitten an
Hätten den Kaiser für ein heiligen Mann
Er sollt den Rock da lassen
Weil sie lebten auf dieser Erd
Das dank wir Gott seiner Marter Wert
Und dem frummen Kaiser mit Ehren

Der Kaiser gab Antwort aus seinem Mund
Den Rock ich euch in Ehren vergunnt
Ich laß ihn hie zu Lohne
Wann ich sein zu der Welt bedarf
Er hat von Gott große Kraft
Behaltent mir ihn schone!

Es ist geschehen am achten Tag
Nach unsers Herr Fronleichnamstag
Ist worden der Rock erhoben
Ist gelegen bei vierhundert Jahr
Dass sein kein Mann nie genummen wahr
Dann der frumm Kaiser hochgeborn.

Wann eim Bischof war es vor verkunde
Der hatte vor Gott kein rechten Grund
Der heilig Geist mit Ehren
Hat’s dem edlen Kaiser do erspäht
Zu Köln von den heiligen drei König betracht
Sie tätens groß Loben und Ehren.

Du edler Kaiser hochgeborn
Gott hat dir sollich Ehr erkorn
Du erwürbst uns Gottes Hulde
Die Freud der ewigen Seligkeit
Daß wir teilhaft werden Jesus Kleid
Sprecht .Amen“, das geschehe!

Text und Musik: Verfasser unbekannt (um 1512)
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 260)

Fliegendes Blatt, o. O. und J. (sicher 1512) mit Holzschnitt: ein schwebendes Kreuz, zu dessen Rechten der Rock, mit reicher Stickerei geziert, zur Linken des Kreuzes das Brustbild eines Bischofs (wahrscheinlich Blasius), ein Würfel, ein gebogenes Schwert, ein Nagel. Quer unten liegt ein Bischof (Maternus von Trier) mit übereinandergelegten Händen. Überschrift des Liedes heißt: „Das ist das Lied von dem Rock unsers lieben Herren Jesu Christi.“

Liederthema:
Liederzeit: (1512)
Schlagwort: |
Region: ,

Anmerkungen zu "Und wollt ihr hören zu dieser Frist"

Das Lied erzählt die Auffindung des angeblichen Rockes unseres Heilands durch Kaiser Maximilian 1512. Als dieser in Köln war und die heiligen drei Könige im Dom anbetete, erfuhr er durch ein Wunder von der Reliquie, die 400 Jahre in Trier geruht hatte und (nach Ansicht des Liedverfassers) in den ersten Zeiten der Kreuzzüge dahin gebracht worden war. Seit dem Jahre 1512 fanden wiederholt Ausstellungen des h. Rockes in Trier und Wallfahrten dahin statt; die vorletzte 1841, welche zu öffentlichem Protest unter den Katholiken und zur Entstehung der „Neu katholiken“ unter J. Ronge Anlaß gab; die letzte war 1891.

Zum Text:

  • 3, 2 Reue ging ihn an — Reue kam ihn an
  • 4, 1 zwar, zu wahr
  • 22, 1 Aach — Aachen
  • 23 , 3 Unser Frauen, St. Maria.
  • 25, 6 dann — denn.
  • 26 , 1 wann — nur,
  • 36, 4 erspäht — erspäht, entdeckt.

Angaben von Böhme zur Melodie: „Eine Tonangabe hat das Lied nicht. Nicht unwahrscheinlich ist, dass man darauf dieselbe Weise schon anwendete, die 1530 zum Liede: „Kommt her zu mir spricht Gottes Sohn“ vorkommt und Volksweise war. — Auf die Melodie des Rockliedes verweist „Ein new lied von ergernuß der Welt. Im thon wie man singt von vnsers Herren rock.“ Anfang: Nun völt jr hören zu dieser frist, was geht die gröst ergernuß ist.. (WK III, 578.)  Auch Hans Sachs sang 1530 sein Lied „Von den siben Broten. In dem ton als man vnsers Herren rock singt“ (s. Hans Sachs, Dichtungen, herausgegeben von Goedeke I, S. 68).“

"Und wollt ihr hören zu dieser Frist" in diesen Liederbüchern

Abdruck des Originals durch E. Weller in Germania 17, 445. Danach im Altd. Liederb., Nr. 383 und v. Liliencron, hist. Volkslieder, Nr. 266, in gebesserter Schreibung. Verderbter Text aus der Kloster Neuburger Hdschr., Anfang des 16. Jahrh., WK. 1279. —

.