Herzlich tut mich erfreuen (1545)

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Herzlich tut mich erfreuen

Herzlich tut mich erfreuen
die fröhlich Sommerzeit
all mein Geblüt verneuen
der mai viel Wollust geit
Die Lerch tut sich erschwingen
in ihrem hellen Schall
Lieblich die Vöglein singen
voraus die Nachtigall

Der Kuckuck mit seim Schreien
macht fröhlich jedermann
Des Abends fröhlich reihen
die Maidlein wohlgetan
spazieren zu den Brunnen
pflegt man in dieser Zeit
all Welt sucht Freud und Wunnen
im Maien weit und breit

Es grünet in den Wäldern,
die Bäume blühen frei
die Röslein auf den Feldern
von Farben mancherlei
ein Blümlein steht im Garten,
das heißt Vergißnichtmein
das edle Kraut Wegwarten,
macht guten Augenschein

Ein Kraut wächst in den Auen
mit Namen Wohlgemut
liebt sehr von schönen Frauen
dazu die Holderblut
Die weiß und roten Rosen
Hält man in großer Acht,
Kann Geld daraus gelosen,
Schön Kranz man daraus macht!

Das Kraut Jelänger jelieber
An manchem Ende blüht
Bringt oft ein heimlich Fieber
Wer sich nicht dafür hüt
Ich hab es wohl vernommen,
was dieses Kraut vermag
doch kann man dem vorkommen,
wer Maßlieb braucht all Tag

Des Morgens in dem Tune
die Maidlein waschen gan
Gar lieblich sie anschauen
Die schönen Blümlein stan
Daraus sie Kränzlein machen
Und schenken ihrem Schatz
Tun sie freundlich anlachen
Und geben ihn ein Schmatz

Darumb lob ich den Summer
Darzu den Maien gut
Der wendt uns allen Kummer
Und bringt uns Freud und Mut
Der Zeit will ich genießen
Dieweil ich Pfenning Hab
Und wen es tut verdrießen
Der fall die Stiegen ab!

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 379)

bei Georg Rhaw : Bicinia Germanica ( Zwiegesänge ) , 1545
Melodie ebenso in Rotenbucher’s Bergkreyen 1551, Nr. 21 zu: Papiers Natur ist rauschen.
Geistliche Nachdichtung von Johann Walter (1552) Gleicher Liedanfang

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1545)
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Zweite Melodie zu "Herzlich tut mich erfreuen"

Zweite Melodie zu
Noten in dem Liederbuch "Alpenrose"

Anmerkungen zu "Herzlich tut mich erfreuen"

Worterklärungen:

  • 1,4 geit = gibt
  • 2, 3 der fröhliche Reigen und Abendtänze ist hier gedacht.
  • 2 , 5 die Brunnenfeste im Frühling sind hier gemeint
  • 3, 6 Vergißmeinnicht, Myosotis palustris, das bekannte Blaublümlein, ein Symbol der Treue.
  • 3, 7 Wegwart, Cichorienkraut,
  • 3, 8 tut den Augen wohl.
  • 4, 2 Wolhgemut, Boretsch, borragio officinalis, Gurkenkraut, auch Herzblümlein.
  • 4, 3 gliebt, gefällt.
  • 4, 4 Holderblut, blühender Hollunder (sambucus nigra) , der Teehollunder mit weißer , duftender Blüte und schwarzen Beeren nach der Göttin Holda benannt hohes Ansehen genoß; nicht der blaublühende türkische Hollunder (Syringa) ist damit gemeint.
  • 4, 7 gelosen, lösen, einnehmen; man kann Geld daraus lösen, heißt diese Zeile im Ambr, Ldb.
  • 5, 1 Jelängerjelieber (Gaisblatt, Lonicera), Symbol der Unersättlichkeit,
  • 5. Maßlieb oder Tausendschön Bellis perennis) , im Ambras, Ldb. steht „Mäßig lieb“ dieses altkluge Blümlein deutet symbolisch auf Maßhaltcn im Genusse, auf vernünftige Liebe im Gegensatz zu Jelängerjelieber.
  • 7, 6 dieweil, so lang.
  • 7, 8 Stiegen, Treppen. – Mit einem derben Wunsche gegen Griesgram schließt der Mailustige sein Lied.

bei Georg Rhaw : Bicinia Germanica ( Zwiegesänge ) , 1545
Geistliche Nachdichtung von Johann Walter (1552)

"Herzlich tut mich erfreuen" in diesen Liederbüchern

u.a. in Liederbuch des Handwerker-Vereins zu Potsdam (1859)– Zupfgeigenhansl (1908) — Deutsches Lautenlied (1914) — Der Spielmann (1914 , 1947) —  Hamburger Jugendlieder (1922) — Alpenrose (1924) —

Der weltliche Text in: Uhland Nr. S7; Hoffmann, Gesellschaftsl. I. 229; Goedeckc.Tittmann S. 159; Altd. Liedcrb. Nr. 142; auch in Heidelb. Hschr. 343 Bl. 34d; Ambraser Ldb. 1S82. Nr. 20 und auf fl. Blättern: Nürnberg, Christoph Gutknccht <Abdr. Bragur I, 3S8j; Basel. Job. Schröter 1613; Nürnberg, Lantzcnberger ILIO. — Alle nur in wenigen Worten verschieden. Niederd. Liedcrb. (um 1600) Nr. 17; Wunderhorn I, 239 <n. A. 212):  Frühlingsblume. Dazu bemerkt Goethe: „Wenn man die Blumen nicht so entsetzlich satt hätte, so möchte dieser Kranz wohl artig sein.“

Text und Melodie in: Bicinia. Vitebergae. 1545. I, Nr. 91. Melodie dort durchweg im geraden Takte. Melodie ebenso in Rotenbucher’s Bcrgkreyen 1551, Nr. 21 zu: Papiers Natur ist rauschen. Wieder genau so zu einer geistlichen Umdichtung von Johann Walther, Ein schöner Geistlicher vnd Christlicher Berckrcyen. Wittemberg 15S2. <Anfang, wie das weltliche Lied.) Dort als „die alle Melodey“ neben einer neukomponirtcn.

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