Liederlexikon: Hollunder

| | 1908

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Der Hollunder, einer der wenigen einheimischen Bäume, die eßbare Früchte trugen, hat uralte Kultbeziehungen. Er war der Holla oder Freya, der kinderspendenden Göttin, heilig. So wird er in Verbindung mit der Geburt wie auch mit dem Tod, mit der Unterwelt gebracht.

Nur vereinzelt liefert der Holder die Lebensgerte, Vielleicht in jenem Brauche Westfalens: am Lichtmeßtage tanzen die Weiber im Freien und tragen Hollundergerten in den Händen, mit denen sie auf die Männer, die sich dem Tanze näherten, losschlagen.

Als Geburtsbaum wird er in Dänemark verehrt. Dort ist der Hollunder neben dem Hause den Kreißenden hilfreich. Die Schwangeren umfassen ihn oder flehen ihn an. Auch in Deutschland herrschte nach Perger der Brauch. Daher setzte man auch vor die Tür von gefallenen oder schwangeren Mädchen zum Spott einen Hollunderzweig (wie auch einen Ebereschenzweig). Dieser Brauch wird schon 1367 in der Normandie bezeugt.

Einen Anklang an eine erotische Zauberkraft des Holders zeigen die sieben- oder neunerlei Kuchen, die nun im Unterinntal zu Johanni hackt. Neben Hollunderblüten sind es Salbei, Brennessel, also aphrodisische Kräuter, die nicht fehlen dürfen. Die Hollunderkücheln, in Schmalz und Mehl gebackene Hollunderdolden (auf dem Lechrain), deuten wohl auch auf die erotische Kraft des Strauches.

Bei den Slaven in Rußland gilt der Hollunder allgemein als das Symbol der Unschuld, Jungfräulichkeit des Mannes, vor allem des Weibes. Vielleicht sah man in dem hohlen Mark des Baumes das Symbol des Ungefüllten, Ungeschwängerten, Jungfräulichen, vielleicht auch — und das ist wahrscheinlicher — weil eine Hollunderart „keine Blüten, jedoch Früchte, oder nur grüne Früchte trägt”, also das Wunder einer jungfräulichen Fruchtbildung darbietet. In der Tat treibt diese Varietät kleine grüne Blüten, die man sehr leicht übersehen kann. — Aus Berdytachew im Gouvernement Kijew teilt Stern (Gesch. der öffentl. Sittlichkeit in Rußland II 494) folgendes russisches Hochzeitslied mit:

Hollunder in dem dunklen Forste gleich
Ist dieses Kind aus einem Hause, das an Ehren reich
Denn sieben Jahre ging sie stets bei Nacht
Und immer hielt sie bei sich ihre Mädchenpracht
Die Händler wollten ihren Schmuck
und sie verkaufte ihn um keinen Preis,
Sie gab ihn nicht den Burschen, die drum baten heiß
Die Beine band sie fest mit einem Seidenband
Bis ihr Iwan das schöne Schmuckstück fand

Andere Nachweise siehe Ergänzungsband

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908, S. 43f)



"Hollunder" im Archiv:

Hoch will ich den König preisen (Stralauer Fischzug 1806)

Hoch will ich den König preisen Der bei seines Volkes Rufen Steigt herab des Thrones Stufen Frohen freundlich sich will zeigen Wie die Sonn´ aus Wolken bricht Jedem strahlt und wärmt ihr Licht. Ja der König ist der unser Den wir in der Freude denken Der im Schrecken uns will lenken Wenn wir beten “Vater unser” Heut noch sagt, es

Lebensrute

Die erste ursprüngliche Gestaltung des Brauchs mit der Lebensrute zu schlagen ist diese: Frauen und weibliches Hausvieh (vor allem Kühe und Stuten) wurden zu bestimmten Jahreszeiten mit einer grünen Rute oder Gerte (Lebensrute) gewisser Bäume geschlagen oder gepeitscht, um fruchtbar zu werden. Was sah der Naturmensch in diesem Symbol? Für ihn war die Gerte, die Lebensrute das Zeugungsglied des Baumdämons,

Maibaum

Wir wenden uns zu dem andern uralten erotischen Brauch, zu dem Einholen des Maibaumes. Er wird bereits in Urkunden des XIII. Jhdts. als alt und traditionell bezeichnet. An bestimmten Tagen, am ersten Mai (Walpurgistag) oder zu Himmelfahrt, auch zu Pfingsten, besonders zu Johanni wurde ein festlich geschmückter, oft mit menschlichen Kleidern behangener Maibaum (Birke, Fichte oder Tanne, auch Eiche) unter

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