Wie es war…und wie es wieder zu werden scheint ! (1926)

Kurze Chronologie der Damenbekleidung

Unus (in: Der Textilarbeiter)

1. Im Paradiese, und zwar vor dem Sündenfall der ersten Menschen. Das Spinnrad ist noch nicht erfunden, noch viel weniger der Selfaktor und der Schönherrsche Webstuhl. Auch kannte man noch nicht das Schamgefühl. Deshalb genierten sich auch Adam und Eva nicht, nackt herumzulaufen. Das schien aber ihrer Glückseligkeit keinen Abbruch zu tun, wie die Unterhaltung der beiden Stammeltern beweist.

„Adam: „Ach, wie ist mir sauwohl, daß ich nichts anhabe. Keine Schuhe drücken mich und kein Kragen. Wenn ich mir vorstelle, daß ich jetzt Umschlaghosen mit Bügelfalten tragen sollte, wodurch ich verhindert würde, mich ins Gras zu legen, würde ich wahnsinnig werden. Unsere armen Enkel!“

Eva: „Na, laß man, was die nachher machen, geht uns nichts mehr an. Sag mir, ob meine Frisur noch steht. Ich möchte mir doch lieber Bubikopf….(hier wird das Gespräch uninteressant.)

2. Nach dem sogenannten Sündenfall. Die Szenerie hat sich noch nicht verändert. Nur ist man schon etwas kultivierter geworden und trägt die erste Kleidung.

Eva: „Es ist doch auch so noch nett, man hat gar keinen Ärger; wenn ein Feigenblatt kaputtgeht, pflückt man sich ein neues.“

Adam: „Gott sei Dank, daß sie hier noch so billig sind.“

3. Von jetzt ab schreitet die Entwicklung energisch auf eine ausreichende Bekleidung zu. Zuerst half man sich noch damit, wenn ein altes Gewand zerschlissen war und man ein neues brauchte, einigen Vierfüßlern, die einem gerade in den Weg liefen, oder die man auch aufsuchte, wenn sie nicht von selber kamen, das gescheckte oder gestreifte Fell über die Ohren zu ziehen. Frau Eva die jüngere bohrte einige große Löcher durch und stülpte es sich über die Ohren, wobei sie auch nicht vergaß, die Arme durchzustecken. Ihr Mann tat desgleichen. Dito die Verwandtschaft, die man jetzt schon hatte.

4. Es geht nun nicht mehr ohne die Kunst des Spinnens und Webens. Schleunigst werden Spinnrad und Webstuhl erfunden, denn Madame Eva hat die einförmige Tierfellmode satt. Sie verlangt ein lebhaftes Genre, farbenfreudige Muster, wie sie Schmetterlinge auf ihren Flügeln und Eidechsen auf ihren Rücken tragen. Und nachdem das geschehen ist, probiert sie. Schließlich bleibt sie einstweilen beim langen faltigen Gewand, das (ohne Halsausschnitt) bis zu den Zehenspitzen herabfällt; höchstens wechselt sie ein wenig die Muster. (Die Bekleidung ihres Mannes beschreiben wir nicht mehr – sie ist zu unwichtig.)

5. So ist es kein Wunder, daß, als das Mittelalter herannaht, Madame Eva es in der Bekleidung zu einer gewissen Virtuosität gebracht hat (bei uns in Europa). Ihr Gewand ist zeitgemäß, d.h., sie kommt nicht ohne ein gewisse Anzahl „tucherner“ Röcke aus, die sie sich (was soll sie weitermachen) alle miteinander überzieht. Bis an ihren Hals, den schlanken, weißen Hals, reichte das Gewand, und ihr schönes Haar bedeckte eine dichte Tuchkappe. All ihre Anmut erstickte unter der dreißig Pfund schweren Stofflast.

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  • Kretzschmer (5. März 1839)

    Noten dieses Liedes
    August (Andreas) Kretzschmer, geboren am  1. November 1775 in Stettin; gestorben am 5. März 1839 in Anklam. : Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen 2 Bände . Berlin 1838-41. Reprint: Hildesheim 1969. XII/1252 S. Leinen I: Nach handschriftlichen Quellen herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von August Kretzschmer II: Als Fortsetzung des August Kretzmerschen Werkes, gesammelt und mit Anmerkungen ... Weiterlesen ... ...