Vorwort zu „Sachsenlieder“ (Soldatenlieder)

(in: Sachsenlieder, Erstausgabe 1894)

Auch in dem Leben des Soldaten ist dem deutschen Liede eine hohe erzieherische Aufgabe zugewiesen. Wo immer es erklingt, in der Kasernenstube, auf dem Marsche, im Bivouak( Biwak), überall lässt es die mancherlei Mühsal des Dienstes vergessen, knüpft fester die Bande der Kameradschaft, führt dem Soldatenstande neue Freunde zu und vermittelt vor Allem, in richtiger Auswahl gepflegt, dem wackeren Sohn der Wehr diejenigen Gesinnungen, welche ihn befähigen, sich seiner ernsten Pflicht voll und freudig hinzugeben, mit unerschütterlicher Treue zu seiner Fahne zu stehen und des Vaterlandes Ehre hoch und heilig zu halten.

Diesen Zweck soll die Vorliegende Sammlung fördern; materiellen Gewinn zu erzielen, ist bei deren Herausgabe nicht beabsichtigt, wie schon der geringe Preis für das Exemplar bei bester Ausstattung des Werkchens erkennen läßt. Die, eine Menge bisher noch nicht gedruckter Lieder enthaltende, mit Noten versehene Sammlung will nur diejenigen Lieder bringen, welche wirklich Gemeingut des sächsischen Soldaten geworden sind, oder es wieder zu werden verdienen — zum Teil weniger mit Rücksicht auf den manchmal des vernünftigen Sinnes etwas entbehrenden Inhalt, als mehr der gefälligen Melodie halber.

Außerdem ist namentlich gegen das Ende eine Anzahl allgemein-patriotischer Lieder aufgenommen, um durch das Buch auch die Militär- und Krieger-Vereine anzuregen, sich durch Sang und Klang in die Tage zurück zu versetzen, deren der alte Soldat mit einem „Es war doch eine schöne Zeit“ zu gedenken pflegt.

Wenn es geboten erschien, bei den eigentlichen Soldatenliedern hier und da eine allzu realistische Färbung oder Schroffheit des Ausdrucks zu mildern oder auch wohl einen Abstrich vorzunehmen — dessen gedächtnisgemäße Ergänzung dem Belieben des Sängers überlassend -— so dürfte doch dadurch der urwüchsigen Naturpoesie, wie sie der Muse des Soldaten eigen ist, wesentlicher Eintrag kaum geschehen sein.

So mögen sich denn die „Sachsenlieder“ viele Freunde erwerben, mögen sie aber vor Allem zu ihrem bescheidenen Teile dazu beitragen: zu fördern die Liebe zum Vaterland, die Freude ans der Armee und die Treue gegen deren Führer, Allen voran unsern, vom Vertrauen seines Volkes getragenen König Friedrich August, von dem wir das schöne Bekenntnis haben, dass die Armee von Jugend auf seine ganze Liebe gewesen ist.

Der Herausgeber.

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