Heut hab ich die Wach allhier

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Heut hab ich die Wach allhier

Heut hab ich die Wach allhier
schönstes Kind vor deiner verschloßnen Tür
warum stehest du nicht auf und lassest mich nicht ein
wie kannst du denn so unbarmherzig sein

Harfenklang und Saitenspiel
die hab ich lassen spielen so oft und viel
ich hab sie lassen spielen so oft und viel
bis daß mir keine Saite mehr klingen will

Ach in Trauern muß ich schlafen gehn
in Trauern muß ich wiederum früh aufstehn
in Trauern und in Weinen verbring ich meine Zeit
dieweil ich nicht kann haben die mein Herz erfreut

Geht dirs wohl so denk an mich
geht dirs aber übel so kränkt es mich
Froh wollt ich sein wenns dir und mir wohlgeht
obschon mein jung frisch Herze in Trauern steht

Hohe Berg und tiefe Tal
jetzt seh ich mein lieb Schätzchen zum allerletzten Mal
Die Sonn und auch der Mond das ganze Firmament
das wird sich um mich trauern bis an mein End

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort (1856, Nr 132 „Liebesklage und Abschied“) – Liederhort II (1893, Nr. 597a)

Vielfach mündlich aus Brandenburg , Hessen Darmstadt, Baden , aus Thüringen , Franken , Schlesien usw. – die Melodie aus Schwaben und aus Brandenburg ( Oranienburg ) —

Abweichungen im Text

Varianten:

  • 1.1 Jetzt Hab ich die Wacht allhier = Heunt Hab ich die Wach allhin
  • 1, 2 Schönste vor deiner.
  • 1. 3 stehst du nicht auf und lässest mich nicht ein?
  • 3. Berg und Hügel, tiefe Tal seh ich heut zum letztenmal
    Sonn und Mond, das ganze Firmament, trauern mit mir bis an das End (westfälisch)
  • 4. Gut‘ Nacht, gut‘ Nacht Frau Nachtigall, grüß meinen Schatz viel tausendmal!

Sehr ähnlich schon der Text auf einem fliegenden Blatt um 1786: „Fünf schöne neue Lieder, (das 2.) und anders ab der dritten Strophe ;

Berg und Hügel auch tiefes Tal
Schreien über mir wohl hunderttausendmal.
Froh wollt ich sein, wenn’s dir nur wohl geht
Obschon mein treues Herz in Trauren steht

Gute Nacht, gute Nacht, Frau Nachtigall!
Grüßet meinen Schatz viel tausendmal,
Grüßet sie aus meines Herzens Grund,
Ich wünsch ihr, dass sie auch wohl bleibe gesund

Geht es dir wohl, so denke an mich!
Geht es dir übel, so kränket es mich;
Froh wollt ich sein, wenns dir nur wohl geht
Obschon mein treues Herz in Trauren steht.

Mit diesem Texte stimmt bis auf zwei Zeilen der westfälische bei Reifferscheid Nr. 38. Auf einem fl. Bl, aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. beginnt das Lied so:

Liegst du schon in sanfter Ruh
Und tust dein schwarzbraun Äuglein zu

Anmerkungen zu "Heut hab ich die Wach allhier"

vgl L Erk Die deutschen Volkslieder Band I, Heft 4, Nr 42, Band II ,Heft 6, Nr.48 — Nach fliegenden Blättern aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt dies Lied gewöhnlich so „Liegst du schon in sanfter Ruh und tust dein schwarzbraun Äuglein zu“ Vgl zB Des Knaben Wunderhorn II , 219 , wohin auch die in O. L. B. Wolff: Halle der Völker Band II S.163 befindliche dritte Strophe gehört.

Im Wdh, I, 1806, S. 84 ist der Text mit andern Bestandtheilen verarbeitet. „Anmuthign. stngbarer Klang“ lGocthe). In Birlinger Ausg. des Wdh. II, lS7 ist er nach v. Arnim‚« Nachlasse wieder hergestellt.

In Süddeutschland beginnt das Lied mit der 3. Strophe : „Ach in Trauern muß ich schlafen gehn“. In der Schweiz (Wyß S. 85) heißt das entsprechende Lied: Hoch aufm Berg und teuf im Tal (Wdh. 4. 368).

"Heut hab ich die Wach allhier" in diesen Liederbüchern

Vergleiche. Simrock S. 242 ( = Mittler 792) —  Kretzschmer II. 362 — Wolff. Halle d. V. II. 163 ( = Mittler 795) —  Ditfurth II, 85 und 86 —  Birlinger’s Wunderhorn. II, 166 – 167 — Jungbrunnen Nr. 93.

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