Es ist ein Ros entsprungen

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Es ist ein Ros entsprungen

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Es ist ein Ros entsprungen
Aus einer Wurzel zart.
als uns die Alten sungen,
Aus Jesse kam die Art
Und hat ein Blümlein bracht
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1920 „Weihnachtslied“ Das altkatholische Triersche Christliedlein“)

Wie alt das schöne Weihnachtslied sei, ist nicht genau zu ermitteln; es mag aus dem 15. Jahrhundert stammen und schon durchs ganze 16. gesungen worden sein. Es war in den Rheinlanden entstanden und dort (wie die Gesangbücher bezeugen) viel gesungen. Weil aber dort kein Gesangbuch vor 1599 erschien, daher erklärt sich sein spätes Auftreten im Drucke. Daß es in protestantischen Singbüchern jener Zeit keine Aufnahme fand, befremdet deshalb nicht, weil alle Marienlieder beseitigt oder umgedichtet wurden. Ein Irrthum ists, wenn v. Liliencron  (Leben im d. Volkslied. Einl. S. 41) behauptet: das Lied sei 1524 in Walther‘ s Gesangbuch aufgenommen, aber durch Luther später wieder entfernt worden.

Doch die zarte Dichtung und die schlichte volkstümliche Melodie sollte nicht untergehn: noch jetzt wird das Lied mit dem einfachen schönen Tonsatze von Prätorius zur Weihnachtszeit in protestantischen Kirchenchören und Gesangvereinen viel und gern gehört. In dieser erhebenden Composition kommt eine wunderbar innige, echte Weihnachtstimmung zum Ausdruck. „Das Ganze atmet eine unbeschreibliche Frische und Reinheit, ja Reichtum der Empfindung durch Prätorius trefflichen Tonsatz“ — bemerkt v. Winterfeld, Ev. Kirchengsg. I. S. 106

 

Liederthema: ,
Liederzeit: (1599)



Anmerkungen zu "Es ist ein Ros entsprungen"

Heute gesungene Strophen 2 – 5:

Das Röslein das ich meine,
Davon Jesaias sagt:
Maria ist’s, die Reine,
Die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew’gen Rat
Hat sie ein Kind geboren
Wohl zu der halben Nacht.

Das Bümelein so kleine,
Das duftet uns so süß,
Mit seinem hellen Scheine
Vertreibt’s die Finsternis.
Wahr‘ Mensch und wahrer Gott,
Hilf uns aus allem Leide,
Rettet von Sünd‘ und Tod.

Lob, Ehr sei Gott dem Vater
dem Sohn und heilgen Geist!
Maria, Gottesmutter
sei hoch gebenedeit
Der in der Krippen lag
der wendet Gottes Zoren
wandelt die Nacht in Tag

O Jesu, bis zum Scheiden
Aus diesem Jammertal
Laß Dein Hilf uns geleiten
Hin in den Freudensaal,
In Deines Vaters Reich,
Da wir Dich ewig loben.

Der protestantische Kantor Mich. Prätorius gibt in Musae Sioniae VI. 1609, Nr. 53 zu seinem vierstimmigen Tonsatze bloß l. und 2. Strophe, ändert aber, damit kein Mariendienst erwähnt werde, die letzte Zeile dahin ab: „Wohl zu der halben Nacht“. Die heute gesungenen Strophen 3 bis 5 stammen von Friedrich Layriz (1844).

Katholische Strophen 3 – 5:

Das Röslein, das ich meine
Davon Jesaias sagt
Ist Maria die reine
Die uns das Blümlein bracht
Aus Gottes ewigem Rat
Hat sie ein Kindlein geboren.
Bleibend ein reine Magd

Wir bitten dich von Herzen
Du edle Königin
Durch deines Sohnes Schmerzen
Wann wir fahren dahin
aus diesem Jammertal:
Du wollest uns beleiten
bis an der Engel Saal!

So sing’n wir Alle Amen
Das heißt: Nun werd es wahr
Das wir begehr’n allsammen:
O Jesu, hilf uns dar
In deines Vaters Reich!
Darin woll’n wir dich loben
O Gott, uns das verleih!

"Es ist ein Ros entsprungen" in diesen Liederbüchern

Text und Melodie zuerst nachweisbar im Speierschen Gesangbuch,; gedruckt zu Köln bei Arnold Quentel 1599. Bl. 29, wie hier, aber von den 23 Strophen bloß die beiden ersten und die beiden letzten. — Ferner steht das Lied im Constanzer Cantual 1600. Bl. 5a, mit 15 Strophen. — Mainzer Cantual 1605. S. 12. — Paderborner Gesangbuch 1609 (1617) mit 8 Strophen. — Kölner Gesangbuch Bl. 29 mit 23 Strophen. — Würzburger Gesangbuch 1628 etc. Sehr umgestalteter Text von sechs Strophen im Andernacher Gesangbuch Nr. 20. — Textabdruck s. WK. II. Nr. 1153— 1154. — Uhland S. 878 (Text von Prätorius). In Corner’s Gesangbuch 1658 beginnt das Lied in Übereinstimmung mit Jesaias 11, l und 2: „Es ist ein Reis entsprungen“

u.a. in Liederbuch für die evangelischen Arbeitervereine in Bayern (1887) – Zupfgeigenhansl (1908) — Liederbuch des jungdeutschen Ordens (1921) — Kinderklänge (1921) — Blaue Fahnen (1930) — Schlesier-Liederbuch (1936, nur 1. u. 2.) — Deutsche Weihnachtslieder (1937) — Liederbuch für die deutschen Flüchtlinge in Dänemark (1945) – Macht hoch die Tür (1951) — Liederbuch SPD Hildesheim (ca. 1990) —

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