Bunt sind schon die Wälder (1782)

Volkstümliches Herbstlied von Salis-Seewis

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Bunt sind schon die Wälder

Bunt sind schon die Wälder
gelb die Stoppelfelder
und der Herbst beginnt
Rote Blätter fallen
graue Nebel wallen
kühler weht der Wind

Wie die volle Traube
an dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt
Am Geländer reifen
Pfirsiche mit Streifen
rot und weiß bemalt

Dort im grünen Baume
hängt die blaue Pflaume
am gebognen Ast
gelbe Birnen winken
daß die Zweige sinken
unter ihrer Last

Welch ein Apfelregen
rauscht vom Baum! es legen
in ihr Körbchen sie
Mädchen, leicht geschürzet
und ihr Röckchen kürzet
sich bis an das Knie

Winzer, füllt die Fässer
Eimer, krumme Messer
Butten sind bereit
Lohn für Müh und Plage
sind die frohen Tage
in der Lesezeit

Unsre Mädchen singen
und die Träger springen
alles ist so froh
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und bei Mondenglanz
schöne Winzerinnen
winken und beginnen
deutschen Ringeltanz

Text: Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1782)
Siehe auch die vermutlich älteste Textfassung weiter unten
Musik: Johann Friedrich Reichardt – 1799

Anmerkungen zu "Bunt sind schon die Wälder"

Von diesem vielleicht beliebtesten und bekanntesten Herbstlied in deutscher Sprache werden zumeist werden nur die ersten beiden und die beiden letzten Strophen gesungen , der Wortlaut, wie er hier wiedergegeben ist, steht in „Als der Großvater die Großmutter nahm“ (1885). In vielen Liedersammlungen heißt es am Schluss: „Frohen Erntetanz“. Der Text von „Bunt sind schon die Wälder“ steht zuerst im Voßischen Musenalmanach von 1786 , laut Angaben von Salis-Seewis stammt der Text von 1782.

Neben der bekannten Melodie von Reichardt gibt es weniger populäre Vertonungen von Georg Rolle (geboren 1855) und Franz Schubert (1797-1828).

Franz-Magnus Böhme druckt in „Unsere Volkstümlichen Lieder“ (1895) eine andere Strophenfolge, offensichtlich die älteste Fassung des Gedichtes von 1782 ?

Bunt sind schon die Wälder
gelb die Stoppelfelder
und der Herbst beginnt
Rote Blätter fallen
graue Nebel wallen
kühler weht der Wind

Sieh wie hier die Dirne
emsig Pflaum und Birne
in ihr Körbchen legt
Dort mit leichten Schritten
jene goldnen Quitte
in den Landhof trägt

Flinke Träger springen
Und die Mädchen singen
alles jubelt froh
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondenglanz
junge Winzerinnen
winken und beginnen
deutschen Ringeltanz

"Bunt sind schon die Wälder" in diesen Liederbüchern

u.a. in : Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895) – Schulgesangbuch für höhere Lehranstalten (1912) — Lieder für höhere Mädchenschulen (1919. Musik: Georg Rolle und Franz Schubert ) — Liederbuch des Thüringerwald-Vereins (1927) — Wir singen (Grossdruck)

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