Von deinetwegen bin ich hie

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Von deinetwegen bin ich hie

Von deinetwegen bin ich hie
Herzlieb, vernimm mein Wort!
All mein Hoffnung setz ich zu dir
Darin treib ich kein Spott
Laß mich der Treu genießen
Dein Diener will ich sein
Tu mir dein Herz aufschließen
Schleuß mich, Herzlieb darein!

Man hat uns beid verlogen
Das weißt du, Herzlieb wohl
Das haben die falsche Klaffer getan
Die sind uns beiden nicht hold
Wir wollen ihn‘ wieder vergelten
Rat zu, mein treuer Schatz!
Erst will ich dich lieb haben
Dem Klaffer zu Not und Haß

Bei meines Buhlen Köpfen (Haupte)
Da steht ein güldener Schrein
Darin da leit verschlossen
Das junge Herze mein
Wollt Gott ich hätt den Schlüssel
Ich würf ihn in den Rhein
War ich bei meinem Buhlen
Wie möcht mir baß gesein

Bei meines Buhlen Füßen
Do fleußt ein Brünnlein kalt
Wer des Brünnleins tut trinken
Der jungt und wird nicht alt
Ich Hab des Brünnleins getrunken
Viel manchen stolzen Trunk
Viel lieber wollt ich wünschen
Meins Buhlen roten Mund.

In meines Buhlen Garten
Da stehn viel edler Blüt
Wollt Gott, ich sollt ihr warten
Das wär mein Herzens Freud
Die edlen Röslein brechen
Denn es ist an der Zeit
Ich trau sie wohl zu erwerben
Die mir im Herzen leit.

In meines Buhlen Garten
Da stehn zwei Bäumelein
Das eine trägt Muskaten
Das ander Naägelein
Die Näglein die sind süße
Die Näglein die sind räß
Die gib ich meinem Buhlen
Daß er mein nicht vergeß.

Zu Dienst sei das gesungen
Der Allerliebsten mein
Ihr Lieb hat mich bezwungen
Ich kann nit Feind ihr sein
Dieweil ich Hab das Leben
(Das glaub sie mir fürwahr)
Will ich sie nit aufgeben
Und lebt ich tausend Jahr.

Und der uns diesen Reihen sang.
So wohl gesungen hat
Das haben getan zwei Hauer
Zu Freiberg in der Stadt
Sie haben sowohl gesungen
Bei Met und kühlem Wein
Dabei da ist gesessen
Der Wirtin Töchterlein

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 428)
Text hier aus dem Bergkreyen 1536, Nr. 46.

Liederthema:
Liederzeit: (1536)

Zweite Melodie zu "Von deinetwegen bin ich hie"

Zweite Melodie zu Von deinetwegen bin ich hie
Liederbuch des J. v. Berg und Newber um 1550 (Liederhort II)

Anmerkungen zu "Von deinetwegen bin ich hie"

Uhland (Nr. 30) hat von obigem Texte bloß Str. 3, 4, 6 und 8 ausgehoben , Anfang: „Bei meines Buhlen Haupte.“ Er bemerkt mit Recht: Dass alles übrige nicht dazu gehöre und vermutet (Schriften 4, 441), der wahre Eingang dazu sei in Deutschland verloren gegangen und könnte geheißen haben: „Nach Ostland will ich fahren, da wohnt mein süßes Lieb“. Dieser Anfang findet sich im Niederländischen, ist aber auch den fremdartigen Stoffen an die Spitze gestellt; ein Refrain ist hinzugekommen. —

Man darf Uhland beistimmen, denn die zwei Eingangsstrophen sind, der gleichen Melodie halber, aus einem Liede gleichen Anfangs herübergcschleppt , und dieses ist ein Hofelied, das von Klagen eines liebenden Ritters über Klaffer und Abschied handelt und abgedruckt ist nach einem offn. Bl. des16. Jahrhunderts bei WK. l841, S. 8S9. — Die 5. Strophe oben hat sich in das Lied „Jungfräulein, soll ich mit euch gan“ verirrt, ebenfalls der gleichen Melodie wegen. — Die 6. Strophe unseres Liedes ist eine vielbeliebte Wanderstrophe. (Vergl. das Schweizerlied vom Simeliberg und das siebenbürgische : Ich schmiß zwei edle Rosen, und viele andere Texte, —

Eine geistliche Umdichtung des Liedes (fl. Bl. Nürnberg, Val. Newber, o. J. ca. 1550) beginnt: „In meines Herren garten wachsen der blümblein vil; der glaub thut sich schon warten, der lieb sein pflegen will sc.“ — Dieser Anfang, der sich an Strophe 5 unseres Textes anschließt, läßt folgern: dass man damals das weltliche Lied mit dem Anfange „In meines Buhlen Garten“ — kannte. Auch in der Heidelb, Hs. stehen die zwei Strophen vom Garten oben an, gleich nach der fremden Einleitungsstrophe,

Die alte Melodie ist uns viermal überliefert, a) Berg und Newbers Ldb. 1550, Nr. 27. — b) Forster IV, 1556, Nr. IS. — Mit dem geistlichen Texte: Umb deinetwillen bin ich hie und trag dein Sünden schwer. c) Gestus. Gsgb. 1607, HI, Bl. 37. d) Praetorius, Mus. Sion. VN, 1609. Nr. S8. Letztere Fassung die beste. —

Varianten:

  • 1, 1 Umb deinetwegen (Forster).
  • 3, l Haupte statt Kopfen (Uhland nach Ambr. und Newbers Ldb.). Abweichungen in der Heidelb. Hs. sind zahlreich:
  • 1, 3 All mein Bedier.
  • 1, 4 Darin treib ich.
  • 3, 4 Dein Herz und auch das mein.
  • 3, 5 Ach Gott, Hätt ich gen Schl.
  • 3, 8 Er sollt mir immer beschließen das junge Herze mein,
  • 4. Zu meines Buhlen Füßen da steht ein Brünnlein kalt; wer das Brünnlein trinken thut, der jungt und wird nicht alt. Ich Hab sein oft getrunken wol manchen stolzen Trunk, viel lieber wollt ich küssen meins Buhlen rothm Mund.
  • 5. In meines Buhlen Garten da stehet alles wohl ; darin sie mein thut warten, mein Herz ist freudenvoll sc.
  • 8. Schlußstrophe: Der uns das Liedlein neu gesang, von neuem gesungen hat, das haben zwei Studenten gethan zu Freiburg in der Stadt. Sie Habens so wohl gesungen aus frischem freien Muth; sie sinds wol inne worden, wie Scheiden von der Liebe thut. —

Im Ambras. Ldb. find die Sänger zwei Hauer zu Grimma in der Stadt. Anderswo: zwei Reuter, ein Landsknecht, ein gut Gesell. In den Bergreyen ist verdruckt Freiburg statt Freiberg, der alten Bergstadt.

Worterklärung:

  • 2, 1 erst, nun erst recht.
  • 5, l jungt, verjüngt sich.
  • 6, 4 Nägelein, Gewürznelken.
  • S, S rest, räst °- scharf, beißend auf der Zunge.
  • 8, 3 Hauer, Bergleute, die das Erz losarbeiten.

"Von deinetwegen bin ich hie" in diesen Liederbüchern

Text hier aus dem Bergkreyen 1536, Nr. 46. Daher auch bei Liliencron, deutsches Leben im Volksliede Nr. 93 mit der Überschrift „Wundergarten der Liebe“. Goedeke-Tittmann S. 56. — Aus gleicher Quelle Nicolai, Alm. II, Nr. 7, mit dem geänderten Anfange: „Um deinetwegen bin ich hier“, und mit einer von Fr. Reichardt komponierten Melodie (Abdruck Kretzschmer I, 314). — Nach Nicolai der Text im Wunderhorn I, 212 (n, A. 267) mit Weglassen der zwei Eingangsstrophen. Dazu sagt Goethe: „Höchst lieblich, aber nicht recht ganz.“ —

Ferner findet sich das Lied auf fliegenden Blättern: a) Drey schöne Lieder, Das erst, Von deinetwegen bin ich hie o. O. Mitte des 16. Jahrhunderts), b) Drey Hüpsch Lieder, das erst, Von deinetwegen, Nürnb., Val. Newber (um 1550). — c) Basel. Sam. Apiario (um 1570).  d) Basel, Joh. Schröter 1608. e) Augspurg durch Mich. Manger. — Ambraser und Frankf. Ldb. 1582 und 1584 bringen den Text wesentlich gleich mit dem Bergkreyen, — Dasselbe Lied mit anderer Strophenordnung und mit Weglassen der 2. und 7. steht in der Heidelberger Hschr. 343, fol. 132 (Erlach 1, 247), Im Niederdeutschen Ldb. um 1600, Nr. 68. —

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