Und alle Tag dieselbe Plag

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Frisch auf, ihr Brüder, ins Gewehr
´s geht nach Amerika!
Versammelt ist schon unser Heer
Vivat Viktoria!

Das rote Gold, das rote Gold
das kömmt man nur so hergerollt
da gibt’s auch, da gibt’s auch,
da gibt’s auch besser’n Sold!

Das Leben hätten wir hier satt
Wir wollen in das Feld
weil man ja kaum was zu fressen hat
dazu so wenig Geld

und einen Tag und alle Tag
dieselbe Plag, dieselbe Klag
Spießruten, Spießruten,
Spießruten das es kracht

Adchö, mein Hessenland, adchö
jetzt kömmt Amerika
und unser Glück geht in die Höh
Goldberge sind allda!
dazu, dazu in Feindesland
was einem fehlt, das nimmt die Hand
das ist ein, das ist ein,
das ist ein and´rer Stand

Text und Musik: Verfasser unbekannt – Volkslied –

in: von Ditfurth , Die historischen Volkslieder vom Ende des siebenjährigen Kriegs , 1763, bis zum Brande vom Moskau, 1812, Berlin, 1872, S. 9 und 405: „Mündlich 1829 von einem alten Soldaten namens Mirbach zu Kassel , der den Feldzug mitgemacht hatte, nun aber betteln mußte.“

Hier wiedergegeben nach Steinitz , I,  S. 413f.  Steinitz schreibt dazu:

„Die zwangsgeworbenen hessischen Soldaten ‚wollen‘ nach der Devise „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, „in das Feld“ (Strophe 2); für die häufigen, meist aber vergeblichen Desertierversuche gibt es „Spießruten, daß es kracht“. In ihrer Verzweiflung sind sie durch Versprechungen auf besseren Sold in Amerika und auf Plündern leicht zu demoralisieren. Der bettelnde Sänger hat die Wahrheit der Versprechungen erfahren.“ neben “ Juchheissa nach Amerika “ das zweite Lied, welches die „Hessischen Söldner“ erwähnt

Vergleiche auch folgende Passage aus einem Aufsatz in der Gartenlaube, geschrieben von Eduard Leyh,
Titel: Die amerikanische Nationalhymne,  Die Gartenlaube, Heft 12, S. 204–206, Herausgeber: Ernst Keil, Erscheinungsdatum: 1875

„Mein alter Freund und Mentor, der 1871 in Cincinnati verstorbene Journalist August Becker, welcher meine vorstehende Übersetzung vor dreizehn Jahren während des Bürgerkrieges zuerst publizierte, wollte übrigens dem armen Durang seinen Ruhm niemals gönnen; er meinte, eine so herrliche Melodie könne gar kein Amerikaner erfinden, dieselbe sei entschieden deutsch. Als Beweis führte er den Endreim eines hessischen Soldatenliedes an, welcher lautet:

„Unser Landgraf, der soll leben, und die Landgräfin daneben!
Hesse-Darmstädter sein mir, ja Hesse-Darmstädter sein mir.“

Becker argumentierte nun, daß die damals von ihren sauberen Fürsten an die Engländer verschacherten Hessen dieses Lied auf amerikanischem Boden häufig gesungen hätten und die Melodie hier von den Amerikanern aufgegriffen worden sei. Tatsächlich herrscht zwischen dem Liede der Darmstädter Patrioten und dem Endreime unserer Nationalhymne große Ähnlichkeit und ich war immer geneigt, Herrn Becker in diesem Punkte Recht zu geben“ (Quelle)

Friedrich Schiller beschreibt in seinem Stück „Kabale und Liebe“ in einer Szene, wie die hessischen Söldner rekrutiert und verabschiedet werden:

Es traten wohl so etlich vorlaute Bursch´ vor die Front heraus und fragten den Obersten,wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe? – aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen,und die ganze Armee schrie: Juchhe nach Amerika! […]

Ja.gnädige Frau – warum mußtet Ihr denn mit unserem Herrn gerad auf die Bärenhatz reiten,als man den Lärm zum Aufbruch schlug?- Die Herrlichkeit hättet ihr doch nicht versäumen sollen, wie uns die gellenden Trommeln verkündigten, es ist Zeit ,und heulende Waisen dort einen lebendigen Vater verfolgten und hier eine wütende Mutter lief , ihr saugendes Kind an Bajonetten zu spießen,und wie man Bräutigam und Braut mit Säbelhieben auseinanderriß ,und wir Graubärte verzweiflungsvoll dastanden,und den Burschen auch zuletzt die Krücken noch nachwarfen in die Neue Welt – Oh,und mitunter das polternde Wirbelschlagen ,damit der Allwissende uns nicht sollte beten hören –

Hintergrund des Liedes: Die deutschen Fürsten verkauften ihre zwangsrekrutierten Soldaten auch an andere Mächte, vor allem an England, das diese zur Verteidigung seiner Kolonien in Nordarmerika einsetzte. Mit Hessen waren diese „Handelsbeziehungen“ besonders intensiv, der Landgraf Friedrich verkufte von 1775-1783 19.5000 Soldaten an England. Das war für ihn sehr ertragreich, denn er verdiente daran doppelt: Zunächst erhielt er pro Mann eine gewisse Grundsumme, im Fall von Verletzung oder Tod des Soldaten noch einen Zuschlag. ( Hessische Söldner )


Liederthema: Auswandererlieder | Soldatenlieder

Liederzeit: (1829)
Schlagwort: |
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Letzte Aktualisierung am 9.07.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API