Kriegsfestspiele

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Lilienthal bei Bremen

Lilienthal. den 23. März 1903
An den beiden letzten Tagen voriger Woche herrschte im Peters´schen Saale ein eigenartiges Leben und Treiben. Es versammelten sich daselbst abends zahlreiche Einwohner unseres Ortes und der Umgegend, legten ihre Zivilkleider ab und zeigten sich alsbald in voller Kriegsausrüstung als hohe und niedere Militärpersonen, sowohl des deutschen als auch des französischen Heeres, der „Grand Nation“. Schon lange zur großen Armee abberufene erlauchte fürstliche Personen, Heerführer und Diplomaten – u.a. die Ehrfurcht gebietenden Gestalten Kaiser Wilhelms I. und seiner Paladine – kamen wieder zum Vorschein und verkehrten einträchtig mit Offizieren und Soldaten, Deutschen und Rothosen, ja selbst mit den wilden Turkos.

Auch Napoleon III. ließ sich in dieser bunten militärischen Gesellschaft sehen. Daneben erschienen bescheiden im Hintergrunde Schwestern des Roten Kreuzes, Marketenderinnen u.a.m. Diese Zusammenkünfte hatten den Zweck, die Kriegsfestspiele vorzubereiten, welche weiteren Kreisen des Publikums die Ergebnisse der glorreichen Zeit von 1870/71 in naturgetreuen Bildern unter Mitwirkung des Deklamators und der Musik veranschaulichen und erklären sollten. Die Personen wurden unter der Leitung des Herrn Direktors Roever aus Hamburg auf der Bühne zu Gruppen zusammengestellt und zwar in sehr geschickter und umsichtiger Weise, so daß schon nach wenigen Uebungen jeder einzelne der zahlreichen Mitwirkenden auch bei den schwierigsten Stellungen seinen Platz finden und seine Aufgabe zu erfüllen wußte.

Am gestrigen Sonntage, dem Geburtstage Kaiser Wilhelms I., konnten deshalb die Festspiele in bester Vollendung vor der Oeffentlichkeit gezeigt werden. Den Erwartungen entsprechend, war der Besuch der beiden gestern angesetzten Vorstellungen ein sehr großer. Aus Lilienthal und Umgebung, auch aus mehreren Stunden weit entfernten Ortschaften, führten nachmittags die Lehrer ihre Schüler und Schülerinnen denselben zu, sodaß über 1000 Kinder den Festsaal füllten. Abends bezifferte sich die Zahl der Besucher auf ca. 450. Alle äußerten sich hochbefriedigt über das Gebotene, das nicht allein die weltbewegenden Ereignisse, sondern auch so manche rührende und erhebende Momente aus dem Kriege, von dem Eintreffen der Kriegserklärung an bis zur Rückkehr der Krieger, bald in glanzvollster, bald in schlichter, zu Herzen sprechender Weise wiedergab.

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  • Heinrich Kämpchen (23. Mai 1847)

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