Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Wieviel wird gerade in dieser Hinsicht doch an der Jugend gesündigt! Ist es doch zutreffend, wenn A. v. Bohlen in seinem Buche der Mütter betreffs Kinderbälle schreibt: »Hier wird der Jugend ein überzuckertes Gift gereicht, welches immer nachteilige Spuren zurücklässt und in den meisten Fällen den harmlosen Kindersinn mit seiner Unbefangenheit und Unschuld tötet, Nervenschwäche, Unlust zum Lernen und zur häuslichen Beschäftigung, Frühreife, Koketterie und Blasiertheit hervorruft.“

Wie aber ganz anders als »der Tanz« wirkt »das Spiel«. Während jener fast nur schlechte Folgen zeigt, wird durch dieses nicht nur der Geist und der Körper gebildet, sondern auch das Gemüt des Menschen veredelt.

Ja, Spiele sind Bedürfnisse des Lebens. Sehen wir uns nur einmal den Säugling in der Wiege an. Sobald er seine Ärmchen gebrauchen kann, fängt er an zu spielen. Wieviel Freude bereitet einem Mädchen, welches noch nicht zur Schule geht, die Puppe, und einem kleinen Knaben das Pferd und die Peitsche oder der Sandhaufen, den er verarbeiten darf. So sind Spiele die ersten Beschäftigungen unserer Kindheit und bleiben auch die angenehmsten unser ganzes Leben hindurch. Sie fördern die körperliche Entwicklung des Kindes und üben im Gebrauche der Sinne und Glieder. Darum ist es Pflicht des Erziehers, den Spieltrieb der Kinder mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit zu pflegen, damit die mannigfachen körperlichen und geistigen Kräfte und Anlagen zur Entfaltung gelangen.

Das Spiel ist eine notwendige und wohltuende Abwechslung zwischen Arbeit und Erholung. »Das größte Geheinmis der Erziehung“, sagt Rosseau, „besteht darin, daß die Übungen des Geistes und Körpers sich gegenseitig zur Erholung dienen«. Haben die Schülermit angespannter Aufmerksamkeit bereits zwei Stunden in der Schule zugebracht, dann ist auch für sie eine kurze Zeit der Freude und Erholung notwendig. Jeder Pädagoge wird gefunden haben, dass der Geist der Kinder hernach um so frischer und zur Auffassung seiner Worte tüchtiger ist. Ein Kind, welches nicht Lust zum Spielen zeigt, ist krank, selbstsüchtig oder störrisch; ein Kind, welches nicht spielen darf, wird mürrisch, ungezogen und faul. Will der Lehrer recht erziehen, so muß er durch passende Spiele dafür sorgen, dass der angeborene jugendliche Frohsinn beim Kinde nicht erstickt wird. Zu verwerfen ist ein zu lange anhaltendes Spiel.

Geist und Körper müssen harmonisch gebildet werden. Keiner darf auf Unkosten des andern geübt und vernachlässigt werden. „Wirft man auf die Waagschale zuviel, so sinkt die andere“ Wie ungern sieht es der Lehrer, wenn einige Kinder seiner Klasse Kopfschmerz, Nervosität, Angst, Lebensüberdruß, Verschlossenheit, Menschenscheu und ähnliche Erfahrungen zeigen. Woher kommen sie? Durch allzu strenge Härte und Kummer. Möge doch jeder dafür sorgen, daß solche der Jugend fern bleiben. Die Kinder werden sich dann umso mehr in ihrer natürlichen, liebenswürdigen, unschuldigen Offenheit zeigen.« Sie erfreuen dann Lehrer und Eltern. Dann kann man auch von den Schülern sagen: »Wie sie alle lustig sind, flink und froh sich regen!« Lust zum Spiel gibt auch Lust zur Arbeit; denn es birgt in sich selbst Tat und Genuß, Streben und Ziel zugleich.

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