Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Im Spiel lernt man Umgang mit Menschen. Jeder ist dazu in der Welt, um etwas zu schaffen und seinen Mitmenschen nützlich zu werden. Hierzu gehört aber der Umgang mit Menschen. Dieser ist ja unbedingt notwendig, wenn einer weiterkommen, und wenn er nicht Sklave seiner selbst oder der Mitmenschen werden will, ferner auch dazu erforderlich, damit er nicht so leicht in Feindschaft gerate und eigensinnig auf seinem Kopf beharre. Das Spiel ist nun das Mittel, welches zu den Tugenden des geselligen Zusammenlebens erzieht. Es finden sich aus dem Spielplatze Kinder von verschiedenem Alter, verschiedenem Charakter, verschiedenem Temperament und aus verschiedenen Familien zusammen.

Und wie leicht lernen sich Kinder beim Spiele kennen, schätzen, lieben und verstehen, was ja für ihr ganzes Leben von so großem Werte ist. Auch hat das Kind aus dem Spielplatze Gelegenheit, seine Kraft an der seiner Genossen zu messen; es bleibt dadurch vor einer Überschätzung seiner eigenen Kraft und vor Geringschätzung seines Nächsten bewahrt und lernt somit Eintracht und Gemeinsinn anwenden. Die gesellschaftlichen Tugenden, Aufrichtigkeit, Unterordnung, Offenheit, Freundlichkeit und Wahrheit werden unbewußt angeeignet.

Das Spiel ist ein wichtiger Faktor zur Bildung des Willens; denn es führt zur Selbstbeherrschung. zur Besonnenheit, erzieht zur Aufmerksamkeit, zur Raschheit des Entschlusses, zur Wahrnehmung und Benutzung des günstigsten Augenblickes, zur Ausdauer. Ferner wird durch das Spiel der häusliche Fleiß gehoben; denn» die große angeborene Trägheit mancher Kinder wird gerade durch die Laufspiele vertrieben. Vor allem fördern die Spielregeln auch bei dem Kinde den Gehorsam.

Das Spiel begünstigt die freie Entwicklung der im Kinde verborgenen Geisteskräfte und fördert die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten. Im Innern des Kindes liegen wohl manche Kräfte verborgen, welche keine menschliche Kunst hervorzuholen imstande ist. Erst draußen unter freiem Himmel, in Gottes schöner Natur, wo beim kindlichen Spiele sich Körper und Geist ungehindert regen dürfen, da kommen solche Anlagen zur Entfaltung, und damit wird der Grund zur künftigen geistigen Selbständigkeit gelegt Das Spiel fördert unbedingt Aufmerksamkeit,-schnelles Besinnen, Geistesgegenwart, übt Auge und Ohr, gewöhnt an scharfes Beobachten, Vergleichen und Beurteilen.

Das Spiel ist daher ein schützender Damm gegen die verderbliche Langweile und den Müßiggang, den Anfang aller Laster. Ja, es ist die Vorschule des Handelns des ernsten Lebens, und ein Lehrer, welcher scharf beobachtet, erkennt aus ihm die geistigen Anlagen und auch wohl den künftigen Charakter eines Kindes.

Das Spiel gibt dem Lehrer auch Gelegenheit, die Individualität seiner Schüler kennen zu lernen. In der Schule zeigt sich das Kind wohl selten so, wie es ist; denn manche sind zu ernst bei der Sache, andere sind wiederum zurückhaltend und besitzen große Furcht vor dem Lehrer. Im Spiele dagegen gibt sich das Kind so hin, wie es ist, es bewegt sich ungezwungen. Beim Spiele liegt die Seele des Kindes offen da wie ein aufgeschlagenes Buch; der Pädagoge sieht im Spiele wie in einem Spiegel das treue Lebensbild seines Schülers; der Lehrer braucht nur die Augen zu öffnen, um die einem jeden unter seinen anvertrauten Kindern eigentümlichen Anlagen, Eigenschaften, Neigungen, gleichsam die Individualität desselben einigermaßen kennen zu lernen, nach der ein rechter Erzieher die Behandlungsweise seiner Zöglinge einschätzt.

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