Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Das Spiel erweckt und sichert dem Lehrer das Vertrauen und die Liebe seiner Kinder. Wie gern sehen sie es, wenn der Lehrer mit ihnen spielt! Wie innig bitten sie ihn dann in jeder Pause! Sei der Lehrer ein Kind mit ihnen und ihr Spielgenosse. Dann werden sie ihn lieben, ihr ganzes Vertrauen ihm entgegenbringen. Dann gehören auch die Herzen der Schüler dem Lehrer. Um wieviel leichter wird dann die Arbeit des letzteren sein? Es schadet auch der Autorität des Lehrers nicht, wenn er ein Kind mit ihnen ist. Vielmehr wird er Achtung hierdurch erwerben. Bedenke doch ein jeder das Wort: „Heiterkeit ist der Himmel, unter welchem alles gedeiht, Gift ausgenommen

Ja, noch mehr! Im Spiele wächst auch das Zutrauen zur eigenen Person wie zur ganzen Menschheit; denn selbst das schwachbegabte und mutlose Kind ist wenigstens auf dem Spielplatze seinen Mitschülern ebenbürtig und bekommt Vertrauen zu sich selbst und der ganzen Menschheit. Manche Schwierigkeiten muß das Kind überwinden, und daraus entsteht Freude.

Aus dem Spiele erwächst die Liebe zur Arbeit. Mit welcher Lust gehen die Kinder zur Schule, wenn sie sehen dass der Lehrer nicht nur warnen, tadeln und strafen, sondern auch in ungezwungener Heiterkeit mit· ihnen fröhlich sein kann. Freudig blicken sie zu ihm·auf; denn sie wissen, der Lehrer ist ihr Freund. Die Kinder nahen sich ihm nicht mehr in banger Furcht, sondern eilen ihm freudig entgegen und suchen ihre Liebe und ihren Dank auf jede Weise kund zu geben. Spiele sind Blumenbänder, durch welche man die Jugend an sich·fesselt. Die Schule wird dann werden, was sie sein soll, eine Stätte der Freude für Schüler und Lehrer. Dann werden auch die Tugenden, welche unserer heutigen Jugend noch vielfach fehlen, wie Anstand, Höflichkeit, Bescheidenheit und Freundlichkeit, wieder erblühen.

Das Leben auf dem Spielplatz bewahrt das Kind vor bösem Umgang. Es ist ja die Aufgabe eines jeden Erziehers, das Kind auf gute Bahnen zu führen. Jeder Lehrer, jede Mutter, jeder Vater ist bemüht, es vor bösen Sitten zu hüten. Dort auf dem Spielplatze befindet es sich in guter Gesellschaft; denn dort werden nun gemeine Reden und Handlungen, wie Schimpf- und Fluchwörter und Rohheiten, nicht gehört und auch nicht geduldet. Sollte dem Kinde in dieser Hinsicht nicht mehr Gelegenheit gegeben werden, auch außerhalb der Schulstunden unter Aufsicht eines Spielleiters sich auf einem Spielplatze bewegen zu können?

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