Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Auch könnten die Knaben und die Mädchen, die mit 14 Jahren der Schule entwachsen sind, gerade in dieser Zeit und noch weiter hinaus vor vielen Verirrungen und Abwegen bewahrt werden, wenn sie nur in der Schule gelernt hätten, Lust und Freude am Spiele in Gottes freier Natur zu finden, sich den Körper zu kräftigen und im Kreise froher Genossen reine harmlose Freude zu genießen, anstatt schon in diesem jugendlichen Alter Kneipen mit schlechter Luft und noch schlechterer Gesellschaft und Tanzgelegenheiten aufzusuchen, deren Harmlosigkeit auch nicht immer die Probe bestehen mag.

Man bedenke nur, daß moralische Schäden zu verhüten leichter ist als sie zu heilen. Zudem fördert das zunehmende Interesse des Volkes für das Spiel die Wohlfahrt des Landes. Der preußische Kultusminister von Geister sagt in seiner Verfügung über das Spiel, folgendes: »Der Gewinn jener Übungen auf dem Spielplatze kommt nicht der Jugend allein zugute, sondern unserm ganzen Volke. Es gibt schwerlich ein Mittel, welches so sehr wie das Spiel imstande ist, die geistige Ermüdung zu heben, Leib und Seele zu erfrischen und zu neuer Arbeit tätig und freudig zu machen. Es bewahrt vor unnatürlicher Frühreife und blasiertem Wesen, und, wo diese beklagenswerten Erscheinungen bereits Platz gegriffen, arbeitet es mit Erfolg an der Besserung eines ungesund gewordenen Jugendlebens.

Das Spiel wahrt der Jugend über das Kindesalter hinaus Unbefangenheit und Frohsinn, die ihr so wohl anstehen, lehrt und übt Gemeinsinn, weckt und stärkt die Freude am tatkräftigen Leben und die volle Hingabe an gemeinsam gestellte Aufgaben und Ziele. Mit der leiblichen Erleichterung und Erfrischung wächst auch die Kraft und Freudigkeit zu geistiger Arbeit. Darum müssen Schule und Haus in dieser Beziehung an der Jugendbildung mitarbeiten, indem jeder das Spiel zu heben und zu pflegen sucht. Denn der Gewinn davon kommt unserm Volke und unserm Vaterlande zugute«.

Endlich aber gilt als letzter Punkt der, daß das Spiel die körperliche Gesundheit stärkt und hebt. Hierzu reichen jedoch die einzelnen Pausen und die wenigen Turnstunden, in denen gespielt wird, nicht völlig aus. Damit das Spiel die körperliche Gesundheit bedeutend hebe, müssen besondere Spielwiesen, Spielplätze, Spielhallen und Spielsäle vorhanden fein und besondere Spielstunden eingerichtet werden. Was für ungesunde und blasse Gesichter sehen wir unter den Kindern und Erwachsenen einer Stadt! Es ist eine traurige Tatsache, daß die körperliche Gesundheit der großen Masse des Volkes, auf der ja doch im Grunde die Wohlfahrt und der Bestand unseres
ganzen Landes und Reiches beruhen, langsam zurückgeht.

Anstatt sich auf den Spielplatz zum gemeinsamen Spiele zu begeben, um sich dort die richtige und nötige Bewegung zu verschaffen, tun die meisten Menschen gerade das Gegenteil, indem sie sich enge Zwangsjacken anlegen, in der falschen Meinung, andern dadurch angenehmer zu sein und besser zu gefallen. Wie viele Schüler, besonders der höheren Lehranstalten, tragen ein altkluges und frühreifes Wesen zur Schaut Sie tänzeln lieber mit Glacéhandschuhen und Spazierstöckchen auf der Promenade umher, als daß sie sich mit ihresgleichen zum gemeinsamen Spiele (namentlich zu Ballspielen) zusammenfinden sollten.

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