Wer wollte sich mit Grillen plagen

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Wer wollte sich mit Grillen plagen
solang uns Lenz und Jugend blühn?
Wer wollt´ in seinen Blütentagen
die Stirn in düstre Falten ziehn?

Die Freude winkt auf allen Wegen
die durch dies Pilgerleben gehn;
sie bringt uns selbst den Kranz entgegen
wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle
noch ist die Laube kühl und grün;
noch scheint der liebe Mond so helle
wie er durch Adams Bäume schien

Noch macht der Saft der Purpurtraube
des Menschen krankes Herz gesund;
noch schmecket in der Abendlaube
der Kuss auf einen roten Mund

Noch tönt der Busch von Nachtigallen
dem Jüngling hohe Wonne zu;
noch strömt, wenn ihre Lieder schallen
selbst in zeriss’ne Seelen Ruh

O wunderschön ist Gottes Erde
und wert, darauf vergnügt zu sein!
Drum will ich, bis ich Asche werde
mich dieser schönen Erde freun!

Text: Ludwig Heinrich Christoph Hölty , um 1776 (1748-1776)    zuerst im Voßischen Musenalmanach für 1777 mit der Melodie von Reichardt ()
Musik: Johann Friedrich Reichardt bzw. auch anonym , Volksweise
auf die gleiche Melodie wird gesungen

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: Frühlingslieder
Liederzeit: (1777)
-


"Wer wollte sich mit Grillen plagen" in diesen Liederbüchern

u.a. in: Allgemeines Deutsches Kommersbuch (1858) — Feuerwerker-Liederbuch (1883) — Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Liederbuch Postverband (1898) — Wie´s klingt und singt (1936) — Die schönsten Liebeslieder (1981)

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