Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Das Spiel macht alle gleich, die Klassenunterschiede sind verwischt. Knaben und Jünglinge, Mädchen und Jungfrauen bilden Vereine. ·Einmal oder öfter im Jahre haben dann einzelne Klubs öffentliche Spielfeste mit Preisen und Wettspiele mit noch andern Klubs mit hohen Preisen für die Sieger. Das sind dann Tagesereignisse. Wer nur irgend kann, beteiligt sich als Zuschauer; jedermann spricht von den Siegern, und die Blätter bringen mehrere große Spalten über die Spiele, die an vorhergehenden Tagen von besonders gewandten Spielern ausgeführt worden sind. »Man kann,« so schreibt ein deutscher Zuschauer, »sich kaum einen Begriff davon machen, welches Interesse das Spiel dort in Schottland und England bei jung und alt findet.« Ja, es werden selbst Telegramme abgesandt und Vereine von Australien dazu eingeladen.

Was können wir aus dieser kurzen Schilderung über die Spiele in Schottland und England lernen, und wozu soll sie uns anregen und anspornen? Dazu, das Jugend- und Volksspiel immer mehr zu heben und zu pflegen. Auch in unserm Vaterlande sind bereits hier und da in dieser Hinsicht einige Schritte getan worden; in verschiedenen deutschen Städten und deutschen Dörfern sind in den letzten Jahren Spielplätze angelegt und Spielvereine gegründet worden. So in Braunschweig, Stettin u. a. In Leipzig gibt es allein zwölf Spielplätze mit zwölf Spielvereinen.

Besonders wären solche Einrichtungen in den industriereichen Gegenden, wie Fabrik- und Kohlenstädten, von großem Segen, wo zum Teil die Jugend an Müßiggang gewöhnt ist, wo Rohheiten und eine gewisse Verschlossenheit derselben eigen sind. Auch ist hier zu beachten, daß in England, wie durch Zahlen belegt ist, die Schwindsucht beständig abgenommen und im letzten Halbjahrhundert um die Hälfte sich vermindert hat. Die Zahl der Kurzsichtigen beträgt in England kaum ein Fünftel der entsprechenden in Deutschland. Was ist der Grund zu dieser Erscheinung? Man verwendet eben dort von Jugend an große Sorgfalt aus die Pflege der Gesundheit durch Bildung des Körpers.

Die Erhaltung unserer Gesundheit, Frische und Kraft ist ja heilige Pflicht gegen uns selbst, gegen unsere Familie und gegen unsere Mitmenschen. Unsere Kinder und Erwachsenen, wenn sie einmal freie Zeit haben, wissen freilich auch kaum, was sie spielen sollen. Wer sollte sich da der Jugend vor allen Dingen annehmen? Ist es nicht in erster Linie gerade der Lehrer, der dazu berufen ist, sich in dieser Hinsicht der Jugend zu widmen und somit das Volk zu bilden? Sollte er als Volkserzieher nicht stolz darauf sein, alles zu tun, um sein Volk aus eine höhere sittliche Stufe zu bringen und seinen Stand zu heben und unabhängiger zu machen?!

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