Bedeutung des Spiels

A. Schlipköter (in: Was sollen wir spielen?)

Die Entdecker Amerikas fanden selbst in Mexiko Ballhäuser vor. Solche hatten auch im Mittelalter Deutschland und Italien anstatt der Tanzsäle. Hohe Fürstlichkeiten, wie König Gustav Adolf von Schweden, der streng militärische König Friedrich Wilhelm I u. a. suchten im Bewegungsspiel sich eine angenehme Erholung zu verschaffen. Viele Pädagogen zeigen durch ihre Aussprüche, daß das Spiel ein wesentliches Stück in der Erziehung ist, wie Rousseau, Salzmann, Turnvater Jahn u. a.

Leider haben aber sich so viele schone Jugend- und Volksspiele fast gänzlich mit den alten Volksfesten verloren. Unser Nationalfest sollte nicht den Wirten, die im Grunde doch die Hauptbeteiligten und Veranstalter sind, volle Kassen, den Festteilnehmern leere Taschen und schwere Köpfe verschaffen, sondern die großen Massen des Volkes hinleiten die Körperzucht und die Leibesübungen zur allgemeinen Sitte werden zu lassen und damit den Willen gleichzeitig in straffe Zucht zu nehmen.

Die Leibesübungen sollten zu einer Volkssitte und einer Bürgertugend werden, welche soziale Gesinnung schätzt und pflegt. Natürlich soll bei· solchem Feste das größte, erhabenste und edelste Ziel das Nationalgefühl zu kräftigen, alldeutsche Gesinnung· zu pflegen und zu erhalten und den deutschen Einheitsgedanken zu festigen und zu vertiefen, stets bleiben. So liegt die Bedeutung des deutschen Nationalfestes teils aus gesundheitlichem, teils aus kulturgeschichtlichem, hauptsächlich aber aus sozialem und nationalem Gebiete· Besonders ist es Pflicht unserer Schulen, den Spielen wieder ihre Aufmerksamkeit zu schenken und dahin zu streben, daß durch dieselben nach und nach das Tanzvergnügen bei der Jugend verdrängt wird. Sehr bedauerlich ist es, daß bei Schulausflügen und Kinderfesten die Tanzerei noch häufig genug das Hauptvergnügen bildet.

Wie weit sind Schottland und England in Bezug auf Wertschätzung und Pflege der Spiele allen andern Ländern voraus! Dort spielt jung und alt, reich und arm, dort wird das Spiel mit großem Eifer getrieben, dort findet man fast überall eingefriedigte Spielplätze und Spielwiesen, sowie Spielzelte, Spielhallen und Spielsäle. Besitzt doch London schon allein an 1000·Spielplätze. Unermüdlich sieht man dort die Jugend· wie auch die Erwachsenen an bestimmten Tagen im Freien spielen. Es erscheint dem vornehmen Mann in England durchaus nicht verächtlich oder·als ein Abbruch an seiner Ehre, im Spiele Schulter an Schulter mit dem ·gewöhnlichen Arbeiter oder gegen ihn um die Ehre des Spiels zu ringen.

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