Kritik an Sedanfeiern (1888)

Constantin Bulle (in: Programm des Gymnasiums zu Bremen , Jg. 1888 , Staatsarchiv Bremen)

In üblicher Weise verlief leider auch diesmal wieder die Beteiligung des Gymnasiums an dem Festzuge des Sedantages; denn bedauerlicherweise scheint es nicht gelingen zu wollen, für die Schulen eine angemessene Form der Beteiligung an dem schönen Feste zu finden. Die Jugend ist dazu da , an einem solchen Tage zu sehen, nicht aber, worauf es jetzt einzig hinausläuft, gesehen zu werden.

Selbst die Teilnahme an der Feier auf dein Markte muß vom pädagogischen Standpunkte verworfen werden; denn nur in den seltensten Fällen ist es bei gespannter Aufmerksamkeit möglich, dem Redner zu folgen, diese Aufmerksamkeit wird aber durch die lange Zeit des Aufmarsches und des Wartens erst gründlich erschwert, selbst wenn die Hitze oder der Regen sie gestatten sollten, und es ist ein seltsamer Irrtum, wenn man glaubt, dadurch patriotische Gefühle erwecken zu können.

Weit angemessener würde es m. E. sein, wenn man die Schulen einzeln in einer frühen Stunde, etwa zwischen 7 und 8 Uhr, nach dem Kriegerdenkmal ziehen ließe, um dort unter den Klängen einer daselbst aufgestellten Musikkapelle Kränze niederzulegen, woran sich dann bei der Rückkehr in die Schule eine kurze patriotische Ansprache schließen würde. Bei der übrigen Feier des Tages aber sollte man es den jüngeren Knaben gönnen, freie Zuschauer zu sein und den älteren, sich nicht gezwungen von der Schuldisziplin, sondern in freiwilliger Organisation zu beteiligen, wo für ihre Beteiligung Platz ist. Eine solche Feier würde ihren ethischen und insbesondere auch patriotischen Wert haben; die jetzigen Einrichtungen nehmen von Jahr zu Jahr mehr das Gepräge des Schablonenhaften an.

Constantin Bulle : Programm des Gymnasiums zu Bremen , Jg. 1888
Staatsarchiv Bremen , Akte 4,36 – V. 20.1. 2.

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