Gott erhalte Franz den Kaiser

Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!
Hoch als Herrscher, hoch als Weiser
steht er in des Ruhmes Glanz.
Liebe windet Lorbeerreiser
ihm zu ewig grünem Kranz.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!

Über blühende Gefilde
reicht sein Zepter weit und breit.
Säulen seines Throns sind Milde,
Biedersinn und Redlichkeit.
Und von seinem Wappenschilde
Strahlet die Gerechtigkeit.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!

Sich mit Tugenden zu schmücken,
achtet er der Sorgen wert.
Nicht, um Völker zu erdrücken,
flammt in seiner Hand das Schwert;
sie zu segnen, zu beglücken,
ist der Preis, den er begehrt.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!

Er zerbrach der Knechtschaft Bande,
hob zur Freiheit uns empor.
Früh erleb‘ er deutscher Lande,
deutscher Völker höchsten Flor
und vernehme noch am Rande
später Gruft der Enkel Chor:
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!

Text: Laurenz Leopold Haschka (1797)
Musik: Joseph Haydn (1732 – 1809) im Januar 1797 auf die Melodie des kroatischen Volksliedes “Bin früh morgens kurz vor der Morgendämmerung aufgestanden” (“Stal se jesam rano jutro malo pred zoru”).

Dieses Lied wurde in der Gegend um Sveti Ivan Zelina, Međimurje und im österreichischen Burgenland, wo schon jahrhundertelang eine starke kroatische Minderheit lebt, gesungen. Joseph Haydn kannte die Region und ihre Lieder gut.  Zu der kroatischen Melodie fügte er eine Modulation hinzu,  fertig war „seine“ Komposition.

Die Melodie, die Hoffmann von Fallersleben dann 1841  für die heutige deutsche Nationalhymne, beginnend  mit  „Deutschland Deutschland über alles“, nahm, ist also eigentlich ein kroatisches Volkslied!

Mehr als 50 Nachdichtungen und Parodien auf die deutsche Nationalhymne bzw die Kaiserhymne.

Anmerkungen zu "Gott erhalte Franz den Kaiser"

„Die k. k. Hofbibliothek in Wien besitzt das Original Manuskript von Haydn und auch den ersten Entwurf, darin ein anderer Mittelsatz auftritt, dieser aber ist durchstrichen und unten auf dem Notenblatt die heutige Lesart skizziert. Hier die Notation, wie sie Haydn im Kaiserquartett gibt. Im Originaldruck des Liedes 1797 Gdur fehlt der erste Vorschlag. Heutzutage findet man die langen Vorschläge, mit der darauf folgenden Viertelnote als zwei Achtel gedruckt, und die drei vorletzten Noten vereinfacht zu zwei Achtel. a -g.“ (Böhme, Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895)

Lorenz Leopold Haschka, geboren zu Wien am 1 . September 1749 , gestorben am 3. August 1827 als pensionierter Professor der Ästhetik am Theresianum und Kustos der Universilätsbibliothek . Das Lied wurde zum ersten Male am 12. Februar 1797 im Theater am Kärntner Tor in Wien gesungen.

Der erste Wiener Druck von Gott erhalte Franz den Kaiser besteht aus zwei Blättern in kl. Querquart: “ Gott erhalte den Kaiser! Verfasset von Lorenz Leopold Haschka . In Musik gesetzt von Joseph Haydn. Diese Melodie nahm Hoffmann von Fallersleben 1841 dann für „Deutschland Deutschland über alles

„Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!
Lange lebe Franz der Kaiser in des Glückes hellstem Glanz!
Ihm erblühen Lorbeerreiser, wo er geht, zum Ehrenkranz.
Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!“

Nach dem Sieg über Napoleon kam eine vierte Strophe („Er zerbrach der Knechtschaft Bande“) von einem unbekannten Verfasser (?) hinzu…

Eine neue österreichische Volkshymne in 5 Strophen dichtete auf Kaiser Franz Joseph 1854 Joh Gabriel Seidl, geb 21 Juni 1804 in Wien, gestorben daselbst 18 Juli 1875, auf Haydn’s Melodie zuerst gedruckt als fliegendes Blatt. Durch allerhöchstes Handbillet 27 März 1854 wurde dieser als authentischer Text erklärt. Er beginnt Gott erhalte Gott beschütze Unsern Kaiser unser Land

Parodien und Umdichtungen auf die Deutsche Nationalhymne.

"Gott erhalte Franz den Kaiser" in diesen Liederbüchern

u.a. in: Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895) — Deutsches Armee Liederbuch —  Allgemeines Deutsches KommersbuchAls der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Was die deutschen Kinder singen (1914) —

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