Es spielt ein Ritter mit seiner Magd

Frauenlieder | Liebeskummer | | 1544

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Die Noten zu "Es spielt ein Ritter mit seiner Magd":




Zweite Melodie zu "Es spielt ein Ritter mit seiner Magd":

Es spielt ein Ritter mit einer Magd
sie spielten alle beide
Und als der helle Morgen anbrach
da fing sie an zu weinen

Weine nicht weine nicht brauns Mägdelein
dein Ehr will ich dir bezahlen
Ich will dir geben den Reitknecht mein
dazu dreihundert Thaler

Den Reitknecht und den mag ich nicht
ich will den Herren selber
Und wenn ich den Herrn nicht selber krieg
so geh ich zu meiner Frau Mutter

Als sie nun vor die Stadt Augsburg kam
wol an die lange Brücke
Da sah sie ihre Frau Mutter stehn
die thät ihr freundlich winken

Willkommen willkommen liebs Töchterlein
wie ist es dir ergangen
Daß dir dein Rock von vorne zu klein
und hinten viel zu lange

Und wie es mir ergangen ist
das darf ich dir wol sagen
Ich hab mit einem jungen Ritter gespielt
ein Kindlein muß ich tragen

Sie nahm das Mägdlein bei der Hand
und führt sie gleich zu Tische
Sie setzt ihr auf einen Becher Wein
dazu gebackne Fische

Ach Mutter liebste Mutter mein
ich kann nicht essen noch trinken
Macht mir ein Bettlein weiß und fein
daß ich darin kann liegen

Und als es kam um Mitternacht
dem Ritter träumts gar schwere
Als wenn sein herzallerliebster Schatz
im Kindbett gestorben wäre

Steh auf steh auf lieb Reitknecht mein
sattel mir und dir zwei Pferde
Wir wollen reiten Tag und Nacht
bis wir den Traum erfahren

Und als sie über die Heid naus kamn
hörten sie ein Glöcklein läuten
Ach reicher Gott vom Himmel herab
was mag doch dies bedeuten

Und als sie vor die Stadt Augsburg kamn
wohl vor die hohen Tore
Da brachten sie eine Leiche getragn
auf einer Todtenbahre

Setzt ab setzt ab ihr Träger mein
die Leiche will ich beschauen
Es möcht mein Herzallerliebste sein
mit ihrn schwarzbraunen Augen

Er deckt ihr auf das Leichentuch
und sah ihr unter die Augen
Du bist fürwahr mein Schatz gewest
und hasts nicht wollen glauben

Er deckt ihr auf das Leichentuch
und schaut ihr auf die Hände
Du bist einmal mein Schatz gewest
nun aber hats ein Ende

Er deckt ihr auf das Leichentuch
und schaut ihr auf die Füße
Du bist einmal mein Schatz gewest
nun aber schläfst du süße

Er zog heraus sein blankes Schwert
und stach sich in sein Herze
Hast du gelitten Angst und Pein
so will ich leiden Schmerzen

Nun machet mir ein tiefes Grab
wol zwischen Stein und Mauern
Es soll mein herzallerliebster Schatz
in meinen Armen verfaulen

Man legt den Ritter zu ihr in Sarg
begrub sie unter die Linden
Es stunde an kein halbes Jahr
da wuchsen herauf zwei Lilien

Text und Musik : Verfasser unbekanntEs spielt ein Ritter mit seiner Magd
Die Noten sind aus Schlesische Volkslieder (1841)

Das Lied hat das “Recht der ersten Nacht” (Jus Primae Noctis”) zum Thema ( Hans Ostwald). Die Geschichte von der ungewollten Schwangerschaft spielt in Augsburg oder Regensburg , beide Städte liegen nicht weit auseinander. Unwahrscheinlich ist, daß die Mutter das Kind im “Rheinstrom” ertränken will , der Rhein liegt ca. 250 Kilometer von Augsburg entfernt. Die junge Frau bekommt vom “Edelherrn” mal 300 und mal 500 Reichstaler angeboten, (was heute vielleicht dem Wert eines Autos entspräche ?)  lehnt aber ab. Ebenso lehnt sie die Kindstötung ab, weil der “Markgraf” sie sonst aus dem Lande jagen würde. Die anschliessende Strophe (16) ist am wenigsten eindeutig, hier existieren die meisten Variationen.

Klar ist: Die Mutter verschafft der jungen Schwangeren eine finstere Kammer, in der sie nach einer Nacht stirbt. Ich vermute, daß hier eine versuchte Abtreibung geschildert wird. Wie in so vielen Liedern wurde dies bei der Aufzeichnung wegzensiert.  Auch der ganze Schluß, daß beide nun gemeinsam im Grab liegen, ist vermutlich “drangeklebt”. Bezeichnend daß in einigen Version, nach neun Monaten (!) Lilien aus dem Grab blühen. Eventuell lag da nicht der Ritter mit im Grab, sondern das Kind, das nicht sein durfte? (M.Z.)

u. a. in: Antwerpener Liederbuch (1544 , bei Uhland I 223) — Nicolai´s Feiner kleiner Almanach (1777) —   Des Knaben Wunderhorn Band I , (1805, andere Fassung , nach einem fliegenden Blatte )  — Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Singweisen (1841,1 – die Version von 1777, Nicolai) —   Schlesische Volkslieder (1841) —  Deutscher Liederhort (1856) – Die erste Melodie, die Ludwig Erk im Deutschen Liederhort anführt, war verbreitet in Brandenburg , Sachsen , Schlesien , Hessen – Darmstadt und anderen Orts, die zweite Melodie stammt aus der Gegend von Liegnitz , die dritte aus Oranienburg und die vierte aus der Wetterau  —

Text-Varianten

Weitere Lesarten der Ballade, die Erk im Liederhort anführt:  ( Die Strophen waren ursprünglich zweizeilig, das macht aber keinen Sinn, daher habe ich sie der Lesbarkeit wegen vierzeilig wiedergegeben. Die Zahlen in den Anmerkungen beziehen sich auf die zweizeilige Fassung)

1. und 2.:  Es spielt ein Ritter ( Graf ) mit einer Dam ( so fast alle Texte)  sie spielten eine lange Weile und als der helle Morgen ankam ( und als sie genug gespielet hattn ) das Mägdlein fing an zu weinen — 3,2.:  ich will dir Alles bezahlen — 4.:  Ich will dir geben den Reitersknecht dazu fünfhundert Reichsthaler — 5. und 6.:  Den Reitersknecht den mag ich nicht , will lieber den Herren selber , krieg ich den Herren selber nicht , so klag ichs meiner Frau Mutter — 6a::  In Freuden bin ich von ihr gegangen in Trauern kehr ich wieder (will ich sie suchen) —  7. u 8:  Und da sie vor die Stadt Regensburg kam , wohl unter vor die hohen Tore ( wohl in die enge Gasse)  da sah sie ihre Frau Mutter da stehn bei Fürsten (Rittern) und bei Grafen ( und Markgrafen) —  9. und 10:  Grüß dich Gott grüß dich Gott lieb Töchterlein wie ist dirs denn ergangen,  von vorn ist dir dein Rock so kurz (klein) von hinten tut er hangen (daß dir dein Röcklein vorn so hoch und hinten tut niedrig hangen?) —  11 u 12.  Ach Mutter liebe Mutter mein das darf ich dir nicht sagen , ich hab mit einem Edelherrn ( jungen Grafen)  gespielt , der Schelm hat mich betrogen —  12a.  Hast du mit einem Edelherrn gespielt , du brauchst es Niemand zsagen , Wenn du dein Kindlein zur Welt gebierst,  in Rheinstrom wollen wirs tragen —  12b:  Ach nein ach nein liebe Mutter mein , das wolln wir lassen bleiben , wenn ich das Kind zur Welt gebier , dem Vater will ichs zuschreiben ( Ach Mutter liebe Mutter mein das wär uns eine Schande. Wenn das der junge Markgraf erfährt,  der jagt uns aus dem Lande — 15. u. 16.: Ach Mutter Herzensmutter mein,  bett mir in einer finstern (dunkeln) Kammer , da will ich mich nun legen ein,  beweinen meinen Jammer ( da will ich vollbringen meine Zeit mit Weinen und mit Jammer) —  Ach Mutter liebste Mutter mein , schafft gebt mir ein finstre Kammer,  da ich kann weinen Tag und Nacht , mein Elend und mein Jammer —  Ach Mutter liebste Mutter mein,  mach mir ein Bett von Seiden,  machs mir fein lang,  machs mir fein schwank , den Tod will ich drauf leiden —  16a: Und als es um die Mitternacht kam , das Mädel sank an die Wände (da klopft sie an die Wände)  sie ruft ihrem Vater und Mütterlein und nahm ein seligs Ende —  17 Und als es um den Morgen kam,  dem Ritter träumts gar schwere — 20,2.:  bis wir die Post erfahren —  20a:  Und als sie kamen den halben Weg,  das Pferd fing an zu wanken . Ach großer Gott vom Himmel drobn ( Himmelsthron)  wie schwer sind meine Gedanken — 21:  Und als sie zu der Heid nein kamn,  da kam ein Schäfer getrieben,  “Gott grüß euch Schäfer hübsch und fein,  für wen gehn die Glocken so schöne?”  “Es ist gestorben eine Rittersbraut sie läuten ihr zur Seele” — 22a.: Und als sie zu dem Kirchhof kamn da grub der Gräber die Grube “Gott grüß euch Gräber hübsch und fein für wen grabt ihr die Grube?”  “Es ist gestorben eine Rittersbraut hier drinnen soll sie ruhen” —  25 u 26:  Setzt nieder setzt nieder ihr Träger mein ich muß mein Lieb noch schauen,  ich seh sie heut zum letzten Mal mit ihren schwarzbraunen Augen —  28: Du hast einmal solln meine werdn,  hasts aber nicht wolln glauben — Du hast mich einmal treu geliebt habs aber nicht wolln glauben — Nehmt ab nehmt ab das Kränzelein und setzt ihr auf die Haube — 28a:  Er deckt ihr auf das Leichentuch und sah ihr zu dem Herzen . “So will ich nun und nimmermehr mit keinem Mädel mehr scherzen” — 32:  “So will ich nun und nimmermehr von keinem Schatz mehr wissen (  kein schwarzbrauns Mädel mehr küssen) —  34:  Hast du gelitten große Pein, will ich jetzt leiden Schmerzen ( Hab ich dir geben Angst und Pein so will ich leiden Schmerzen)  34a:  O nein o nein edler Herre sein das sollst du lassen bleiben,  es hat schon manches liebe Paar von einander müssen scheiden — 35. u. 36: Nun grabet mir ein Gräbelein wohl zwischen zwei hohen Mauern,  so will ich mich nun legen – ein und will darunter verfaulen — Grabt zu grabt zu ihr Gräber mein, wohl zwischen Stein und Mauern, legt mich zu meiner Herzliebsten ein wir wollen mitsammen verfaulen —  36. :Man legt den Ritter zu ihr in Sarg,  verscharrt sie wohl unter die Linden,  da wuchsen nach drei Vierteljahrn,  aus ihrem Grab drei Lilien — 38. Es dauert (stunde) kaum drei Vierteljahr da wuchsen herauf zwei Lilien — 38a: Auf den Blättern stands geschrieben dar:  sie sind Beide bei Gott gebliebn .

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Die Noten zu "Es spielt ein Ritter mit seiner Magd":

6238

Zweite Melodie zu "Es spielt ein Ritter mit seiner Magd":

6238-2

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