Da droben auf jenem Berge

Da droben auf jenem Berge
da steht ein hohes Haus
da schauen wohl alle Frühmorgen
drei schöne Jungfrauen heraus.

Die eine heißt Susanne
die andere Anne-Marei
die dritte die darf ich nicht nennen
weil sie es mein eigen sein soll

In meines Vaters Garten
da stehn zwei Bäumelein
das eine trägt Muskaten
das andre feins Nägelein

Muskaten die sind süße
feins Näglein die riechen so wohl
Die will ich meinem Schätzchen verehren
daß es meiner gedenken soll

Da drunten in jenem Tale
da treibet das Wasser ein Rad
das mahlet nichts als Liebe
vom Morgen bis Abend spat

Das Mühlrad ist zerbrochen
die Liebe hat noch kein End
und wenn sich zwei Herzliebchen scheiden
so reichen´s einander die Händ

Ach Scheiden, du bitteres Scheiden
Wer hat doch das Scheiden erdacht
Der hat ja mein jung frisch Herze
aus Freuden in Trauren gebracht

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Text und Melodie nach Erk, Liederhort, Nr. 125. Deutscher Liederhort II (1893, 419c) (Sehr ähnlich schon bei Reichardt, musikalisches Kunstmagazin. Berlin 1782. S. 99 und 214 (s. oben), daher Erk I, 5. 53. Kretzschmer II, 313. Elwert 1784. S. 34 (daher Erlach I, 169) aus Hessen. Anmerkung: Die Zeile „Das Mühlrad ist zerbrochen“ erinnert an das Lied Im schönsten Wiesengrunde

Zweite Melodie zu "Da droben auf jenem Berge"

Zweite Melodie zu Da droben auf jenem Berge
1804 bei Ehlers

Anmerkungen zu "Da droben auf jenem Berge"

Bei Silcher und schon im Ldb. f. J. und A., 1818 sind in zwei Strophen vereint, 3. und 4. weggelassen und zur 7. ein Zusatz gemacht. Um die Melodie für die achtzeiligc Strophe passend zu machen, ist ein Wiederholezeichen nach den 4 ersten Takten und an das Ende gesetzt. —

Unser Lied ist eigentlich ein dreifaches, aus alten Lieblingsstrophen zusammengesetzt.

  • A) Strophe 1 und 2 ist die Erzählung von den drei Fräulein, davon der ältere Text oben und Wunderhorn III. 69.
  • B) Strophe 3 und 4 sind wieder zwei Wanderstrophen vom Bäumlein mit Muskaten und Nägelein; sie kommen vor in den Liedern „Von deinetwegen“ etc — und „Bist eben e Minsch uf Erde.“
  • C) Erst mit Strophe 5 beginnt das alte Mühlenlied. Zum Wunderhorntext II sagt Goethe: „Für den, der die Lage fassen kann, unschätzbar.“ —

Goethe’s Gedicht „Schäfers Klagelied:“ Da droben auf jenem Berge, da steh ich tausend mal an meinen Stab gelehnet und schau hinab ins Thal“ — lehnt sich im Textanfang und Versmaß an vorliegendes Volkslied. In Ehlers Gesängen mit Begleitung der Guitarre, 1804, S. 24 findet man sogar diese Volksmelodie zu Goethes Versen. — Auch Uhland’s und Heine’s „Schäfer“ haben ähnlichen Eingang. — Das Thema in C. M. v. Weber‘ s Trio für Pianoforte, Flöte und Violoncello op. 63 (Andante-Satz, überschrieben „Schäfers Klage“ ist ziemlich mit unserer Volksweise übereinstimmend)

"Da droben auf jenem Berge" in diesen Liederbüchern

Wunderhorn I, 113. Deutsche Lieder f. J. und A.. 1818. S. 18. Silcher II. 2. Fink 63. Weyden, Cölns Vorzeit 1826. S. 256. Münstersche Geschichten 214. Rheinl. Märlein 94. Simrock. Nr. I54. Erlach, 4. 172. Mittler, 557. O. Böckel S. 13. Mündel S. 147. Reifferscheid 26. —

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