Als der Großvater die Großmutter nahm

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Als der Großvater die Großmutter nahm

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Als der Großvater die Großmutter nahm,
Da wußte man nichts von Mamsell und Madam.
Die züchtige Jungfrau, das häusliche Weib,
Sie waren echt deutsch noch an Seel´ und an Leib.

Als der Großvater die Großmutter nahm,
Da herrschte noch sittig verschleierte Scham;
Man trug sich fein ehrbar und fand es nicht schön,
In griechischer Nacktheit auf die Straßen zu geh´n.

Als der Großvater die Großmutter nahm,
Da war ihr die Wirtschaft kein widriger Kram;
Sie las nicht Romane, sie ging vor den Herd,
Und mehr war ihr Kind als der Schoßhund ihr wert.

Als der Großvater die Großmutter nahm
Da war es der Biedermann, den sie bekam.
Ein Handschlag zu jener hochrühmlichen Zeit
Galt mehr als im heutigen Leben ein Eid.

Als der Großvater die Großmutter nahm
da ruhte die Selbstsucht gefesselt und zahm
Sie war nicht, entbrochen den Banden der Scheu
wie jetzo ein alles veschlingender Leu

Als der Großvater die Großmutter nahm,
Da war noch die Tatkraft der Männer nicht lahm;
Der weibische Zierling, der feige Phantast
Ward selbst von den Frauen verhöhnt und verhaßt.

Text:  August Langbein (1812)
Musik: Verfasser unbekannt (alte Volksweise aus dem 18. Jahrhundert)

Das Gedicht von August Langbein wurde erstmals gedruckt in „Beckers Taschenbuch zum geselligen Vergnügen 1813“, S. 332.  Dann stand es in Langbeins „Liederkranz“ (1820, S. 152) mit der Überschrift: „Das Großvaterlied nach der bekannten Tanzweise“. Im „Berliner Musenalmanach 1802“, S. 97 stand bereits ein ähnliches Lied von Klamer Schmidt, das bereits 1794 entstand und nur eine Strophe hat. Es diente vermutlich als Vorlage.

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1812)
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Region:

"Als der Großvater die Großmutter nahm" in diesen Liederbüchern

u.a. in: — Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895 , darin auch die Angaben von Böhme ) — Großes Volks-Liederbuch (ca. 1900) — Sport-Liederbuch (1921, ohne 1.) , erste vier Zeilen auch in: Macht auf das Tor (1905) ,als Tanzliedchen, was es wohl ursprünglich auch war . Auch mit den Zeilen „Mit dir und mir ins Federbett, mit dir und mir ins Stroh“

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