Ich stand auf hohen Bergen (Die Nonne, 1895)

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Ich stand auf hohen Bergen
Und schaut ins tiefe Tal
Ein Schifflein sah ich schwimmen, ja schwimmen
Darin drei Grafen war’n

Der jüngste von den Dreien
Der in der Mitte saß
Der gab mir einst zu trinken, ja trinken,
Roten Wein aus seinem Glas

Ei, was zog er wohl aus der Tasche?
Ein‘ Ring von rotem Gold.
„Nimm hin, du Hübsche, du Feine, ja Feine,
Das soll dein Denkmal sein!“

„Was will ich mit dem Ringe
Wenn ich nicht dein kann sein?
Ich denk‘ an keine Liebe, ja Liebe
Ich denk‘ an keinen Mann

Ich denk‘ an Gott, den Herren
Der mir nur helfen kann
Ins Kloster will ich ziehen, ja ziehen
Will werden eine Nonn‘.“

„Willst du ins Kloster ziehen.
Willst werden eine Nonn
So denk an keine Liebe
So denk an keinen Mann!“

Und als der Herr nach Hause kam:
„Knecht, sattle mir ein Pferd!
(oder: „Ach Bruder, liebster Bruder,
Sattle dir und mir ein Pferd;)
Wir beide wollen reiten, ja reiten,
Denn der Weg ist reitenswert.“

Und als sie an das Kloster kamen.
Ganz leise klopft er an:
„Wo ist die jüngste Nonne, ja Nonne,
die hier zuletzt reinkam?“

„Hier ist ja keine reingekommen
Hier kommt auch keine raus!“
„Mit Proforsch will ich’s befehlen.
Sie soll und muß heraus!“

Und als sie angeschritten kam
In ihrem schneeweißen Kleid,
Das Haar war ihr verschnitten.
Zur Nonn’ war sie bereit.

Was trug sie unter der Schürze?
Einen Becher mit kühlem Wein,
Daraus gab sie ihm zu trinken.
Er schlief im Grünen ein!

Mit ihren zarten Händen
Zog sie den Glockenstrang;
Mit ihrer hellen Stimme
Sang sie den Grabgesang
(Lobgesang).

„Ihr Gesellen, Junggesellen,
Heirat nicht nach Geld und Gut
Heirat‘ nur nach hübschen Mädchen
Das euch gefallen tut!“

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Diese Fassung in Volkslieder und Volksreime aus Westpreußen (1895)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1895)
Schlagwort: |
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Anmerkungen zu "Ich stand auf hohen Bergen (Die Nonne, 1895)"

Worterklärung 9.2: Mit Proforsch — par force.

Textvarianten:
1.1. Berge
1.2 Und sah ins tiefe Meer
2.1 Der jüngste von den Grafen. So in dem Schiffe war. Gab mir einmal zu trinken Guten Wein aus einem Glas. 3 1. 2 Er zog von feinem Finger ein golden Ringelein.
4.  lautet hier: „Was soll ich mit dem Ringlein machen.
Wenn du mir nicht werden kannst?
Ich bin ein armes Mädchen,
hab‘ weder Geld noch Gut!“
„Bist du ein armes Mädchen,
hast weder Geld, noch Gut,
Gedenk‘ an uns’re Liebe,
Die zwischen uns beiden steht!“

Aus 4. 3. 4 und 5. 3. 4 ist dann die nächste Strophe gebildet. Es heißt statt 6. weiter:
„Willst du das Kloster anstecken.
Das schöne Gotteshaus:
Gedenk‘ an Gott, den Herrn,
Der Trost mir geben kann.“

Weiter 7. Der Herr sprach zu seinem Knechte:
„Sattle mir und dir zwei Pferd‘!
Wir beide u. s. w.“

9. 3. 4: „Mit Macht will ich befehlen.
Daß sie soll kommen ‚raus!“
10. 1. ; Sie kam herausgetreten.
10. 3. : Die Haar‘ war’n ihr beschnitten.
11 und bis Ende lautet:
Sie hieß den Herrn willkommen:
„Willkommen im fremden Land!
Wer hat ihn heißen Herkommen?
Wer hat ihm Loten gesandt?“
Der Herr wandt‘ sich voll Sehnen,
Die Red‘ ihn sehr verdroß.
Daß ihm die heiße Thräne
von seiner Wange floß.
Sie gab dem Herrn zu trinken
aus einem Becherlein;
zu zweimal dreizehn Stunden
Starb er am grünen Rhein.
Mit einer Messerspitze
Grub sie ein Gräbelein,
Mit ihren zarten Händen
Legt‘ sie ihn selbst hinein.
Mit ihrer roten Lippe
Sang sie den Grabgesang,
Mit ihrer Hellen Stimme
Schlug sie den Glockenklang.

"Ich stand auf hohen Bergen (Die Nonne, 1895)" in diesen Liederbüchern

Mittler Volkslieder 273, 277 — Erk. Liederhort Nr. 18. —  Uhland Nr 96 — Böhme: 36-38. – Erk-Böhme Nr. 89. – Becker Nr. 7a – d. – Hruschka und Toischer: Deutsche Volkslieder aus Böhmen S. 99. — Scherer. Die schönsten deutschen Volkslieder Nr 1 — Lewalter. Volkslieder aus Niederhessen 3, Nr. 4. — Fast ähnlich in R. F. Reusch. Volkslieder d. preuß. Samlandes in Pr. Pr. Bl. 1842 Band 27. S. 467. – H. Frischbier, 100 ostpr. Volks,. Nr. 1. Var