Ich fahr dahin

Volkslieder » Abschiedslieder

Ich fahr dahin

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Ich fahr dahin, wann es muß sein
ich scheid mich von der Liebsten mein;
zuletzt laß ich das Herze mein,
die weil ich leb, so soll es sein
ich fahr dahin, ich fahr dahin

Das sag ich (ihr und) Niemand meh:
meinem Herzen geschah noch nie so weh
Sie liebet mir je länger je mehr.
durch Meiden muß ich leiden Pein
Ich fahr dahin, ich fahr dahin.

Daß ich von Scheiden nie hört sag’n!
Davon so muß ich mich beklagn
so muß ich Leid in meinem Herzen tragn
so mag es anders nit gesein
Ich fahr dahin, ich fahr dahin

Ich bitt dich liebste Fraue mein
wann ich dich mein und anders kein
wann ich dir gib mein Lieb allein
gedenk, dass ich dein eigen bin
Ich fahr dahin. ich fahr dahin

Halt du dein Treu so stet als ich!
Wenn du willst, so findest du mich
Halt dich in Hut! das bitt ich dich
Gesegen dich Gott! ich fahr dahin
Ich fahr dahin, ich fahr dahin.

Text und Musik: Verfasser unbekannt

Melodie und Text handschriftlich im Lochheimer Liederbuch (Lochamer Liederbuch, 1452— 1460) Nr. 8. Ausgabe von Arnold und Bellermann S. 103. Die verwilderte Orthographie ist hier beseitigt und die Melodie vereinfacht.
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 141 „Ritters Abschied“)

Liederthema: ,
Liederzeit: (1452)


Musiker:

CD-Tipp:

Zweite Melodie zu "Ich fahr dahin"

Zweite Melodie zu
Die Original-Noten aus dem Lochheimer Liederbuch

Dritte Melodie zu "Ich fahr dahin"

Dritte Melodie zu
Die Noten im Liederhort (1897)

Anmerkungen zu "Ich fahr dahin"

Böhme: „Das Original der Notation hat leider weder Schlüssel noch Taktart vorgezeichnet. Es bleibt daher einiger Zweifel, ob man Diskantschlüssel oder Tenorschlüssel lesen soll, und ob demgemäß die Tonart ionisch oder dorisch (auf  g versetzt) sei. Man hat sich jedoch meist für das ionisch entschieden; nur P. Druffel: Deutsche Lieder des 15. und 16. Jahrhunderts hat dorisch vorgezogen. Erk war auch dafür, hat aber nach allen Versuchen zuletzt in seiner Bearbeitung (Liedertafel) auch jonisch gewählt. — Auch die Taktart gegen das Ende hin ist zweifelhaft. Setzt man Striche an die 3 störenden Noten unter * so ist der Takt glatt. Oder man betrachte diese 3 Noten als Takterweiterung (3/1), auch gut. Ferner liegt es, zum Taktwechscl zu greifen, wie Arnold (Volkslieder 2. Heft Nr. 10) getan. Punkte ansetzen, was auch geschehen, ist falsch.

Das Abschiedslied des Ritters erfuhr im 15. Jahrhundert folgende geistliche Umdichtung in der Pfullinger Handschrift (Abdr. Wackernagel Kirchenlieder 1843, Nr. 132) :

Ich fahr zu dir, Maria rein,
Und bitt dich um dein Kindli klein,
Zu dir kehr ich mein Hoffen ein,
Du bist der Sünder Trost allein.
Ich fahr zu dir, Maria rein.

Erklärung:

  • 1, 1 wann — denn, so auch in Str. 4.
  • 1, 3 zur Letze, zum Abschiede, zum Abschiedsgeschenk
  • 1, 4 dieweil, die Zeit (so lang ich lebe)
  • 1, 5 Der Kehrvers muß analog der geistlichen Umdichtung heißen: Ich fahr dahin, ich fahr dahin. Das Original hat: ich far, ich far dahin.
  • 2 , 1 Die eingeklammerten Worte nicht in der Handschrift
  • 2 , 3 liebet, gefällt mir.

"Ich fahr dahin" in diesen Liederbüchern

Zuerst wurde die Melodie mit erster Strophe veröffentlicht von J. A. Hoffmann in 4 Minneliedern aus dieser Handschrift 1826, dann bei Kretzschmer, Volkslieder 1840, I. Nr. 269. — Friedrich Silcher (Heft 4 Nr. 5) gibt sie zuerst für 4 Männerstimmen harmonisiert, mit einer Zusatzstrophe von H. Kurz. Mit dieser Zusatzstrophe trifft man das Lied in allen Männergesangheften und die Melodie so redigiert wie oben. —

u.a. in: Der Zupfgeigenhansl (1908) — Deutsches Lautenlied (1914 (1+4) — Liederbuch des Thüringerwald-Vereins (1927) –

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