Bringt mir Blut der edlen Reben

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Bringt mir Blut der edlen Reben

Bringt mir Blut der edlen Reben
bringt mir Wein!
Wie ein Frühlingsvogel leben
in den Lüften will ich schweben
bei dem Wein

Bringt mir Mägdlein hold und mundlich
zu dem Wein
rollt die Stunde glatt und rundlich,
greif ich mir die Lust sekundlich
in dem Wein

Heil dir Quell der süßen Wonne
in dem Wein,
Ach, schon seh ich Frühlingssonne,
Mond und Sternlein in der Tonne
in dem Wein

Heil dir, Quell der süßen Liebe
in dem Wein
Sorgen schleichen weg wie Diebe,
und wie Helden glüh´n die Triebe
durch den Wein

Bringt mir auch, das darf nicht fehlen
bei dem Wein –
echte, treue, deutsche Seelen
und Gesang aus hellen Kehlen
zu dem Wein

Und dies Letzt‘, wem soll ichs bringen
in dem Wein?
Süßestes von allen Dingen
dir, o Freiheit, will ichs bringen
in dem Wein

Text: Ernst Moritz Arndt (1817)
Musik: Ernst Moritz Arndt (1818)

Hier der Text nach der älteren Lesart „aus dem Munde Bonner Studenten 1820“.
Das Lied steht so auch in „Kriegs- und Volkslieder“ (Wilhelm Hauff, Stuttgart, 1824)

Anmerkungen zu "Bringt mir Blut der edlen Reben"

Hier der Text nach der älteren Lesart „aus dem Munde Bonner Studenten 1820“.  Hoffmann von Fallerleben, der 1820 in Bonn das Lied mitsang, nennt diesen Text besser, als den in Arndts Gedichten, 1843. (Angaben von Böhme, in: Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895).

Hoffmann von Fallersleben beschreibt in „Mein Leben“ die Situation nach dem Attentat auf Kotzebue im Sommer 1919, als er Student in Bonn und Mitglied einer Burschenschaft war:

„… um allen Verdacht über unser Thun und Treiben von vorn herein zu beseitigen, sollen alle unsere Verhandlungen öffentlich sein. So glaubten wir jeder Gefahr zuvorgekommen zu sein und doch unsern Zweck erreicht zu haben. […] Die Zensur war bereits in voller Tätigkeit und gewisse Wörter waren bereits verpönt. In dem schönen Arndt’schen Liede: ›Bringt mir Blut der edlen Reben‹ lautete die letzte Strophe ursprünglich:

Und dies letzt‘, wem soll ich’s bringen
In dem Wein?
Süßestes von allen Dingen
Dir, o Freiheit, will ich’s bringen
In dem Wein!

Das war damals bereits verwandelt in:

Süßestes von allen Dingen
Dir muß ich’s im Stillen bringen
In dem Wein.

Spätere Strophen, entschärfte Version unter Zensurbedingungen:

Bringt mir Efeu, bringt mir Rosen
zu dem Wein
Mag Fortuna sich erbosen,
selbst will ich mein Glück mir losen
in dem Wein

Klang dir, Bacchus, Gott der Liebe
in dem Wein!
Sorgen fliehen fort wie Diebe
und wie Helden glühn die Triebe
durch den Wein

Klang dir, Bacchus, Gott der Wonne
in dem Wein!
Ha! schon schau‘ ich Mond und Sonne
alle Sterne in der Tonne
in dem Wein

Und dies letzt‘, wem soll ich’s bringen
In dem Wein?
Süßestes von allen Dingen
Dir muß ich’s im Stillen bringen
In dem Wein.

"Bringt mir Blut der edlen Reben" in diesen Liederbüchern

u.a. in in: Allgemeines Deutsches KommersbuchFeuerwerker-Liederbuch (1883) — Liederbuch für die Deutschen in Österreich (1884) — Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895) — Albvereins-Liederbuch (1905) — Des Rennsteigwanderers Liederbuch (1907) —

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