Ach in Trauern muß ich leben (1837)

Abschiedsklage

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Ach in Trauern muß ich leben

Ach in Trauern muß ich leben
sag woran hab ichs verschuld ?
Weil mein Schatz mirs hat aufgeben
muß ichs tragen mit Geduld

Wo ich geh auf Weg und Straße
Sehen mirs die Leute an
Meine Augen geben Wasser,
Ich kein Wort mehr sprechen kann.

Vater, Mutter wollens nicht leiden
Schönster Schatz, das weißt du wohl
Kannst dein Glück noch besser machen,
Weil ich dich nicht haben soll

Sind wir oft beisamm’n gesessen
Manche schöne halbe Nacht,
Haben den süßen Schlaf vergessen
Und mit Lieben zugebracht.

Spielet auf, ihr Musikanten!
Spielet mir ein Saitenspiel
Meinem Schätzchen zu Gefallen
Weil ich Abschied nehmen will.

Rosmarin und Lorbeerblätter
Schenk ich dir zu guter Letzt
Das soll sein das letzt Gedenken
Weil du mich nochmals ergetzt.

Stehn zwei Sternlein an dem Himmel
Leuchten Heller als der Mond
Einer leucht‘ zu mei’m Feinsliebchen
Einer leucht‘ ins fremde Land.

Text und Musik: Verfasser unbekannt

Vielfach mündlich, aus dem Hessen-Darmstädtischen (Dreieichenhain , Offenthal), aus dem Brandenburgischen (Gramzow, Wilsnack), Sachsen-Meiningen (Herpf) , Schlesien, vom Niederrhein etc.
Deutscher Liederhort I Nr. 164 (ohne die letzte Strophe) und II Nr. 722b

Melodie hier aus der Umgegend von Frankfurt a. M. (Erk I, 2, Nr. 9) und aus dem Darmstädtischen. Unendliche Varianten hat dieses Lied, dass es schwer, ja unmöglich ist, es nach seinen ursprünglichen Bestandteilen wiederzugeben. Oft wird es mit Lieblingsstrophen aus verschiedenen anderen Liedern zusammengesetzt, solche Wanderstrophen sind 5—7. Ein Mischling im Wunderhorn I, 84 (n. A. 95) : „Anmutig singbarer Klang.“ Goethe.

Anmerkungen zu "Ach in Trauern muß ich leben"

Textvarianten:

  • 1, 1. Stets in Trauern etc.
  • 1, 3. Weil mein Schatz ist untreu worden, will (muß) ichs leiden in Geduld. –
  • 2. Vgl. Wunderhorn. I, 84; in neuster Aufl. I, 95. –
  • 2a. Meine Augen sind die Federn, meine Wangen das Papier, meine Thränen sind die Tinte, wann ich schreiben will (thu) zu dir. – Gehört zur Klasse der oben S. 283, 285, 288, 314, 349 u. 355 erwähnten Lieblingsstrophen. Vgl. Liederhort. S. 205 (Str. 4.), 278 (Str. 1.) u. 288 (unten). –
  • 3, 2. gelt, mein Schatz, das weißt du wol! –
  • 3, 3. Sag mir die gewisse Stunde, wann ich zu dir kommen soll. Vgl. Liederh. S. 189. (Str. 6.) –
  • 4, 1. Oft habn wir beisammen gesessen, manche liebe lange Nacht, und den Schlaf dabei vergessen etc. –
  • 5. Lieblingsstrophe wie oben Str. 2a. – Vgl. Liederh. S. 301. Hoffmann v. F. Schles. Volksl. S. 94 u. 180. –
  • 6. Auch hier gilt das oben bei Str. 2a Gesagte. –
  • 6a. Stehn zwei Sternlein an dem Himmel, leuchten heller als der Mond (leuchten wie das klare Gold); einer (der eine) leucht zu meim Feinsliebchen, einer (der andre) leucht ins fremde Land (ins finstre Holz.) – Wiederum Lieblingsstrophe vieler Lieder. Vgl. Erk, Volksl. B. II, H. 6, S. 23, Nr. 21. Gräter, Bragur. I, 272. (Str. 4.)

Es ist nicht leicht, dieses Lied rein nach seinen ursprünglichen Bestandtheilen wiederzugeben und alles Fremdartige davon auszuscheiden. Vgl. z. B. Simrock, Volksl. S. 239, wo dasselbe aus nicht weniger als sieben Liedern zusammengesetzt ist. Str. 4: „Treue Liebe geht von Herzen“ – gehört zu dem Liede: „Mädchen, wenn ich dich erblicke.“ (Erk, Volksl. B. III, H. 1, S. 80, Nr. 73.) Ebenso Str. 9. – Nicht selten wird auch noch folg. Str. „Lieben sind zwar schöne Sachen, wenn man keine Falschheit spürt; täglich muß das Herze lachen, wenn man stündlich karessiert.“ mit herangezogen, welche in dem Liede: „Edle Seele, du mein Leben.“ (Nach einem flieg. Bl. vom J. 1786) zu suchen.

Vgl. L. Erk, Volksl. B. I, H. 2, S. 8, Nr. 9.

"Ach in Trauern muß ich leben" in diesen Liederbüchern

Ebenso Scherer, Jungbrunnen S. 190. — Andere Texte Simrock 137. Aus Ermland in Ostpreußen in Wolffs Zeitschrift II. S. 430 — Rheinische Märlein 95 — Mittler S. 548 — Hoffmann, Schlesische Volkslieder Nr. 158 — Ditfurth Nr. 82 und 83 —  Reifferscheid Nr. 45 —  Zurmühlen Nr. 35. —

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