Wer will unter die Soldaten

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Wer will unter die Soldaten

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Wer will unter die Soldaten
der muß haben ein Gewehr,
das muß er mit Pulver laden
und mit einer Kugel schwer.
Büblein, wirst du ein Rekrut
merk dir dieses Liedlein gut
Pferdchen munter, immer munter
lauf Galopp, hopp, hop, hopp

Der muß an der rechten Seiten
einen scharfen Säbel han,
daß er, wenn die Feinde streiten,
schießen und auch fechten kann.

Einen Gaul zum Galoppieren,
und von Silber auch zwei Sporn
Zaum und Zügel zum Regieren
wenn er Sprünge macht im Zorn.

Einen Schnurrbart an der Nasen
auf dem Kopfe einen Helm.
Sonst, wenn die Trompeter blasen,
ist er nur ein armer Schelm.´

Und ein Herze muß ihm sitzen
tapfer auf dem rechten Fleck
daß er, wenn Kanonen blitzen
nicht von dannen läuft vor Schreck

Doch vor allem muß Courage
haben jeder, jeder Held
Sonst erreicht ihn die Blamage
zieht er ohne sie ins Feld

Text: Friedrich Güll (vor 1868) , 5. Strophe von L. Schücking, Refrain von Friedrich Kücken
Musik: Friedrich Kücken (1810-1882)

Anmerkungen zu "Wer will unter die Soldaten"

Das Gedicht von Friedrich Güll erschien zuerst in der „Kinderheimat in Liedern“, Gütersloh, 1868 Volksausgabe, 1875, S. 18. Die 5. Strophe ist nicht von Güll sondern später von L. Schücking hinzugefügt und mit dem Liede in Jugendschriften vielfach gedruckt. Auch der Refrain ist nicht von Güllm sondern vom Komponisten Fr Kücken gefertigt aus der Überschrift: „Büblein wirst du ein Rekrut / merk dir dieses Liedlein gut“ und aus einem alten Kinderreim vom Steckenpferd.

Das scherzhafte Lied vom kleinen Rekrut über Soldatentoilette ist mit Kücken’s Melodie (op 61 Nr 4 1855) überaus beliebt und auch von Erwachsenen gesungen, ja sogar zum wirklichen Soldatenliede geworden. (s. Preußisches Soldatenliederbuch Nr. 150, das deutsche Soldatenliederbuch, 1892, S 300) Nadı dieser Weise wurden 1870 auch andere Soldaten- und Kriegslieder gesungen z B. R Löwenstein’s Chassepotlied „Jubelnd sei’s der Welt verkündet /  nicht mehr scheidet uns der Main“ (Anmerkung nach Böhme: Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895, Nr. 576)

In der Schule:

Anmerkungen in Vorbereitungen auf die Gesangstunde (1911): „Das Lied ist dem Texte nach schon für die Kinder des 1. und 2. Schuljahres passend. Die Melodie hingegen ist nach der melodischen und rhythmischen Beschaffenheit für die beiden nächsten Schuljahre noch reichlich schwer; man hat daher das Lied mit großer Vorsicht zu üben und daran zu denken, daß die zarten Stimmen geschont werden müssen. Einübung der Melodie: Am Anfang des 3. Schuljahres meist nach Gehör, im 4. Schuljahr nach Ziffern oder Noten. Es ist besonders nötig, der Neigung der Kinder, dieses Lied möglichst laut herauszuschmettern, entgegenzutreten; erstens, weil es unschön, zweitens den Stimmen schädlich ist. Andererseitrs darf aber auch nicht übertriebene Ängstlichkeit des Lehrers den Kindern die rechte Freude an dem naiv heiteren Liedchen rauben.“

Dieses Lied wurde in Preußen vor dem ersten Weltkrieg für den Unterricht in der fünften und sechsten Klasse empfohlen, aber offensichtlich auch in jüngeren Klassen eingesetzt. ( Zentralblatt der preußischen Regierung von 1912) Es diente der Kriegserziehung im Kaiserreich und findet sich auch in Soldatenliederbüchern.

 

"Wer will unter die Soldaten" in diesen Liederbüchern

in “ Deutsches Armee Liederbuch (ohne 5. Strophe) – Vorbereitungen auf die Gesangstunde (1911, ohne 6. Strophe) — Was die deutschen Kinder singen (1914 , ohne 5.) —

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