Weiß mir ein Blümlein blaue

Die Blumen

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Weiß mir ein Blümlein blaue

Weiß mir ein Blümlein blaue
Von himmelblauem Schein
Es steht in grüner Aue
Und heißt Vergißnichtmein
Ich kunnt es nirgend finden,
Was mir verschwunden gar;
Von Reif und kalten Winden
Ist es mir worden fahl

Das Blümlein, das ich meine
Ist brun, steht auf dem Ried
Von Art ist es so kleine
Es heißt: Nun hab mich lieb
Das ist mir abgemähet
Wohl in dem Herzen mein
Mein Lieb hat mich verschmähet
Wie mag ich fröhlich sein

Das Blümli das ich meine
Das ist rosinenrot
Ist Herzenstrost genennet
Auf breiter Heid es staht
Sein Farb ist ihm verblichen.
Der Wohlgemut hat verdorrt,
Mein Lieb ist mir entwichen,
Verloren han ich mein Hort,

Weiß mir ein Blümli weiße
Staht mir im grünen Gras
Gewachsen mit ganzem Fleiße
Das heißt nun gar Schab ab
Dasselbig muß ich tragen
Wohl diesen Summer lang,
Viel lieber wollt ich haben
Meins Buhlen Armumfang.

Der Reif mit seinem Zeichen
Verderbt manchs Blümli zart
Kann sich dem Klaffer schmeichen
Mit ungetreuer Art
Wohl auch nach diesem Summer
Kummt uns der lichte Mai
Bringt uns die Blümli wieder
Der Farben mancherlei

Mein Herz, das leit in Kummer
Dass mein vergessen ist
So hoff ich auf den Summer
Und auf des Maien Frist
Die Reifen sind vergangen
Darzu der kalte Schnee
Mein Lieb hat mich umfangen:
Nun, Winter, heißt´s ade

Text:  Verfasser unbekannt aus dem 16. Jahrhundert
Musik: von Böhme auf die Melodie von Wer Gott will recht vertrauen
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 387, Weiß mir ein Blümlein Blaue“, Die Blumen)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1570)

Zweite Melodie zu "Weiß mir ein Blümlein blaue"

Zweite Melodie zu
Melodie im Liederhort II (Nr. 387)

Anmerkungen zu "Weiß mir ein Blümlein blaue"

Zum Text:

  • 2.2 ist blau, steht auf dem Ried… (im Zupfgeigenhansl)
  • 3,6 Das Blümchen Wohlgemut ist verdorrt.
  • 4, 4 Schabab, eine Herbstblume (Adonis auetumnalis) galt als Svmbol der verächtlichen Abweisung, wie sie das Abziehen des Sommers kündet. (Schmeller, bair. Wtb, III, 305).
  • 5, 3 weiß sich beim Klaffer (Aushorcher, Verläumder) einzuschmeicheln.
  • 6, 1 leit = liegt

Uhland (III, 49) glaubt nach drei Chronikenberichten, die er beibringt, der Dichter dieses Liedes sei Graf Johann von Habsburg zu Rapperswyl, der nach der Züricher Mordnacht Anno 1350 im Wasserturm zu Zürich drei Jahre gefangen lag (s. Altd. Liederbuch Nr. 145)

Das in den Chroniken angeführte Lied beginnt: „Ich weiß ein blawes blümelin.“ Freih. v. Liliencron meint dagegen, dass mit dem blauen Blümchen dort wohl das Veilchen gemeint sei. — Zu weit gegangen ist die Behauptung einiger Litteraten, daß jenes nicht weiter gekannte Lied von 1350 gar das Vorbild zu Goethe’s „Blümlein Wunderhold“ gewesen sei.

Zur Melodie:

Melodie bei Winnenberg, Christl. Reuterlieder, Straßburg 1582, Nr. 16, zum geistl. Liede; .Wer Gott will recht vertrauen.‘ Zu welchem weltlichen Text mag diese reizende Volksweise gehört haben? Von etlichen 20 Liedern in der Hildebrandstrophe mußte ich absehen, da deren Melodie andere und bekannte sind. Nur zu dem Liede hier hatte ich noch keine gleichalterige Weise, und habe nicht gezögert, die hübsche heitere Weise dem Blumenliede einstweilen zu eignen, bis Jemand noch ihren wirklichen Urtext auffindet. (Böhme)

"Weiß mir ein Blümlein blaue" in diesen Liederbüchern

u.a. in: Zupfgeigenhansl (1908 „Weiß mir ein Blümli blaue“) – Deutsches Lautenlied (1914) — — Liederbuch für die deutschen Flüchtlinge in Dänemark (1945) —

Text nach einem fl. Bl, c. 1570 bei Uhland 54. Etwas abweichend 9 Strophen lang und im Reim verderbt in Heidelberger Hs. 343, daraus im Altd. Liederb. Nr. 145 mit Anfang : Ich weiß mir ein Blümlein blaue. Uhland’s Text auch bei Liliencron, Deutsches Leben Nr. 62.

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