Sieh an mein liebes Kind (Ehestandslob)

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Sieh an mein liebes Kind (Ehestandslob)

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Sieh an, mein liebes Kind
was muß ich leiden
Was mich von Herzen freut
das muß ich meiden
Alle Gelegenheit
ist mir genommen
Hoffnung und Fröhlichkeit
wird wiedrum kommen.

Mit was für einem Band
Hast mich gebunden
hab weder Tag noch Nacht
kein ruhge Stunden
Drum Schatz sei wohlgemut
tu nur nicht wanken
es ist das Allerbest
liebn in Gedanken

Wenn man recht lieben will
wie muß mans machen
muß öfters zu ihr gehn
muß freundlich lachen
und wenn sie dann nicht will
sich zu dir neigen
muß man beiseite gehn
muß stille schweigen

Es ist kein größre Freud
auf dieser Erden
als wenn zwei junge junge Leut
in Ehstand treten
da findt man keine Not
kein Kreuz kein Leiden
nichts als der bittre Tod
der uns tut scheiden –

Text: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort (1856, Nr. 114a) und Liederhort II (1893, Nr. 831b „Ehestandslob“) –

Vielfach mündlich aus Franken und dem Hessen-Darmstädtischen – Mit Benutzung von fliegenden Blättern aus der Zeit von 1750-1820 –  Text auch: 1,1: Ei du mein lieber Schatz was muß ich leiden — 4,1: Es kann nichts Schöners sein

Melodie unten zu einem fast wörtlich gleichen Liede aus dem Unterlahn- und Dillkreis 1880, durch E. Wolfram. — Vergleiche ähnliche Lieder: Hoffmann, Schlesische Volkslieder Nr. 75. — Wolfs, Halle d. V. 1857, II, S. 166 (aus dem Itzgrunde). — Meier, schwäb. VL. 125. —  Scherer, Jungbr. 67 (mündlich vom Schwarzwalde).

Abweichungen: 1,1 Ei du mein lieber Schatz, was ich muß ich leiden, 4, 1 Es kann nichts Schönres sein.

Weit verbreitet war dieses Lied, auch im Brandenburgischen findet sichs; in Hohen-Saathen bei Oderberg wußte 1851 eine 80 jährige Frau noch folgende Strophen:

Es sind zwei junge Leut
In Lieb verbunden
Mit was für einem Band
Sind sie gebunden

Christoph, mein lieber Jung
Gib dich zufrieden
Heirat dir eine Braut
Sei mit zufrieden!

Wenn einer lieben will
Wie muß man’s machen?
Muß zu den Jungfern gehn
Muss freundlich lachen.

O Liebe, halte fest
Und tu nicht wanken
Lieben ists Allerbest
Lieb’n in Gedanken.

Böhme führt dann an: „Dieses Lied wurde sonst wahrscheinlich bei Hochzeiten gesungen; darauf weist die Schlußstrophe hin, die ein Lob auf den Ehestand enthält. Ferner wurde in Hessen gleich darauf das Jungfernkranzlied (Wir winden dir den Jungfernkranz) gesungen. Dann folgte ein auch im Nassauischen und Thüringen (1830) gekannter Reim, der scheinbar das Geleit des Brautpaares zu Bett andeutet oder ein Stündchen ist und so lautet:

Stille, stille! nur kein Geräusch gemacht!
O darum seid mir alle still,
Dieweil mein Schätzchen schlafen will.
Stille, stille! nur kein Geräusch gemacht.

Wenig Lieder find zum Lob des Ehestandes gedichtet und vom Volke gesungen worden; desto mehr über das Thema: Ehestand – Wehestand.“

 

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1880)


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