Morgen muß ich weg von hier (Silcher)

Morgen muß ich weg von hier (Silcher)

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Morgen muß ich fort von hier
und muß Abschied nehmen.
O du allerschönste Zier
Scheiden das bringt Grämen
Da ich dich so treu geliebt
über alle Maßen
soll ich dich verlassen,
soll ich dich verlassen

Wenn zwei gute Freunde sind
die einander kennen
Sonn und Mond bewegen sich
ehe sie sich trennen
Noch viel größer ist der Schmerz
wenn ein treu verliebtes Herz
in die ferne ziehet

Dort auf jener grünen Au
steht ein jungfrisch Leben
Soll ich denn mein Leben lang
in der Ferne schweben?
Hab ich dir was Leids getan
bitt dich, woll’s vergessen
denn es geht zu Ende

Küsset dir ein Lüftelein
Wangen oder Hände
denke, da‘ es Seufzer sein
die ich zu dir sende
tausend schick ich täglich aus
die da wehen um dein Haus
weil ich dein gedenke

Text: Neudichtung in „Des Knaben Wunderhorn“  eines auf fliegenden Blättern verbreiteten Liedes aus dem 17. Jahrhundert –
Musik: Friedrich Silcher (1827)

Bis zur neuen Komposition von Silcher war auch der Wunderhorn-Text offensichtlich auf eine mündlich überlieferte ältere Melodie gesungen worden. Auf diese traditionelle Melodie schrieb Hoffmann von Fallersleben sein Frühlingsgedicht „Alle Vögel sind schon da“ –

Ludwig Erk schreibt 1856 im Liederhort:  „In neuster Zeit hat Friedrich Silcher zu vorstehendem Liede eine vortreffliche Melodie gesetzt , die jetzt allgemein beliebt geworden und der […] Originalmelodie an Wert wohl nicht nachsteht.“ Das kann man auch anders sehen, denn aus dem fröhlichen Abschied des Originals macht Silchers Komposition einen sentimental aufgeladenen Abgang..

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: Abschiedslieder
Liederzeit: , (1827)
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