Ich habe den Frühling gesehen II

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Ich habe den Frühling gesehen II

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Ich habe den Frühling gesehen
ich habe die Blumen begrüßt
der Nachtigall Stimme belauschet
ein himmlisches Mädchen geküßt

Der liebliche Lenz ist verschwunden,
Die Blumen sind alle verblüht!
In das Grab ist mein Liebchen gesunken.
Und verstummet der Nachtigall ihr Lied.

Dort liegt sie mit Erde bedecket,
Rosen blühen auf ihrem Grab.
Ach könnt ich sie doch wieder erwecken,
Die einstens die Rose mir gab!

Dort liegt sie bei vielen Millionen
Sie ist ja so weit von mir entfernt
Geschmücket vielen Kronen
Ewig, ewig im himmlischen Zelt.

Der liebliche Lenz kehret wieder
Die Blumen blühn all wieder auf
Die Nachtigall stimmt frohe Lieder
Und mein Liebchen das wacht nimmer auf.

Was ist doch der Mensch hier auf Erden,
Wie eine Blume so fällt er ab:
Da kommt ein rauher Wind gezogen,
Und stürzt uns alle in das Grab.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Vielfach mündlich :  Brandenburg und Pommern.

Böhme gibt vier Melodien unter der Nummer 739b,  die letzten beiden im 4/4-Takt. Die älteste der vier Melodien von 1854 stammt aus Brandenburg, Melodie (Nr.3 im 4/4-Takt). Auch Melodie-Variante 4, siehe unten, ist im 4/4-Takt. Beide sind so unterschiedlich zu der anderen Fassung  von „Ich habe den Frühling gesehen“ (Nr. 739a – im 3/4-Takt), als wären es zwei unterschiedliche Lieder, wenn auch mit sehr ähnlichem Text.

Die ersten beiden Melodien unter 739a stehen im 3/4-Takt, und scheinen Varianten zu der ersten Version unter 739a zu sein, von daher hab ich – anders als Böhme – diese beiden Melodien dort zugeordnet.
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 739b, auch aus dem Nassauischen, Oberhessen und der Wetterau, Odenwald, dem Rheinlande)


Laut Silcher geht das Lied zurück auf die Erzählung von O. Glaubrecht „Der Zigeuner“ von 1848, wo der Text in vier Strophen (S. 109, Ausgabe 1850) so geht:

ich habe den Frühling gesehen
Und ich habe die Rosen begrüßt
Und die Nachtigall hab ich belauschet
Und ein liebliches Mädchen geküsst

Der liebliche Lenz ist verschwunden
Und die Blumen find alle verblüht
Und in’s Grab ist mein Liebchen gesunken
Und verschwunden der Nachtigall Lied

Dort liegt sie mit Erde bedecket
Und die Rosen blühn auf ihrem Grab
Ach könnt ich sie wieder erwecken
Die einst die Rosen mir gab

Dort lebt sie mit vielen Millionen
Ach so weit in der himmlischen Welt
Geschmücket mit schöneren Aronen
Und ewig im Himmelsgezelt

Was ist doch der Mensch hier auf Erden
Wie die Rosen so fallen sie ab
Und kommt rauh der Wind hergezogen
Ist verschwunden der Nachtigall Lied

Ach Vater achVater da droben
Ach mein Liebchen hast du mir geraubt
Und es gibt zwar der Mädchen noch viele
Doch für mich ist ja keine gebaut

Wohl blühen die Blumen jetzt wieder
Und der Frühling kehrt wieder zurück
Und die Nachtigall singt ihre Lieder
Doch mein Liebchen kehrt nimmer zurück

Zweite Melodie zu "Ich habe den Frühling gesehen II"

Zweite Melodie zu
aus Pommern (Alt-Storken) Festgabe an Erk, 1876. In Liederhort II die Nr. 739b, Melodie 4

Anmerkungen zu "Ich habe den Frühling gesehen II"

Varianten unwesentlich. Gewöhnlich singt man bloß 1, 2. und 5. Str., was vollständig genügt. — Die 3. Str. heißt in Pommern: „Und kehret der Frühling auch wieder, die Blumen sie blühen mir nicht; die Nachtigall singt ihre Lieder: mein Mädchen, ach! höret sie nicht. — Gewöhnlich wird nach der 3. noch folgende Strophe eingeschoben:

„Ach Vater, ach Vater da droben
Du hast mir mein Liebchen geraubt.
Es giet ja der Mädchen noch viele,
Aber keine ist für mich so gebaut.“

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