Vorwort: Revolution von Erich Mühsam (1925)

Erich Mühsam (in: Revolution. Liederbuch von 1925)

Die vorliegende Sammlung enthält das Max Hölz-Lied in seiner ursprünglichen Fassung; es soll mir aber recht sein, wenn dieser und jeder andere Text des Bändchens von den Arbeitern so benutzt wird, wie es ihrem Geschmack und ihrem Temperament gefällt. Die Mehrzahl der hier gebotenen Kampf- und Spottlieder verdankten ihre Entstehung den fünf Jahren und acht Monaten, die mich die bayrische Reaktion in ihren Justizfängen hielt. Während der ganzen Zeit meiner Gefangenschaft haben mir meine Genossen von der Union Kommunistischer Anarchisten Deutschlands das Leben dadurch ganz wesentlich erleichtert, daß sie mir über allen Druck und Bruch der Zeit hinweg allmonatlich ein Taschengeld zuwiesen, mit dem ich meine kleinen Bedürfnisse an Briefporto, Schreibmaterial usw. dauernd befriedigen konnte.

Ich kann meinen Dank für diese Solidarität nicht anders zum Ausdruck bringen, als daß ich jetzt, wo mich die goldene Sonne der deutschen Barmatfreiheit wieder bescheint, einen Teil meiner Arbeit den anarchistischen Genossen zu Gute kommen lasse, die weiterhin in Zuchthäusern und Gefängnissen die Segnungen der deutschen Republik auskosten müssen. Ich stelle deswegen den vollen Überschuß dieser Lieder-Sammlung zur Verfügung des Inhaftiertenfonds der Union Kommunistischer Anarchisten Deutschlands. Mich leitet dabei die Überzeugung, daß, ebenso wie ich in Vorträgen und sonstiger agitatorischer Tätigkeit bestrebt bin, allen proletarischen Revolutionären in den Kerkern ohne Unterschied der politischen Richtung und Organisation zu helfen, der Inhaftiertenfonds der Anarchisten, sofern seine Mittel es ihm erlauben, seine Unterstützung den Inhaftierten jeder revolutionären Bewegung und ihren Angehörigen zu Teil werden lassen wird.

Die Widmung an der Spitze des Bändchens soll die Solidarität mit allen eingekerkerten Genossen symbolisieren. Der Name Max Hölz, des tapferen Revolutionärs, den die neudeutsche Bourgeoisie für das ganze Leben im Zuchthaus festhalten möchte, umschließt die Namen aller seiner zeitlich verurteilten Leidensgenossen, Der Gruß an Max Hölz ist zugleich ein Gruß an Alois Lindner, Karl Plättner und an die 7000 Namenlosen, die unsre bis jetzt noch niedergeschlagene Revolution hinter Käfiggittern büßen müssen. Auf — die Zuchthäuser! Das sei die erste Pflicht des gemeinsamen Kampfes aller revolutionären Proletarier. Zum größeren und letzten Kampf sollen uns Max Hölz und die politischen Gefangenen begleiten. In den Kampf aber wollen wir mit Gesang marschieren.

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