Was ist vor der Hütte? (Schäferin und Jäger)

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Was ist vor der Hütte?
Es kommt mir schier für
Ich mein ich hör bitten
Man klopft an die Tür
Ich muß doch geh schauen
Wer draußen möcht sein
Es ist nicht zu trauen
Ich laß niemand ‚rein

„Ich bin nur ein Waidman
Erschrick nicht an mir!
Ich bitt sie, wenns sein kann
Will die Nacht sein bei ihr
Nichts Unrechts verlange
Mein Schäferin ich bitt
Ich bin halt irr gangen
Versag sie’s mir nit“

Er darf nit lang bitten
Es darf doch nicht sein
Er sieht ja meine Hütte
Sie wär viel zu klein
Wenn wir beisammen wären
Wär beiderlei Geschlecht
Er solls nicht begehren
Es wär ja nicht recht

„Ich bitt um Gotts Willen
Was fällt ihr doch ein?
Was hat sie für Grillen
Ach laß sie mich nein
Ich will mich schon schmucken
Verlang nichts als das
Wär halt gerne trucken
Bin ganz durein naß“

Er wird mich nicht Nöten
Es ist ja bekannt
Man tut fast nicht beten
Wenn zwei sind beinand
Ich tät mich gleich schämen
Und fürcht es wär Sünd
Kommt Stroh und Feuer z’amen
Seht wie bald es brennt

Hab oft hören sagen
Und ist auch gwiß wahr
Der gar z’viel tut wagen
Kommt um in der G’fahr
Ich Hab mir fürg’nommen
Schließ bei der Nacht zu
Wird Niemand rein kommen
Wenn ich nicht auftu

„Ich glaub halt, sie fürcht mich
Ich tu ihr g’wiß nichts
Ein Jäger das bin ich,
Hab bei mir kein Büchs
Bin auch nicht versehen
Mit Pulver und Blei
Es soll ihr nichts geschehen,
Sie ist vor mir frei

Hilft denn gar kein Bitten
Laßt du mich nicht ein?
Ich schmeiß auf dein Hütten,
Es muß ja nicht sein!
Ich geh nauS in d‘ Auen
Biet dir nur den Trutz
Du willst mir nicht trauen.
Bist selber nichts nutz!“

Wanns dich schon tut Keien
Ich frag nichts darnach
Wird mich auch nicht reuen
Und nur dazu lach
Es ist mir nichts genommen
Ich wünsch dir viel Glück
Kannst wiederum kommen
Wann ich nach dir schick

„So lang ich werd leben
Komm ich nicht mehr her
Ich wollt etwas geben
Wanns diesmal nicht wär
Will lustig jetzt blasen
Mein Horn in Wald ’nein
Dort gibts Füchs und Hasen
Reh, Hirsch und Wildschwein“

Mein Jäger, ich sag dir’s
Ich leid auch keine Not
Treib ich aus, nimm mit mir
Käs, Butter und Brot
Treib auf die grün Heiden
Dort hüt ich die Schaf
Tu’s brav herum weiden
Bisweil darzu schlaf

„Was Hab ich für Freuden.
Wann ich geh aufs Gwild
Tut mir nicht verleiden
Wenns Horn erhüllt
Sieht dort ein Fuchs g’loffen,
Bald kommt her ein Has
Wann ich sie Hab troffen
Wie lustig ist das“

Nimmst oft dein Waidmesser
Gehst mit der Büchs naus,
Wär manchesmal besser
Du bliebest zu Haus
Siehst du ein‘ Hirsch springen
Meinst schon, er wär dein.
Tut er dir entrinnen
Kommst wieder leer heim

Text: Aus Wendelsheim in Schwaben: Birlinger. Schwäbische Volkslieder 1864. Nr. 3 u. S. 166.
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1495, ohne Melodie. „Schäferin und Jäger“)

Liederthema: , , ,
Liederzeit: (1864)

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Anmerkungen zu "Was ist vor der Hütte? (Schäferin und Jäger)"

Von diesem Liede gibt’s ein schweizerisches Fragment „Sennrin und Jäger“, aus Solothurn mitgeteilt bei Tobler II, l86. Anfang:

Es isch vor der Hütte
Es chunt mer schier für
I mein, ich hör bitte
Und klopfen an die Tür. — (7 Str.)