Es reit ein Herr mit seinem Knecht

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Es reit ein Herr mit seinem Knecht
am Morgen in dem Thaue, ade!
Was fand er auf der Heiden stahn?
ein wunderschöne Jungfraue,
ja Fraue

„Gott grüß euch, Jungfrau hübsch und fein
Gott grüß euch aus der Maßen! ade!
wollt Gott ich sollt heint bei euch sein
an eurem Aermlein schlafen,
ja schlafen!“

„An meinem Aermlein schlaft ihr nicht
ihr bringt mir dann drei Rosen, ade
die in dem Winter gewachsen sind
wol zwischen Weihnachten und Ostern
ja Ostern.

Er schwang sein Sattel auf der Bahn
dahin so thät er reiten – ade!
und da die rothen Röslein stahn
fand er nicht mehr dann dreie
ja dreie

Der Röslein warn nicht mehr dann drei,
er brach sie bei den Stielen, ade!
er schütts der Magd in Geren frei
nach allem ihrem Willen,
ja Willen

Da sie die rothen Röslein ansah,
gar freundlich thät sie lachen: – ade!
„So sagt mir, edlen Röslein roth,
was Freud könnt ihr mir machen,
ja machen?“

„Die Freud die wir euch machen künn
die wird sich wol befinden: – ade!
jetzund seid ihr ein Mägdlein jung
bis Jahr geht ihr mit Kinden
ja Kinden

„Geh ich mit einem Kindelein
so müß es Gott erbarmen! ade!
Hab ich doch nur ein halbe Nacht
geschlafen an deinen Armen,
ja Armen.“

„So weine nicht, mein Töchterlein
und weine nicht so sehre! ade!
es ist geschehn manchem Jungfräulein fein
kam doch zu großen Ehren
ja Ehren“

Wer ist der uns das Liedlein sang
von neuem hat gesungen? ade!
Das hat gethan ein Reiter gut
ein Berggesell hat ihn verdrungen
ja verdrungen
Er trinkt viel lieber den kühlen Wein,
denn Wasser aus lauterm Brunnen,
ja Brunnen.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort (1856, Nr. 151c, „Winterrosen“)

Dortige Angaben: „Andere schöne Bergkreyen. auffs new zusamen bracht mit außerleßnen liedern, so in den andern nicht begriffen sind. Zu Nürnberg Truckts Hans Daubmann. 1547.“ kl. 8. 29 Lieder. Das. Nr. 12. Mit der Ueberschrift: „Ein ander Bergkreyn.“ – Vgl. Uhland. I, 258. und Fr. Nicolai’s feinen kl. Almanach. I, 126. Die Abweichungen vom Original verschuldet der Letztere, von dem auch die im fein. kl. Alm. I, 120. befindliche Mel., die Kretzschmer [I, 47] fälschlich für eine ächte Volksmelodie ausgegeben, componiert ist.)

Weiter unten die Melodie aus dem XVI. Jahrh. [Vgl. Uhland. I, 256.]

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1547)



Anmerkungen zu "Es reit ein Herr mit seinem Knecht"

1. Reit, ritt. Für ade steht im Druck durchgehends: alle. –
1, 2. Im Originaldruck: An dem Morgen in dem Thaue. –
3, 4. Diese Zeile habe ich nach dem oben (S. 116) angeführten Bergliederbüchlein (vgl. das. S. 158, Nr. 128) wieder hergestellt. Im Originaldruck steht: „und stehn in voller Blüthe.“ –
5. Gere, mhd. gêre, g. gêren, swm. Schooß. –
10. Am Ende des Liedes noch folgendes 3zeilige Sprüchlein: „Grüß mir sie Gott früh und auch spat, die mich lieb hat.“ –
Vgl. auch Liederhort. Nr. 152. „Es wollt einmal ein junger Knab mit einem Mädchen streiten“